Fürther Mitaufsteiger

18 Punkte mehr! Warum der VfL Bochum so viel besser ist als das Kleeblatt

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

E-Mail zur Autorenseite

9.12.2021, 06:00 Uhr
Trauer und Freude so nah beieinander: Im Oktober feierten die Bochumer ihren 1:0-Erfolg im Ronhof, entsprechend schlecht war die Laune beim Fürther Nick Viergever.

Trauer und Freude so nah beieinander: Im Oktober feierten die Bochumer ihren 1:0-Erfolg im Ronhof, entsprechend schlecht war die Laune beim Fürther Nick Viergever. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NNZ

Es war ein Ausrufezeichen. Vor knapp einem Jahr gewann das Kleeblatt 2:0 im Bochumer Ruhrstadion, im Pott staunte mancher Beobachter angesichts dieser starken und abgeklärten Leistung der Fürther. Im weiteren Saisonverlauf beherrschten beide Mannschaften ihre Gegner noch sehr oft, im Mai durften beide Vereine gemeinsam den Aufstieg in die Bundesliga feiern.

Dort trafen sich Fürth und Bochum im Oktober wieder - und sahen dabei aus wie zwei durchschnittliche Zweitligisten. Doch statt eines 0:0 stand am Ende ein bitteres 0:1 auf der Anzeigetafel. Der Ronhof glich danach einem Friedhof, es war gespenstisch still, zu hören waren einzig die feiernden Bochumer.

Eine Frage, viele Antworten

Der Erfolg in Fürth gab den Bochumern einen Schub. In der Woche danach gewannen sie gegen Frankfurt, kamen im DFB-Pokal eine Runde weiter und holten sich auch gegen Hoffenheim, Freiburg und in Augsburg drei Punkte. Mit nur zwei mehr geschossenen Toren hat der VfL nach 14 Spieltagen 18 (!) Punkte mehr als die Fürther. Wenn man mit Fans des Kleeblatts spricht, taucht immer wieder eine Frage auf: Warum ist Bochum so viel besser?

Es ist eine Frage, auf die es viele Antworten gibt. Eine ist, natürlich, das Geld. Während sich die Fürther ihre Mannschaft 18 Millionen Euro kosten lassen, hat Bochum einen Lizenzspieleretat von 24 Millionen. Auch im Aufstiegsjahr ging der VfL finanziell ins Risiko, kürzlich verkündete Finanz-Geschäftsführer Ilja Kaenzig ein Minus von 5,1 Millionen Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr - das Kleeblatt hat dagegen in der Saison 2020/2021 nur 460.000 Euro Verlust gemacht.

Aus seiner eingespielten Aufstiegsmannschaft hat Bochum mit dem Ex-Fürther Robert Zulj, der dem Ruf des Geldes aus der Wüste folgte, im Sommer zudem nur einen Stammspieler verloren, während dem Kleeblatt vier Stützen wegbrachen. Als die Fürther noch an ihrem Kader bastelten, gewann der VfL im August direkt sein erstes Heimspiel gegen Mainz - die Fürther waren am selben Spieltag beim 1:1 gegen Bielefeld nah dran am ersten Sieg im zweiten Spiel, scheiterten aber an sich selbst.

Mit einer etwas defensiveren Spielweise kommt Bochum in der Bundesliga seitdem weitaus besser zurecht als das Kleeblatt, das für seinen Mut jede Woche hart bestraft wird. "Es war klar, dass es mit unserer Art und Weise, Fußball zu spielen, sehr schwierig wird", sagt Fürths Geschäftsführer Rachid Azzouzi. Wie schnell Lob in bisweilen verachtende Kritik umschlägt, stört ihn dennoch sehr, "in der zweiten Liga wurden wir noch gefeiert für unseren Fußball".

Die Frage, wie sehr man seinen Stil ändern kann und muss, beschäftigt ihn natürlich, genauso wie Trainer Stefan Leitl. "Bochum konnte in der zweiten Liga genauso spielen wie jetzt", sagt Leitl. "Das ist eine komplett andere Philosophie als unsere." Seine Mannschaft sei nicht für einen sehr defensiven Ansatz zusammengestellt. Gegen den Vorwurf, nur offensiv zu denken, verwehrt er sich aber. "Wir haben schon viel probiert, sind von unseren beiden Grundordnungen weg und haben tiefer verteidigt", sagt der Trainer. "Am Ende sind es vor allem viele individuelle Fehler, die wir uns leisten."

Auch seitens der Torhüter. Während Bochum mit Manuel Riemann einen der besten Keeper der Liga hat, der auch mal einen Sieg festhält, haben Sascha Burchert und Marius Funk in Fürth 17 Tore mehr kassiert als statistisch zu erwarten. Jeder zweite Schuss auf das Fürther Tor ist derzeit drin.

Keine Kommentare