Nachgefragt bei Andre Mijatovic

27 Spiele nicht zu Null: Warum hat das Kleeblatt defensiv solche Probleme?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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8.12.2021, 06:00 Uhr

"Wir bekommen viel zu viele Gegentore": Eine Einschätzung, die Cheftrainer Stefan Leitl (r.) mit seinem Assistenten Andre Mijatovic (2.v.r.) teilen dürfte. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NN

An das letzte Spiel, in dem seine Mannschaft kein Gegentor kassiert hat, erinnert sich Andre Mijatovic sofort. "Das war in der letzten Saison gegen Braunschweig, 3:0, zuhause", sagt der Co-Trainer des Kleeblatts, der früher selbst ein sehr guter Verteidiger war und sich in Fürth um die Defensive kümmert. Am 20. April, einem Dienstagabend, schaffte es die Spielvereinigung tatsächlich zum letzten Mal, die Null zu halten. Es folgten 27 Spiele, in denen der Gegner immer mindestens einmal traf.

An den letzten fünf Zweitliga-Spieltagen kassierten die Fürther jedes Mal zwei Tore. Die Misere setzte sich in der Vorbereitung und im Pokal gegen unterklassige Gegner fort, in der Bundesliga hat das Kleeblatt 46 Gegentore in 14 Spielen kassiert. Eine Tatsache, die auch Andre Mijatovic nicht beschönigen will. "Fakt ist", sagt er, "dass wir viel zu viele Gegentore bekommen."

Zu langsam in der Defensive

Bei der Suche nach Gründen ist Mijatovic ein guter Gesprächspartner. "Wir müssen in der Bundesliga taktisch fast alles perfekt machen, weil eine ganz andere Dynamik auf uns zukommt", sagt er. "Was die Situation definitiv erschwert ist, dass wir hinten nicht die Schnellsten sind. Da musst Du im ersten Zweikampf alles richtig machen." Es gab Spiele wie das gegen Frankfurt, in denen das sehr lange klappte, in anderen genügte ein kleiner taktischer Fehler und schon traf der Gegner. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Die vielen Gegentore sind auch ein Resultat der offensiven Spielweise des Kleeblatts. "Unser Ansatz ist, dass wir mutig spielen wollen, wir sind keine passive Mannschaft", sagt der Co-Trainer. "Natürlich wird das in der Bundesliga anders bestraft, wenn Du die Räume größer lässt." Umso wichtiger sei es, dass vom vordersten Angreifer bis zum hintersten Verteidiger alle jeden Zweikampf mit voller Intensität führen - und taktisch alles richtig machen. Oder, wie es Mijatovic formuliert, "auch mal dreckig und ein bisschen aggressiver" sind.

Beim 1:7 in Leverkusen haben die Fürther teilweise schon ein bisschen tiefer verteidigt, verhindern konnten sie die Gegentorflut aber auch nicht. Im Gegenteil. Das lag unter anderem daran, dass taktische Grundlagen nicht funktioniert haben. "Wir wollen mit den Innenverteidigern auch die Außenverteidiger sichern, aber man darf beim Verschieben nicht nur traben, sondern muss sprinten", sagt Mijatovic. "Man muss alles mit und gegen den Ball mit großer Dynamik machen."

Ganz tief wird die Spielvereinigung aber auch künftig nicht verteidigen. "Dann sind die Wege zum gegnerischen Tor deutlich weiter", sagt Mijatovic. "Wir müssen uns natürlich immer anpassen, aber wir dürfen auch nicht unsere eigene Art, Fußball zu spielen, zu vergessen." Die Balance zwischen zu finden, wird die wichtigste Aufgabe für die kommenden Wochen und Monate. "In der Bundesliga geht alles schneller, im Kopf und auf dem Platz", sagt Mijatovic, "es geht darum, Entscheidungen besser und schneller zu fällen."

Die Nachteile im Sprint könne man aber als Verteidiger gut kompensieren, "ich war auch nie der schnellste Spieler, aber mit der Erfahrung kannst Du das Spiel besser antizipieren und die Situationen besser lesen", sagt der 42-Jährige. "Man kann vieles schon unterbinden, bevor man in ein 40-Meter-Sprintduell gehen muss." Wie das aussehen kann, hat Abwehrchef Nick Viergever vor seiner Verletzung Ende Oktober gezeigt. In dieser Woche wird der erfahrene Innenverteidiger genauso wie Gideon Jung und Justin Hoogma ins Mannschaftstraining integriert, ob er bereits für das Spiel gegen Union Berlin am Sonntag eine Option ist, hängt davon ab, wie sein Körper auf die Belastung reagiert.

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