Leidenszeit vorbei

Abwehrchef Nick Viergever über sein Comeback und die neue Fürther Stabilität

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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10.1.2022, 10:00 Uhr
Wenn 17 Zentimeter Größenunterschied kein Problem sind: Nick Viergever (links) springt in dieser Szene höher als der zwei Meter große Stuttgarter Sasa Kalajdzic.

Wenn 17 Zentimeter Größenunterschied kein Problem sind: Nick Viergever (links) springt in dieser Szene höher als der zwei Meter große Stuttgarter Sasa Kalajdzic. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Um kurz vor Vier wäre aus einem schönen Nachmittag fast ein sehr schöner geworden. Nach 20 Minuten der Eingewöhnung stand Nick Viergever am Samstag plötzlich im Stuttgarter Strafraum und hob den Arm. Paul Seguin sah seinen Abwehrchef auf der ungewohnten Position und spielte eine perfekte Verlagerung, die Viergever ebenso perfekt in die Mitte legte.

Es hätte das 1:0 für das Kleeblatt sein können, die Führung, die ihnen Mut und Auftrieb gegeben hätte. Doch die Hereingabe köpfte Branimir Hrgota zu zentral und genau auf den Arm des Stuttgarter Torhüters. Weiter 0:0 also. Knapp eineinhalb Stunden später standen noch immer zwei große Nullen auf der Anzeigetafel - wobei sich Nick Viergever über die eine mehr freute als über die andere.

"Mit dem Ball nicht genug"

"Eine weiße Weste ist sehr gut", sagte der 32-Jährige, der nach acht Wochen Verletzungspause zum ersten Mal wieder mitwirken konnte. "Wir haben in der Hinrunde viele Tore kassiert, aber seit ein paar Spielen halten wir die Null." Das sei wichtig, um neue Sicherheit zu gewinnen und jedes Mal wieder die Chance zu haben, ein Spiel zu gewinnen. "Wenn der Gegner nicht trifft, hast Du gute Chancen", so Viergever, der die 90 Minuten Fußball im Ronhof später mit wenigen Worten zusammenfasste: "Gegen den Ball war es gut, mit dem Ball nicht genug."

Daran, dass das Spiel gegen den Ball gut war, hatte der Abwehrchef großen Anteil. Zu Beginn brauchte er ein paar Minuten, um sich auf dem Feld zurecht und zu seiner gewohnten Sicherheit zurückzufinden, dann aber hatte er wieder großen Spaß am Fußball. Und war der Nick Viergever, der er vor seiner Sprunggelenksverletzung gewesen war. Der Mann, der seine Kollegen führt, sich in Zweikämpfe wirft und einer zuletzt schon stabileren Mannschaft noch mehr Stabilität verleiht.

Am Samstagnachmittag endete für Viergever auch eine lange Leidenszeit. „Ich war froh, wieder zu spielen, denn ich lebe für den Fußball“, sagte er. "Wenn Du acht Wochen raus bist und siehst die Mannschaft jeden Tag trainieren und spielen, dann ist das hart." Seine Verletzung, erlitten Ende Oktober in Freiburg, sei "nicht leicht" gewesen, sie zog sich länger, als mancher anfangs vermutete.

Wie wichtig er ist, sah man am Samstag in vielen Szenen, vor allem in den kleinen Momenten, in denen er extrem routiniert und abgeklärt spielte. Auch Stefan Leitl war "sehr zufrieden" mit Viergevers Debüt, "er ist nicht nur aufgrund seiner Erfahrung und Qualität wichtig", sagte der Trainer, "sondern auch, weil wir mit ihm einen Kommunikator auf dem Platz haben."

Stuttgarts Angreifer Sasa Kalajdzic kam, auch wegen Viergever, bis auf wenige Szenen nicht so recht zur Entfaltung, das Lob gab der Abwehrchef aber sofort weiter. "So einen Spieler kann ich nicht alleine verteidigen", betonte Viergever. "Dafür braucht man ein ganzes Team mit gut pressenden Stürmern, mit Außenverteidigern, die die Flanken blocken und vielen anderen Spielern, damit er nicht in gefährlichen Räume laufen kann."

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