Fürth und sein Standard-Problem

Das muss beim Kleeblatt noch besser werden - Seguin fordert: "Die müssen eine Waffe werden!"

13.9.2021, 06:00 Uhr
Weiter arbeiten, weiter daran glauben: Auch Paul Seguin tut sich bislang schwer in der Bundesliga, ist aber überzeugt, dass seine Fürther demnächst häufiger punkten.

Weiter arbeiten, weiter daran glauben: Auch Paul Seguin tut sich bislang schwer in der Bundesliga, ist aber überzeugt, dass seine Fürther demnächst häufiger punkten. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Die Begegnung war bereits seit einer halben Stunde beendet, da stand Paul Seguin noch immer auf dem Rasen des Fürther Ronhofs. Seguin ruderte mit den Armen, schüttelte den Kopf, verzog das Gesicht - wer auch immer in seine Nähe kam, wurde vom Mittelfeldmotor des Kleeblatts zur Analyse des 0:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg gebeten (weiterer Bericht im überregionalen Sportteil). Die Enttäuschung war ihm auch noch in Hundert Meter Entfernung anzusehen.

Am Tag darauf gab sich Seguin schon wieder etwas versöhnlicher. "Wir müssen das Positive sehen", sagte er nach der regenerativen Einheit am Sonntagvormittag. "Wir haben Paroli geboten, es war nicht einfach für sie, wir haben wenig zugelassen", lautete mit etwas Abstand sein Fazit zum Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer der Bundesliga, der ab Dienstag auch in der Champions League gefragt ist. "Sie waren besser, das muss man akzeptieren, auch wenn einem das schwerfällt", findet Seguin, der die Gelegenheit nutzte, um noch einmal an die Größenverhältnisse zu erinnern: "Weghorsts Marktwert entspricht wahrscheinlich unserem ganzen Kader."

Fast so viel wert wie ein Wout Weghorst

Womit Seguin tatsächlich nur knapp daneben liegt. Der VfL-Stürmer Weghorst, Vorname Wout, bringt es beim Portal transfermarkt.de auf satte 30 Millionen Euro, das Aufgebot der Spielvereinigung Greuther Fürth kommt - die Leihspieler eingerechnet - auf knapp 40 Millionen.

In der vergangenen Saison ist es ihnen beim Kleeblatt individuell aber auch als Kollektiv gelungen, den Marktwert deutlich zu erhöhen. Am Ende stand der Aufstieg in die erste Liga. Was passieren muss, damit am Ende diesmal nicht gleich wieder der Abstieg in die zweite Liga steht? "Wir müssen unsere Zweikämpfe gewinnen und vorne noch cooler werden", findet Seguin.

Auch Mittelfeldmotor Seguin stottert

Auch bei ihm selbst läuft es ja noch nicht rund, Fürths Mittelfeldmotor stottert im neuen Umfeld doch hörbar. Seinen Blackout beim Spielaufbau nach 29 Minuten am Samstag hätte die Spielvereinigung beinahe mit dem 0:2 bezahlt, Maximilian Bauer konnte den Fehler gerade noch ausbessern. Konnte Seguin vergangene Saison noch relativ in Ruhe seine schlauen Pässe in die Schnittstellen spielen und selbst Torgefahr ausstrahlen, stehen ihm die Gegenspieler nun deutlich schneller vor den Füßen - und er ihnen zu oft auf den Füßen. Gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber holte er sich bereits die vierte Gelbe Karte im vierten Spiel. "Das ärgert mich sehr", sagt er, "da muss ich mich verbessern."

Ebenfalls verbesserungswürdig, nicht nur bei Paul Seguin: die Standardsituationen. "Da müssen wir uns mehr konzentrieren, da müssen wir mehr draus machen", kritisierte Trainer Stefan Leitl am Samstag seine Mannschaft. Gerade, wenn der Gegner kaum Chancen aus dem Spiel heraus zulässt. Seguin, der gegen den VfL aus aussichtsreicher Position ebenfalls eine schöne Gelegenheit ausließ, sieht das genauso: "Standards sind so wichtig geworden im Fußball", sagt er, "die müssen eine Waffe werden!"

Im besten Fall kann Paul Seguin dann auch mal früher und beruhigter in den Feierabend gehen.

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