Kleeblatt wurde nachträglich Hallenmeister

Drogen und Klagen: Wie Fürth und Gladbach 2000 Fußballgeschichte schrieben

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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20.11.2021, 06:00 Uhr
Das tatsächlich einzige Bild aus dem historischen Finalspiel: Der Fürther Zivojin Juskic (links) im Zweikampf mit Gladbachs Marcel Ketelaer.

Das tatsächlich einzige Bild aus dem historischen Finalspiel: Der Fürther Zivojin Juskic (links) im Zweikampf mit Gladbachs Marcel Ketelaer. © imago images/Sven Simon, NN

Auf dem Briefkopf des Kleeblatts versteckte sich über viele Jahre ein kleines und sehr absurdes Stück Fußballgeschichte. Neben drei deutschen und vier süddeutschen Meistertiteln war dort lange auch der letzte große Titel des Vereins aufgelistet. "Deutscher Hallenmeister 2000" stand auf dem Papier geschrieben - dabei hatten die Fürther das Finale der damals außerordentlich beliebten Serie mit 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach verloren.

Die Geschehnisse in der Münchner Olympiahalle aber hallten nach. Der Gladbacher Quido Lanzaat war nach dem Finale des Dopings überführt worden. Er hatte in der Silvesternacht 1999, also knapp zwei Wochen vor dem Hallenmasters, in den Niederlanden zwei Joints geraucht. Fünf Tage vor dem Finale wechselte er aus Amsterdam zur Borussia und spielte mit den verbotenen Substanzen im Blut Fußball.

Dafür wurde er vom DFB-Sportgericht acht Wochen gesperrt, den Titel aber sollten die Gladbacher behalten. Dagegen wehrten sich die Fürther, die unbedingt Deutscher Hallenmeister werden wollten. Der Einspruch zog sich über Monate hin, ein halbes Jahr nach dem Finale aber hatte das Kleeblatt sein Ziel erreicht. "Doping ist die tödliche Berufskrankheit", sagte der Richter am DFB-Bundesgericht - und erkannte Mönchengladbach in zweiter Instanz den Titel ab.

Es war der späte Lohn für die Fürther, die mit ihrem Auftreten begeistert hatten. Die Spielvereinigung sei "eine Bereicherung des Hallenfußballs", sagte Christoph Daum, der mit Bayer Leverkusen im Halbfinale am Kleeblatt gescheitert war. Für die Spielvereinigung trafen in Daniel Felgenhauer und Martin Meichelbeck damals zwei Spieler, die auch jetzt, 21 Jahre später, noch eine Rolle spielen, wenn sich Mönchengladbach und Fürth am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der Bundesliga treffen.

Felgenhauer wechselte 2001 für mehr als eine Million Euro zur Borussia, die ein paar Wochen vorher mit einem 2:2 im Ronhof nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgekehrt war. In Mönchengladbach traf er auf einen weiteren Ex-Fürther - der inzwischen das bekannteste Gesicht der Gladbacher ist: Max Eberl. Als Manager hat er aus dem einstigen Abstiegskandidaten wieder eine Spitzenmannschaft geformt, die in den vergangenen Jahren regelmäßig im Europapokal gespielt hat.

Zuletzt hat er sich auch einige Weggefährten aus der Vergangenheit in den Verein geholt. Daniel Felgenhauer ist inzwischen Co-Trainer der zweiten Mannschaft der Borussia, Martin Meichelbeck, der in Fürth mehrere Jahre als "Technischer Direktor" gearbeitet hatte, stieg ein Jahr vor dem Kleeblatt in die Bundesliga auf und wechselte 2020 als "Leiter Medizin und Prävention" nach Gladbach. Auf seinem Briefkopf stehen seitdem ein paar mehr Titel.

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