"Eine Bereicherung für den Schul-Alltag"

"Fußball trifft Kultur": Warum sich das Kleeblatt an der Frauenschule engagiert

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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17.11.2021, 06:00 Uhr
Eine Halbzeit Deutschlernen, eine Fußballspielen: Darum geht es beim neuen Bildungsprogramm der Spielvereinigung Greuther Fürth.
 

Eine Halbzeit Deutschlernen, eine Fußballspielen: Darum geht es beim neuen Bildungsprogramm der Spielvereinigung Greuther Fürth.   © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Als der Anpfiff ertönt, geht es direkt los. Ohne Abtasten. Die sechs Kinder schnappen sich einen Ball, rennen auf den Platz, dribbeln, schießen, jubeln. Immer wieder. Die Freude am Fußball ist den Dritt- und Viertklässlern an diesem Nachmittag in der neuen Turnhalle des Hardenberg-Gymnasiums anzusehen. Dass diese Trainingseinheit aber weitaus mehr ist als gewöhnlicher Sportunterricht, sieht man auf der Brust von Michael König – auf der ein grünes Kleeblatt prangt.

König leitet die "Kleeblatt Fußballwelt", in der die Spielvereinigung ihre Bewegungsangebote für Kinder bündelt. Zu diesen zählen neben Feriencamps und der Fußballschule auch Bewegungsangebote in Schulen. Schon seit vielen Jahren engagiert sich der Verein mit der Aktion "Bolzplatzhelden", bei der Kinder aus 18 Fürther Grundschulen zum Fußballspielen zusammenkommen.

Die neue Hardenberg-Halle bietet perfekte Bedingungen fürs Fußballtraining.

Die neue Hardenberg-Halle bietet perfekte Bedingungen fürs Fußballtraining. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Das neueste Projekt des Kleeblatts ist ein integratives Bildungsprogramm mit dem Namen "Fußball trifft Kultur". Dieses läuft deutschlandweit an mehreren Standorten und wurde einst 2007 in Frankfurt von der gemeinnützigen Gesellschaft "Litcam" ins Leben gerufen. Seit 2012 unterstützt die Stiftung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Durchführung. Dabei sollen Kinder aus benachteiligten Stadtteilen durch die Kombination aus Fußball, Sprache und Kultur gefördert werden.
Wurzeln in acht Ländern

In Fürth hat sich die Spielvereinigung in Absprache mit der Stadt entschieden, die Frauenschule zu unterstützten. Diese ist laut Bürgermeister Markus Braun eine "Brennpunktschule" mit vielen Deutsch-Lernklassen. Die 18 Kinder, die am neuen Projekt teilnehmen, haben Wurzeln in acht verschiedenen Ländern. Der Sport soll helfen, Grenzen zu überwinden und die Gemeinschaft zu fördern. "Fußball ist ein verbindendes Element", sagt Bürgermeister Braun, "durch den Sport können wir die Kinder zusammenbringen." Das Projekt des Kleeblatts sei "eine Bereicherung für den Schul-Alltag".

In den kommenden zwei Jahren bekommen die 18 fußballbegeisterten Kinder, darunter auch zwei Mädchen, zweimal wöchentlich 90 Minuten lang Unterstützung. In der ersten "Halbzeit" steht ein sogenanntes "Kompetenztraining" im Klassenzimmer auf dem Plan, in der zweiten Hälfte das Fußballtraining mit zwei Trainern in der Sporthalle.

Unterstützt wird Kleeblatt-Coach Michael König dabei von Herbert Dröse, dem ehemaligen Schulleiter der Fürther Seeackerschule. Der hatte zu seiner Zeit als Rektor immer wieder mit Spielern aus dem Nachwuchsleistungszentrum der Spielvereinigung zu tun und war von Beginn an bei den "Bolzplatzhelden" dabei.

„Für unsere Stadt da“

Ziel des "Kompetenztrainings" ist, die Sprache der Kinder zu verbessern. Dabei handelt es sich um einen Deutsch-Förderunterricht, der um spielerische Elemente ergänzt wird. "Die Schüler sollen ins Sprechen kommen", sagt Karin Plötz, die Direktorin von Litcam, die das Projekt einst in Frankfurt initiiert hat. "Der Schwerpunkt liegt dabei auf Klima und Umweltschutz." Dazu kommt eine sogenannte "Club-Challenge", bei der sich die Kinder mit der Spielvereinigung auseinandersetzen sollen.

Beim Kleeblatt ist man froh, das Projekt in Pandemiezeiten durchführen zu können. "Die Bewegungsförderung liegt uns als Verein sehr am Herzen", sagt Stefano Ridolfo, der als Stiftungsreferent für das gesellschaftliche Engagement der Spielvereinigung zuständig ist. Nach Homeschooling und monatelangem Lockdown sei es umso wichtiger, die Kinder wieder zum Sport zu animieren. "Wir wollen zeigen", so Ridolfo, "dass wir für unsere Stadt da sind."

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