Fürth reist nach Berlin

Kleeblatt-Gegner Hertha BSC: Trotz 375 Millionen im Abstiegskampf

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

E-Mail zur Autorenseite

17.9.2021, 06:00 Uhr
Der Chef neben und der auf dem Platz: Pal Dardai (links) mit Kevin-Prince Boateng.

Der Chef neben und der auf dem Platz: Pal Dardai (links) mit Kevin-Prince Boateng. © Soeren Stache, dpa

Mit der Gesamtsituation...

... können sie bei der Hertha nicht zufrieden sein. Nach Niederlagen in Köln (1:3), gegen Wolfsburg (1:2) und beim FC Bayern (0:5) waren die Berliner bis zum vergangenen Sonntag Tabellenletzter. Dank des schmeichelhaften 3:1-Erfolges beim VfL Bochum konnten sie die Rote Laterne zwar an das Kleeblatt weiterreichen, doch für die hohen Ansprüche ist das natürlich viel zu wenig.

Schließlich hat Investor Lars Windhorst seit 2019 375 Millionen Euro an den Hauptstadtklub gezahlt, der damit bislang aber nicht allzu viel anzufangen wusste. Seit dem Sommer hat Fredi Bobic als sportlich Verantwortlicher das Sagen, zufrieden sind die Berliner mit dessen Arbeit allerdings nicht. In der Sommer-Tranferperiode hat er mit Matheus Cunha (30 Millionen), Jhon Cordoba (20 Millionen) und Dodi Lukebakio drei torgefährliche Angreifer abgegeben – und in Ishak Belfodil aus Hoffenheim nur einen als Ersatz geholt.

An der Seitenlinie...

... steht, wie so oft in den vergangenen Jahren, Pal Dardai. Kaum ein Mensch verkörpert Hertha BSC so sehr wie der 45 Jahre alte Ungar. Dardai spielte für die Hertha, trainierte dort die Jugend und später mehrere Jahre die Profis. Sein bisweilen eher biederer Spielstil stieß aber auf wenig Gegenliebe, sodass 2019 erst Ante Covic übernahm und damit ein wildes Durcheinander begann. Covic konnte die Erwartungen nicht erfüllen, es kam Jürgen Klinsmann, der das noch weniger tat. Und auch Bruno Labbadia war schnell wieder Geschichte. Im Januar 2021 übernahm Pal Dardai erneut und stabilisierte die schlingernde Hertha.

Doch nach dem missglückten Auftakt zählte sich Dardai selbst an. „Ich hänge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus. Im Sommer hieß es auch nicht unbedingt, dass ich es mache. Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange wie es sein soll“, sagte er.

Es kam nicht gerade gut an bei seinem Vorgesetzten Fredi Bobic, der offenbar bereits das Gespräch mit dem ehemaligen Dortmunder Trainer Edin Terzic gesucht haben soll.

Der letzte Auftritt...

... war zumindest dem Ergebnis nach erfolgreich. Eine in der ersten Halbzeit schwache Hertha gewann am Ende mit 3:1 beim VfL Bochum, der anfangs ein gutes Spiel gemacht hatte, der Hertha dann aber zwei Tore schenkte. „Dieser Sieg riecht nach Arbeit. Die Mannschaft wird Lob für ihre Arbeit bekommen. Das ist in unserer Situation das Wichtigste: arbeiten“, sagte Pal Dardai hinterher. Es sei ein „Neuanfang“ gewesen – bei dem sich aber in Lukas Klünter und Jordan Torunarigha zwei Abwehrspieler verletzt haben.

Alle Augen auf...

... Suat Serdar. Der Mittelfeldspieler schoss beim 3:1 in Bochum zuletzt zwei Tore und erfreute damit auch seinen Trainer. „Er hat die Qualität, um für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen“, sagte Pal Dardai über den ehemaligen Schalker, der das letzte seiner vier Länderspiele vor einem Jahr bestritt. „Torgefahr, Laufbereitschaft, Spielfähigkeit - das ist alles schön, muss aber regelmäßig so sein.“

1 Kommentar