Vereinschef im ausführlichen Interview

Kleeblatt-Präsident Höfler über die sportliche Lage, Investoren und das Thema SpVgg Fürth

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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28.10.2021, 11:50 Uhr
„Wir haben uns natürlich alle mehr erwartet“: Fürths Präsident Fred Höfler, hier bei der letzten Mitgliederversammlung Ende 2019.

„Wir haben uns natürlich alle mehr erwartet“: Fürths Präsident Fred Höfler, hier bei der letzten Mitgliederversammlung Ende 2019. © Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Machen Sie sich Sorgen um Ihren Verein, Herr Höfler?

Höfler: Um den Verein nicht, weil wir wirtschaftlich gut aufgestellt sind. Wir haben verantwortungsvoll und von Anfang an mit der ersten und zweiten Liga geplant. Wir werden nächstes Jahr die Lizenzunterlagen für die erste und die zweite Liga abgeben. Das war nicht immer so, wir mussten auch schon für die dritte und die zweite Liga planen. Insofern sind wir einen großen Schritt weiter. Sorgen mache ich mir also gar keine.

Auch nicht aus sportlicher Sicht?

Höfler: Wir haben uns natürlich alle mehr erwartet. Es war aber von vorneherein klar, dass wir nur gegen den Abstieg spielen werden. Es ist eine außerordentliche Gnade, dass wir dieses Jahr Bundesliga spielen können und den gesamten Verlust aus der Corona-Zeit, diese knapp vier Millionen Euro, wieder gut machen können. Irgendwann werden wir auch wieder Banken-Gespräche führen und dann ist es immer gut, wenn du wirtschaftlich solide gehandelt hast. Es schafft einfach Vertrauen und ist ganz wichtig für einen Verein.

Es ist ja nicht nur so, dass die Profis denkbar schlecht gestartet sind. Die U23 ist Vorletzter in der Regionalliga, auch die U19 und die U17 stehen in den Nachwuchs-Bundesligen schlecht da. Dabei sagten Sie vor ein paar Jahren, es sei die „DNA“ des Kleeblatts, Ausbildungsverein zu sein.

Höfler: Natürlich würden wir gerne besser dastehen. Wenn wir aber den derzeitigen Modus bei den U-Mannschaften anschauen, ist es so, dass die Hälfte der Vereine gegen den Abstieg kämpft. Das sieht man natürlich an der Spielweise. Es gibt Vereine, die wollen ausbilden, wollen das spielerische Moment fördern, die technischen Fähigkeiten. Und es gibt Vereine, die nicht absteigen wollen. Die stellen dann hinten einfach Kanten rein und machen eigentlich kein Spiel, sondern verhindern es.

Das Kleeblatt leistet sich aber auch eine U23 in der vierten Liga.

Höfler: Wir haben uns vor längerer Zeit entschieden, dass wir wirklich Nachwuchsspieler holen, dass wir die U23 nicht zu einer verkappten Profimannschaft machen. Wir wollten ja die Durchlässigkeit stärken. Dazu gehört, dass wir eine Möglichkeit für all jene schaffen, die nicht den direkten Sprung von der U19 in den Profibereich schaffen. Wir wollen mit der U23 in dieser Liga bleiben, weil sie für die Entwicklung der jungen Spieler das richtige Umfeld ist. Zufrieden sind wir mit der Situation insgesamt natürlich nicht.

Das Label „Ausbildungsverein“ sehen Sie aber noch nicht in Gefahr? Aus dem aktuellen U19-Jahrgang wird es wohl niemand nach oben schaffen.

Höfler: Wir haben immer wieder Jahrgänge, in denen es so läuft wie jetzt. Das ist keine neue Entwicklung. Wir hatten damals auch den Jahrgang mit Prib, Sararer, Schröck oder Adlung, dann kommen wieder Jahre, in denen nicht es nicht so gut läuft. Dazu kommt, dass es früher, als wir dieses große Potenzial hatten, fast keine Nachwuchsleistungszentren (NLZ) in Bayern gab.

Heute haben viele Vereine aufgeholt.

Höfler: Genau. Und wenn viele im gleichen Teich fischen, dann wird automatisch die Fangquote niedriger. Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht: Da gibt‘s noch einiges zu tun. Deswegen geben wir dieses Label nicht auf. Nur das kann unser Weg sein und so sind wir ja auch aufgestiegen, als die deutsche Mannschaft mit den meisten Einsatzminuten für junge Spieler. Und wenn wir sehen, dass wir letztes Jahr drei deutsche U21-Nationalspieler hatten, dieses Jahr auch wieder zwei, beides Eigengewächse, und mit Simon Asta zuletzt der U20-Kapitän aus unseren Reihen kommt, dann gibt es auch viel Positives.


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Sie haben vor drei Jahren im Interview gesagt, Sie wollen erreichen, dass noch mehr Geld ins Scouting und das NLZ fließt. Ist das überholt worden durch Corona, weil man einfach überall sparen muss?

Höfler: Ja.

Das Ziel aber ist geblieben? Mehr Geld und mehr Scouting im Nachwuchsbereich erhöht die Chancen natürlich.

Höfler: Wir haben in den Gremien eine eindeutige Mehrheit, dass wir natürlich mittel- und langfristig mehr Geld ins Scouting und in junge Spieler stecken müssen. Wir zahlen ja auch, anders als früher, Ablösesummen für Spieler, die vielleicht 16 Jahre alt sind - wenn auch nicht ansatzweise so viel wie andere Vereine.

Lassen Sie uns das Thema wechseln. Sie haben vor einigen Wochen den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Ist Fred Höfler der neue Helmut Hack?

Höfler: Nein! Ich bin in keinem meiner Ämter operativ tätig. Nicht nur, weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht darf. Helmut Hack war operativ tätig, weil er Sprecher der Geschäftsführung war und Präsident. Ich werde oft angesprochen aus dem Bekanntenkreis oder von Fans. Warum sieht man Sie nicht öfter? Warum hauen Sie nicht auf den Tisch? Dann erkläre ich immer diesen Ämter-Zuschnitt, damit die Leute es verstehen. Ich habe einen natürlichen Reflex, mich ins Operative einzumischen, weil ich mein ganzes Leben lang operativ tätig war.

Als Geschäftsführer der Tucher-Brauerei.

Höfler: Der Herr Schwiewagner als Geschäftsführer der KGaA kennt mich am längsten, er hat ja auch bei Tucher gearbeitet. Er hatte anfangs sicher auch Bedenken, ob ich mich nicht zu sehr einmische. Ich habe wirklich an mir gearbeitet, dass ich genau das nicht tue. Natürlich spricht man hinter den Kulissen sehr viel miteinander, aber immer mit dem notwendigen Respekt. Die Außendarstellung übernimmt aber die Geschäftsführung. Ich weiß, dass andere im Zweifelsfall mehr Ahnung haben. Ich bin letztendlich nur Fan und von daher sehe ich kein Problem mit meiner „Ämter-Fülle“.

Aber Sie haben jetzt zumindest auf dem Papier mehr Macht, weil Sie bei Stimmengleichheit im Aufsichtsrat entscheiden dürfen.

Höfler: Ja, ich habe mehr Einfluss. Ich kann Sitzungen einberufen, darf sie leiten und nehme mir vielleicht auch mehr Rederecht heraus, um Dinge in meinem Sinne anzustoßen. Am Ende entscheidet aber der Aufsichtsrat - und da bin ich einer von neun.

Genauso wie Thomas Sommer. Es hieß in der Vergangenheit öfter, dass er gerne mehr in den Verein investieren möchte. Das ist wahrscheinlich auch immer wieder Thema im Aufsichtsrat, oder?

Höfler: Nein, gar nicht. Der Thomas hat festgestellt, dass ein Investment wie er es sich vorstellt in der DFL nicht möglich ist. Er kann dem Verein nicht einen Spieler kaufen, Besitzer bleiben und beim Verkauf profitieren.

Das ist ja als „Third Party Ownership“ von der Fifa verboten.

Höfler: Genau. Das, glaube ich, hat man früher in der Deutlichkeit nicht gesehen. Wir haben das ganz offen besprochen, haben geprüft, ob es eine Möglichkeit gibt, aber es geht nicht.

Und für ihn ist das dann auch erledigt?

Höfler: Dieses Thema ist für ihn erledigt. Das heißt aber nicht, dass er nicht von Herzen Fan und Sponsor ist. Seine Beiträge im Aufsichtsrat sind sehr wertvoll. Außerdem führt er uns immer wieder neue Sponsoren zu. Er macht es eben auf eine andere Art, weil er unheimlich viele gute Kontakte hat. Da spürt man, dass er in erster Linie Fan ist, denn er müsste das nicht machen.

Es gab ja immer wieder Diskussionen um einen „strategischen Partner“, also einen Investor, der Geld in die Spielvereinigung steckt. Das ist vom Tisch?

Höfler: Aufgrund der sehr guten Führung von Herrn Hack sind wir nie in finanzielle Nöte geraten, konnten und können selbstbestimmt handeln, das ist viel wert. Jetzt geht es darum sich weiterzuentwickeln und das Jahr Bundesliga wird uns dabei auf jeden Fall helfen.

Das Kleeblatt soll also organisch weiter wachsen.

Höfler: Meiner Meinung nach ist das der beste Weg für uns.

Bei Ihrem Amtsantritt haben sie gesagt, Sie wollen die Fans mehr mitnehmen, wollen mehr Identifikation und Transparenz schaffen. Ist die kürzlich verkündete Satzungsänderung das erste Projekt, das Sie als Präsident in diese Richtung umgesetzt haben?

Höfler: Ja.

Sind Sie auch ein bisschen stolz darauf, dass Sie das innerhalb dieser Zeit geschafft haben?

Höfler: Es war eine Gemeinschaftsleistung. Ohne Vestenbergsgreuth hätte es ja gar nicht funktioniert. Als Präsident hatte ich die Ehre, dieses Gremium zusammenzustellen und die Sitzungen zu moderieren. Es waren aber keine kontroversen Diskussionen notwendig. Was mich riesig gefreut hat, ist die Haltung von Vestenbergsgreuth, von Herrn Hack und Herrn Wedel. Sie haben das sehr konstruktiv begleitet. Da bin ich stolz auf uns alle, dass wir das so konsensual und einvernehmlich umsetzen konnten. Jetzt hoffe ich, dass die Mitglieder in vier Wochen noch zustimmen.

Bei der Mitgliederversammlung am 25. November.

Höfler: Ich halte das für einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung, mit dem wir den Mitgliedern mehr Mitsprache geben, die aber gleichzeitig auch mit viel Verantwortung einhergeht.

Können Sie sich erklären, warum die Greuther auf ihre 20 Prozent Stimmanteile verzichten?

Höfler: Weil sie das gleiche demokratische Grundverständnis wie wir haben und ein großes beidseitiges Vertrauen herrscht.

Sie haben die verhärteten Fronten angesprochen. Die Forderung „Zurück zur SpVgg Fürth“ ist immer wieder Thema. Eine solche Namensänderung wäre künftig möglich. Das war allen Verantwortlichen sicher auch bewusst.

Höfler: Klar, wir sind ja nicht blind. Wir gehen sehenden Auges in diese Situation, weil wir glauben, dass eine deutliche Mehrheit im Verein das nicht will. Ich übrigens auch nicht. Das habe ich auch den Initiatoren der Kampagne von Anfang an gesagt. Ich bin schon so lange Mitglied im Verein und Fan, dass ich die SpVgg Fürth noch sehr gut kennengelernt habe. Ich kann meine Argumente nur wiederholen.

Gerne.

Höfler: Da geht es um Dankbarkeit, es ist unnötig und wirtschaftlich sogar noch hochgefährlich. Wenn ich in die Abteilungen reinhöre, ob Turnen oder Hockey, wenn ich mit den „Alten“ wie Wolf Nanke oder Bernd Lindner, die im Präsidium der alten Spielvereinigung waren, spreche, dann höre ich immer wieder, dass sie das nicht wollen. Die sehen es auch als unnötig und gefährlich an. Es ist ja auch mein Job, Risiken vom Verein weg zu halten. Wenn es aber demokratische Mehrheitsverhältnisse gibt, dann ist es einfach so.

So offen wurde bislang nicht über das Thema gesprochen.

Höfler: Wir sind ja nicht blauäugig und wussten welche Fragen jetzt kommen. Es ist Teil der Satzung, die wir noch demokratischer ausrichten wollen und war es ja unter anderen Voraussetzungen auch bisher schon. Unsere Haltung in allen Gremien ist aber eindeutig. Wir stehen zur Erfolgsgeschichte Spielvereinigung Greuther Fürth.

Warum wäre eine Rückbenennung denn „wirtschaftlich gefährlich“? Geht es da nur um die Greuther, um die Firma Martin Bauer? Oder auch um die Verlässlichkeit der Spielvereinigung Greuther Fürth?

Höfler: Es geht nicht um einzelne Partner, sondern darum, dass wir verlässlich sind. Wir brauchen Berechenbarkeit. Als Sponsor baust du ja auch deine Kommunikation zusammen mit dem Verein. Wenn ich an Grüner denke. Der wichtigste Baustein für die Kommunikation war die Spielvereinigung. Das war so sympathisch, so organisch, es hat perfekt zum Unternehmen gepasst.

Und ein fehlender Namensbestandteil ändert da so viel?

Höfler: Eine Diskussion über den Namen ist doch oberflächlich. Die Spielvereinigung Greuther Fürth steht für klare Werte, eine Haltung und einen eigenen Weg. Diesen gilt es erfolgreich fortzuführen.

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