Blick in die Zukunft

Personal, Finanzen, Fans: Ist das Kleeblatt bereit für den Neuanfang in der zweiten Liga?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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12.5.2022, 06:00 Uhr
Gesichter des Neustarts: Tobias Raschl, Sebastian Griesbeck und Julian Green (v.r.) sind sicher dabei, Luca Itter vielleicht.

© Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink Gesichter des Neustarts: Tobias Raschl, Sebastian Griesbeck und Julian Green (v.r.) sind sicher dabei, Luca Itter vielleicht.

Das Personal

Der Spielvereinigung steht ein intensiver Transfersommer bevor. Stand jetzt haben die Fürther nach den Verlängerungen von Rechtsverteidiger Simon Asta und Mittelfeldspieler Timothy Tillman für die kommende Saison 19 Spieler unter Vertrag. Dazu mit Angreifer Jessic Ngankam und Linksverteidiger Luca Itter zwei Leihspieler aus Berlin und Freiburg, die Geschäftsführer Rachid Azzouzi gerne halten würde.

Baustellen gibt es dabei auf fast jeder Position. Der Verbleib von Torhüter Andreas Linde ist offenbar längst nicht sicher - und wie es mit Sascha Burchert, dessen Vertrag ausläuft, weitergeht, ist ebenfalls offen. In der Abwehr wird Marco Meyerhöfer (rechts) noch sehr lange ausfallen, für Maximilian Bauer (nach Augsburg) kam zwar im Winter Oliver Fobassam, der sich vielversprechend präsentiert, aber bislang noch kein Profispiel absolviert hat.

Abwehrchef Nick Viergever hat das Angebot des Kleeblatts derweil nicht angenommen und wird wohl in niederländische Heimat zurückkehren. Es braucht also mindestens einen weiteren Innenverteidiger (und vor allem einen Linksfuß) neben Sebastian Griesbeck und Gideon Jung sowie einen neuen Spieler für die linke Seite, sollte Jetro Willems den Verein noch verlassen.

Im Mittelfeld sind die Fürther mit Max Christiansen und Timothy Tillman (beide Vertrag bis 2023) sowie Tobias Raschl, Julian Green und Jeremy Dudziak (alle Vertrag bis 2024) gut aufgestellt. Zudem kehrt Nils Seufert von einer eher durchwachsenen Leihe aus Sandhausen zurück.

Die größte Baustelle dürfte der Angriff werden. Um Jamie Leweling buhlen seit Wochen viele Erstligisten, Branimir Hrgota könnte bei einem entsprechenden Angebot, trotz aller Liebesschwüre, auch schwach werden. Für beide würde das Kleeblatt einiges an Ablöse bekommen, die man in Teilen reinvestieren müsste. Womöglich sogar in Havard Nielsen, der bereits in Hannover gehandelt wurde, mit dem Azzouzi aber gerne langfristig verlängern möchte. Ansonsten bleiben nur noch Afimico Pululu, Dickson Abiama, der verletzte Robin Kehr sowie eventuell Jessic Ngankam übrig.

Der Trainer

Die Suche nach dem Nachfolger von Stefan Leitl läuft. "Es geht nicht darum, eine Kopie von Stefan zu bekommen, sondern unseren Weg konsequent weiterzugehen", sagte Geschäftsführer Azzouzi dieser Redaktion zuletzt. Die Entscheidung für einen neuen Trainer sei "die schwierigste, die man als Verantwortlicher treffen muss". Deshalb will Azzouzi dabei auch nichts überstürzen, sondern mit Bedacht einen Coach auswählen, der sich mit den Bedingungen in Fürth arrangiert und bestenfalls wieder über mehrere Jahre etwas aufbaut.

Die Finanzen

Wie wichtig der Aufstieg in die Bundesliga aus finanzieller Sicht war, haben die Verantwortlichen des Kleeblatts immer betont. In den letzten drei Geschäftsjahren hat die ausgegliederte Fußball-KGaA immer Verluste gemacht, 2019/2020, im ersten Corona-Jahr, sogar knapp vier Millionen. Das einst auf mehr als sieben Million Euro angewachsene Eigenkapital hat die Spielvereinigung fast vollständig aufgebraucht

"Auch wegen des Aufstiegs sind wir weitgehend unbeschadet durch die Pandemie gekommen und haben in wirtschaftlicher Hinsicht eine gute Basis für die Zukunft geschaffen", sagte Finanz-Chef Holger Schwiewagner im Winter. Man werde sich "finanziell und strukturell weiterentwickeln". In der Bundesliga hat Fürth knapp 28,5 Millionen Euro Fernsehgeld eingenommen, der angepeilte Gewinn wird aber unter anderem wegen der Geisterspiele geringer ausfallen als ursprünglich geplant.

Die angesprochene Weiterentwicklung in allen Bereichen ist allerdings bitter nötig. Für die neue Saison planen die Fürther mit einem Etat von knapp 10,5 Millionen. Das ist zwar mehr als im Aufstiegsjahr, aber im Ligavergleich immer noch eines der geringsten Budgets. Zum Vergleich: In Hannover darf Stefan Leitl mit seinen neuen Kollegen knapp 16 Millionen ausgeben.

Das Stadion

Der Ronhof genügt allen Anforderungen der zweiten Bundesliga, muss aber in den nächsten Jahren umgebaut werden. Die Ausnahmegenehmigung für die alte Gegengerade läuft "mittelfristig", wie es vom Verein heißt, aus. Wie ein Neubau aussehen und vor allem wie er finanziert werden soll, ist derzeit offen. In der Vergangenheit hatte Immobilien-Unternehmer Thomas Sommer, der das Kleeblatt unter anderem als Namenssponsor des Stadions unterstützt, damit geliebäugelt, ein Museum für seine vielen Autos in die neue Gegengerade zu integrieren - und dafür im Gegenzug die Baukosten (anteilig) zu übernehmen.

Die Fans

Die auffallend positive Reaktion der Fans nach dem feststehenden Abstieg hat dem Kleeblatt bundesweit Sympathien eingebracht. Dennoch tut sich der Verein schwer, die Menschen in Fürth und im Umland von sich zu begeistern. Trotz mehrerer Tausend Gäste war das Bundesliga-Heimspiel gegen Mönchengladbach nicht mal annähernd ausverkauft, gegen den Champions-League-Aspiranten Leverkusen kamen zuletzt nur knapp 11.500 Zuschauer. Auch die Mitgliederzahlen im e.V. stagnieren seit vielen Jahren, bei der nächsten Jahreshauptversammlung im Juni sollen aber weitreichende Satzungsänderungen sowie die Gründung einer Fanabteilung beschlossen werden.

Präsident Fred Höfler will, das hat er mehrmals betont, die Demokratie innerhalb des Vereins stärken. Dazu gehört auch die Diskussion um eine Rückkehr zum traditionellen Vereinsnamen "SpVgg Fürth", die Teile der Fanszene seit Jahren fordern. Das Kleeblatt steht vor einem Neuanfang mit vielen Baustellen.

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