Trainer-Rotation bei U19 und U23 der SpVgg

Schon wieder ein Neustart im Kleeblatt-NLZ

4.1.2022, 11:56 Uhr
Dieses Foto entstand vor zwei Jahren, als Petr Ruman (vorne) und Roberto Hilbert für die Fürther U 23 verantwortlich waren. Ruman wird nach dem Intermezzo in München nun überraschend wieder U 23-Trainer, Hilbert darf sich an der U 19 versuchen.

Dieses Foto entstand vor zwei Jahren, als Petr Ruman (vorne) und Roberto Hilbert für die Fürther U 23 verantwortlich waren. Ruman wird nach dem Intermezzo in München nun überraschend wieder U 23-Trainer, Hilbert darf sich an der U 19 versuchen. © Foto: Oliver Gold/Zink

Am 27. Dezember verschickte die SpVgg eine Pressmitteilung, dass die Trainer Marco Ried (U 19) und Dominic Rühl (U 23) beurlaubt worden waren. Klar, dass die Nachfolger mit Heimkehrer Petr Ruman (U 23) und Roberto Hilbert (U 19) schon auserkoren waren. So läuft das Geschäft nun einmal in Profiklubs.


Ein Corona-Fall bei der SpVgg vor dem ersten Spiel des Jahres


"Diese Entscheidungen haben nicht nur etwas mit dem Tabellenstand zu tun", betonte Mirko Reichel, NLZ-Verantwortlicher in Fürth, nebulös. Die weiteren im Zitat angedeuteten Gründe, die zur Entlassung der beiden Trainer geführt haben, bleiben in der offiziellen Mitteilung unbeantwortet. Am Ende ist es eben wie so oft: Einer muss weg, ein anderer kommt. Hauptsache, es passiert was.

Ried traf die Beurlaubung unvorbereitet. Kurz bevor die Pressemitteilung verschickt wurde, war der U 19-Coach zum persönlichen Gespräch ins NLZ gebeten worden. U23-Coach Rühl konnte diesen Termin nicht wahrnehmen. Er verbringt seinen Weihnachtsurlaub in Mexiko, erfuhr dann per Telefon, dass er nicht mehr gebraucht wird.

"Ich war sehr überrascht über die Entscheidung. Ich bin natürlich enttäuscht, denn nach knapp 15 Jahren als Trainer bei der SpVgg hätte ich mir einen anderen Abschied vorgestellt. Ich wünsche der Mannschaft trotzdem das Beste", teilte Ried der Redaktion knapp mit.

Rühl: "Ich bin sehr enttäuscht"

Auch Rühl traf die Entscheidung des Vereins unvorbereitet: "Hätten sie mir nach dem letzten Spiel gegen Schweinfurt mitgeteilt, dass sie einen neuen Impuls brauchen, hätte ich es verstanden. Mir wurde aber der Rücken gestärkt, Testspiele und Neuzugänge abgesprochen. Mich jetzt zu beurlauben, hat dann auch nichts mit dem üblichen "So ist das Geschäft" zu tun. Ich bin sehr enttäuscht, wünsche der Mannschaft und den Jungs aber das Beste für die Saison und den Klassenerhalt."

Noch im Sommer wurden beide vom Verein gefeiert. Rühl wurde frisch von der U 16 zur U 23 befördert, nachdem Ruman zu Drittligist Türkgücü München gewechselt war, Ried ging in seine vierte Saison als U 19-Trainer. "Dominic ist ein toller Ausbilder. Wir sind froh, diese Position weiterhin mit Kleeblatt-DNA zu füllen und den Fürther Weg kontinuierlich weiter zu gehen", ließ sich Reichel zitieren.

Auch Ried wurde bescheinigt, dass er ein qualitativ hochwertiger, top ausgebildeter Trainer sei. Einer, der mit "viel Leidenschaft, Herzblut und Energie" seine Aufgaben angehe. Das alles passt jetzt nicht mehr.

Ja, die U 23 steht auf einem Abstiegsplatz, ja, die U 23 hat ordentlich auf die Mütze bekommen und ja, die U 23 ist eine sehr junge, unerfahrene und aus den eigenen Reihen zusammengestellte Low-Budget-Truppe. Was wollte die SpVgg da erwarten? Die U 19 spielt trotz begrenzter finanzieller Mittel weiterhin in der Bundesliga, hat realistische Chancen auf den Klassenerhalt. Das reicht aber auch nicht mehr. Impulse sind gefragt.

Adlung ein Puzzleteil

Zur Winterpause wird jetzt der Geldbeutel geöffnet. Mit Daniel Adlung kehrt nach einem Jahr der ehemalige Kopf der U 23 "als Puzzleteil" (Reichel) nach Fürth zurück, im Gepäck gute Gespräche und eine Vision inklusive Anschlussvertrag bei der SpVgg. "Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, da ich in Fürth ein zukunftsorientiertes Angebot bekommen habe, das ich für mich und meine Familie als langfristige Planung annehmen wollte", erklärt Adlung.

Auch Bayreuth wollte Adlung vor seinem Wechsel nach Schweinfurt, konnte den 34-Jährigen aber nicht bezahlen. Der einst in Fürth ausgebildete Fabian Baumgärtl (32) wird auch nicht zum Mini-Job-Tarif von Elversberg zurückkehren. Das Jugendkonzept ist somit vorerst ein Stück weit gescheitert. So gut es klang, in der Corona-Pandemie mit den Jungs aus der U 19 in der Regionalliga bestehen zu wollen. Elias Kratzer und Mert-Yusuf Torlak – vorerst zurückgekehrt von den Profis – sollen auch bei der Mission Klassenerhalt mithelfen.

Zusammen mit Petr Ruman als neuem, altem Coach. "Ich bin keiner, der gerne zu Hause rumsitzt. Fürth hat mich kontaktiert und mir war schnell klar, dass ich dabei bin. 2022 bedeutet nur Vollgas und dass wir das Ruder noch herumreißen können", sagt er. Seinen Vertrag in München hatte er bereits kurz nach seiner Entlassung aufgelöst.

Hilberts "nächster Schritt" als U19-Trainer

Roberto Hilbert, bislang Co in der U 23 und Athletik-Coach, soll statt Ried nun in der U 19 den "nächsten Schritt in seiner Karriere gehen", sagt Reichel. Und seinen ersten Posten als Cheftrainer antreten. Mit Oliver Schmidhauser von der U 18 des FC Vaduz ist schon ein neuer Spieler da.


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Die Entscheidung pro Ruman und Hilbert contra Rühl und Ried hätte auch etwas damit zu tun, "stetig voranzukommen und die Entwicklung zu forcieren", sagt Reichel. Entwicklung im Profigeschäft hat zwangsläufig etwas mit Geld zu tun. Hätte der Verein zum Saisonstart ein paar Euros mehr fürs Personal in die Hand genommen, wäre sie vielleicht schon angelaufen. So findet nun der nächste Neustart statt.

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