Nach Streit mit BSV

Standort ist gerettet: Erlangen gründet eigenes Elitezentrum Schwimmen

29.7.2021, 21:36 Uhr
Der Schwimm-Standort Erlangen bleibt erhalten: Die Talente trainieren weiterhin unter Roland Böller - am neuen Elitezentrum.

Der Schwimm-Standort Erlangen bleibt erhalten: Die Talente trainieren weiterhin unter Roland Böller - am neuen Elitezentrum. © Klaus-Dieter Schreiter, NN

Dass man aus jeder Krise gestärkt hervorgehen kann, ist ein schöner Gedanken, besonders wenn man mitten in dieser Krise steckt. Für Roland Böller war die Krise existenzbedrohend. Der Schwimmtrainer aus Erlangen musste um seinen Job bangen und bangte zudem noch viel mehr um die Zukunft seiner Sportler. Als der Streit mit dem Bayerischen Schwimmverband (BSV) begann, der BSV den Landesstützpunkt von Erlangen nach Nürnberg verlegte, die Funktionäre sich nur noch juristische Briefe schickten, glaubte man nicht mehr an ein gutes Ende für die Erlanger Schwimmer.


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In dieser Geschichte aber gibt es ein Happy End. Die Talente, die in ihren Altersklassen zu den besten des Landes und darüber hinaus gehören, können weiterhin in Erlangen und unter ihrem hauptamtlichen Coach Roland Böller trainieren - am neuen Elitezentrum Schwimmen. Am Donnerstag haben die Initiatoren, allen voran der Turnerbund Erlangen, das Konzept vorgestellt. Zunächst handelt es sich um eine Interessensgemeinschaft, die Böller leitet.

Das Elitezentrum ist allerdings vielmehr als nur ein Ersatz-Konstrukt für den abgewanderten Landesstützpunkt. Es bündelt Experten und Sponsoren der ganzen Stadt und bietet den Sportlern so bessere Bedingungen als zuvor. Schwimmzeiten, Fitnessprogramm und Trainingslager in In- und Ausland gehen wie gewohnt weiter. "Wir haben versucht, aus dem, was wir hatten, noch mehr zu machen. So wie wir heute dastehen, haben wir deutlich mehr als vor zwei Jahren. Dazu sind wir finanziell unabhängig", sagt Böller.

"Schwimmen gehört zu Erlangen"

Möglich machen das viele Partner, darunter das Ohm-Gymnasium, die FAU und IQ-Move mit Doktor Leonard Fraunberger für die Leistungsdiagnostik und medizinische Unterstützung, die Tochter-Gesellschaften der Stadt: die Stadtwerke, die weiterhin die bislang schon genutzten Bahnen in der Hannah-Stockbauer-Halle zur Verfügung stellt, sowie die Gewobau, die Schwimmern, die nach Erlangen ziehen wollen, bei der Wohnungssuche hilft.

"Schwimmen gehört zu Erlangen", sagt Oberbürgermeister Florian Janik, der froh ist, dass die Stadt-Gesellschaft hinter dem Projekt steht und den traditionsreichen Standort aufrecht erhält. "Wir begeistern seit Jahrzehnten mit Schwimmen." Dabei gehe es vor allem um die Nachwuchssportler, die sich täglich fürs Training mit Roland Böller motivieren.

"Jede Minute war es wert, dafür zu kämpfen"

"Ohne die vielen Sponsoren, die uns finanziell unterstützen, geht das nicht", sagt Böller. Zu den langjährigen Partnern seien neue hinzugekommen. "Wir sind einfach nur dankbar dafür. Ich hatte so viele tolle Gespräche in den vergangenen ein, zwei Jahren. Dass sich so viele für die jugendlichen Sportler interessieren und sie langfristig unterstützen, motiviert ohne Ende." Etwa 50.000 Euro mussten die Erlanger organisieren, um überhaupt weitermachen zu können. Das hatte der BSV bislang als Zugabe für den Landesstützpunkt überwiesen.

Mittlerweile aber sei das Elitezentrum schon "zwei Schritte weiter", sagt Böller, der sich zu Beginn nicht hatte vorstellen können, dass sich aus der Not heraus, aus dem Streit mit dem Verband, etwas derartiges entwickeln würde. "Es ging zunächst nur darum, diesen Standort zu retten", erinnert Böller. Doch: "Jede Minute war es wert, dafür zu kämpfen", meint Matthias Thurek, der Vorsitzende des Sportverbands und Präsident des Turnerbunds. Der Streit mit dem BSV geht weiter, auch vor Gericht. Thurek betont aber auch: "Unser Ziel ist - im Sinn des Sports - eine Kooperationen mit dem Landesstützpunkt in Nürnberg."

Und auch in Erlangen soll das nur der Anfang sein. Die Idee des Elitezentrums zu Ende gedacht, wäre der Aufbau eines Sportinternats, vielleicht anfangs nur für Schwimmer, letztlich aber für alle Leistungssportler in der Stadt. Auch das wäre ein schöner Gedanke.

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