Star von morgen: Sebastian Korda siegt in Eckental

9.11.2020, 06:00 Uhr
Fokussiert auf dem Platz, nach dem Spiel im Adrenalinrausch: Sebastian Korda bejubelt seinen Sieg in Eckental.

Fokussiert auf dem Platz, nach dem Spiel im Adrenalinrausch: Sebastian Korda bejubelt seinen Sieg in Eckental. © Foto: Wolfgang Zink

Man wird Sebastian Korda wohl nicht in Eckental wiedersehen. Zumindest rechnet Marcus Slany, Direktor des ATP-Challenger-Turniers, nicht damit: "Den erlebst du hier einmal und dann spielt er auf der großen Tour."

Sollte es so kommen, dann hätte Korda einen entscheidenden Startschuss dafür in Eckental hingelegt. Von sich reden gemacht hat der 20 Jahre alte US-Amerikaner zwar schon vorher: Erst im Oktober stand er im Achtelfinale der French Open gegen sein Kindheitsidol Rafael Nadal. 2018 gewann er den Junioren-Titel der Australian Open. Der Zweisatz-Sieg (6:4, 6:4) über den Inder Ramkumar Ramanathan war aber sein erster Triumph bei einem Profi-Turnier.

"Ich bin superhappy", sagte Korda nach einem knappen Match, das er vor allem gewann, weil er fokussiert blieb. Während sich sein Kontrahent Ramanathan nach einer allerdings tatsächlich strittigen Schiedsrichter-Entscheidung in Diskussionen mit der Unparteiischen verlor, hörte man Kordas laute "Yes!"-Rufe nur über den Court schallen, wenn er wirklich wichtige Punkte gemacht hatte.

Alles anders in Eckental: ATP-Challenger trotzt Corona

Die Corona-Pause hat dem 1,93 Meter großen Schlacks gut getan, das sagt er selbst: "Ich konnte wirklich an mir und meinem Körper arbeiten." Seitdem scheint er einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben: Vor den French Open lieferte er bei den US Open dem Weltranglisten-Zwölften Denis Shapovalov einen harten Kampf. "Seitdem bin ich sehr selbstbewusst. Ich fühle mich gut, wenn ich gegen die großen Spieler antrete."

Die Profikarriere, sie liegt bei ihm in der Familie. Sein Vater Petr, gebürtiger Tscheche, gewann 1998 die Australian Open und stand kurzzeitig auf Rang zwei der ATP-Weltrangliste. Seine Karriere bekam allerdings einen entscheidenden Knick, als 1998 in seinem Blut das Dopingmittel Nandrolon nachgewiesen wurde. Dass sein eigener Name fast immer in einem Atemzug mit dem seines Vaters genannt wird, stört Sebastian Korda nicht. "Das nervt nie. Er hat Unglaubliches erreicht. Für mich ist das ein Kompliment, mit ihm verglichen zu werden", sagt Korda, der in Florida aufgewachsen ist.

Während auch Mutter Regina einst Tennis auf der ATP-Tour gespielt hat, sind seine beiden Schwestern Jessica und Nelly professionelle Golfspielerinnen, ein Sport, der auch für ihn in Frage gekommen wäre. Wann immer Korda in Florida ist, trifft man ihn auf dem Golfkurs. Sein Handicap beziffert er auf zwei oder drei. Die Konzentration, das konnte man in Eckental sehen, hätte Korda für diesen Sport. Doch er zieht Tennis vor. "Ich mag den Adrenalinrausch. Golf ist mir manchmal ein bisschen zu langsam." Mit seinem schnellen Teppichboden war Eckental daher genau der richtige Ort.

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