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Steigt Yoga zur olympischen Disziplin auf?

Sportlicher Leistungsgedanke stößt auf Entspannungsprinzip - 22.01.2021 17:16 Uhr

Ob als Entspannungskur für chronische Rückenplagen oder als Burnout-Prävention, viele Krankenkassen gewähren inzwischen Zuschüsse für zertifizierte Yoga-Einheiten.

21.07.2011 © colourbox.com


Sonnengruß, Kobra und herabschauender Hund sind für eine immer breitere Öffentlichkeit längst keine exotischen Fremdwörter mehr. So stieg die Zahl der gelegentlichen Yoga-Treibenden in Deutschland laut einer jüngeren Allensbach-Studie 2020 auf knapp sieben Millionen Köpfe, andere Erhebungen gehen von über zehn Millionen aus. In der fortschreitenden Corona-Zeit dürften in den Wohnzimmern der Republik in jedem Fall noch ein paar mehr Matten ausgerollt werden, wie Petra Meier-Bakkar vom Yogaraum Oberpfalz bestätigt.

"Den Leuten fällt zu Hause teilweise die Decke auf den Kopf." Den Andrang bei ihren digitalen Übungsstunden führt die Neumarkterin auf die Suche nach einem "Ausgleich seelischer Belastungen" zurück, dazu kämen zunehmende körperliche Beschwerden durch Bewegungsmangel sowie Fehlhaltungen im Home Office. Während die ausgebildeten Profis die Nachfrage aufgrund der Infektionsschutzbestimmungen aktuell jedoch nur bedingt bedienen können, drängen international verschiedene Initiativen auf die Etablierung des Yogierens als Sportdisziplin. Der amerikanisch geprägte Verband IYSF trägt bereits regelmäßig Weltmeisterschaften aus, schafft es indes bisher nicht – im Gegensatz zur chinesischen Kampfkunst Wushu oder Bridge – auf die Liste der vom Olympischen Komitee anerkannten Sparten. Mächtig Rückenwind erhält die Mission nun aus dem Mutterland Indien, das den Aufbau von Wettkampf-Strukturen unter staatliche Förderung stellt und langfristig die Aufnahme ins olympische Programm anstrebt.

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An der hiesigen Basis stößt die Nachricht auf allgemeine Verwunderung. "Natürlich ist jede Aufmerksamkeit erst einmal zu begrüßen und es ist immer wieder davon zu hören, dass die Inder bei Aufführungen gerne unterhaltende Akzente setzen", sagt Petra Meier-Bakkar, "aber im Herzen bin ich gegen diese Zweckentfremdung der ursprünglichen Wurzeln." Denn schließlich, und da pflichtet Kollegin Karin Preissler von der Yoga Schule Haimburg bei, basiere die Philosophie genau darauf, den Gedanken an Leistungsdruck hinter sich zu lassen. "Die innere Einkehr durch Meditation ist für mich das zentrale, unverhandelbare Element. Es geht nicht darum, besser zu sein als andere. Neulinge sind grundsätzlich mit offenen Armen zu empfangen. Wer aber rein auf die sportliche Betätigung aus ist, soll Gymnastik machen", erklärt Preissler. Schon mit abgewandelten und einem eher kommerziellen Zeitgeist folgenden Ausprägungen wie Bier-Yoga hat sie so ihre Probleme.


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Wiewohl sich Figuren durchaus nach Schwierigkeitsgrad oder Ästhetik definieren ließen, kann sie der Idee, eine bestimmte Auswahl in kurzer Abfolge aufeinander abzuspulen, einfach nichts abgewinnen. Meier-Bakkar findet die Vorstellung einer Punkteskala wiederum interessant, bevorzugt allerdings ein ruhiges Ambiente statt Kopfstände. "Ich sehe das häufig in meinen Kursen, dass gerade den Männern der Ehrgeiz im Weg steht. Es braucht zuerst ein Körperbewusstsein für die eigenen Grenzen. Die athletisch anspruchsvollen Übungen etwa aus dem Acroyoga sind was für absolute Spezialisten."

Viel wichtiger findet Meier-Bakkar die gesundheitliche Komponente. Ob als Entspannungskur für chronische Rückenplagen oder als Burnout-Prävention, viele Krankenkassen gewähren inzwischen Zuschüsse für zertifizierte Yoga-Einheiten. "Doch als eigenständige Therapie-Form sind wir noch nicht akzeptiert", weiß Meier-Bakkar. Deshalb haben Yoga-Studios momentan keine Betriebserlaubnis, Physio-Praxen hingegen schon. Karin Preissler widersteht trotzdem dem Drang, die Lücken in der Kasse durch Online-Präsenz zu füllen - und übt sich in Geduld.

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