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Samstag, 23.11.2019

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Steiner Bowling-Verein sucht Nachwuchs

Der 1.BSV Stein bietet mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung - 16.10.2018 16:20 Uhr

In ihrer Freizeit bowlen die Deutschen gern – doch wenn es darum geht, Bowling als Sport auszuüben, fehlt es vor allem dem Nachwuchs an Ehrgeiz. © Alle Fotos: Daniel Marr/Zink


STEIN — Gerade einmal fünf Jugendliche schieben beim Training des RW Lichtenhof 69, nicht nur mitgliederstärkster und sportlich erfolgreichster der fünf Klubs, die im 1. BSV Stein vereint sind, ihre Bowlingkugeln auf den Bahnen des Blu Bowl in Nürnberg – an einem Samstagvormittag. "Weil da die finanziellen Konditionen günstiger sind", wie der erste Sportwart John Mesch erklärt. Willkommen ist hier jede und jeder zum Hineinschnuppern, ab sieben Jahren allerdings. Aber für Mesch und Manfred Boch, Vorstand der Steiner, ist die nicht billige Sportart, wenn sie intensiv und leistungsorientiert betrieben wird, nur ein Aspekt des nachlassenden Interesses der Jugendlichen. Das Freizeitangebot habe sich vergrößert und vor allem durch die vielen elektronischen Spiel-Möglichkeiten verändert, "das bekommen ja nicht nur wir zu spüren", sagt Boch.

Noch vor zehn Jahren tummelten sich bis zu 25 Jugendliche im Training, die Steiner Nachwuchsarbeit trug Früchte. Triple X heißt der jüngste der fünf BSV-Klubs, ins Leben gerufen vor einem halben Dutzend Jahren, als die Jugendlichen etwas älter und etliche von ihnen besser geworden waren. Die Männer spielen inzwischen in der Bayernliga, die Frauen in der Landesliga.

Gegen den Trend

Den Anlauf will Kevin Dietz noch verbessern, dann hofft er auch seine Bestleistung zu steigern.


Für Sportwart Mesch Vergangenheit, eine Wiederholung angesichts der jüngsten Entwicklung kaum vorstellbar. Heute ist Enrico Dietz (14) einer aus dem jungen Quintett, das sich gegen den Trend für Bowling entschieden hat. Animiert wurde er dazu an seinem zehnten Geburtstag. "Den habe ich hier im Blu Bowl gefeiert" – und offensichtlich so viel Gefallen an dem technisch anspruchsvollen Sport gefunden, dass er inzwischen zweimal pro Woche trainiert. Auf schon beachtliche 238 von maximal 300 Pins, wie die Kegel heißen, in einem Frame als Bestleistung kann er verweisen. Und nimmt mangels eines Jugendteams bereits in einer der Kreisliga-Männermannschaften der Lichtenhofer am Wettkampfbetrieb teil. "Die Konzentration bei jedem Wurf", nennt er als wichtigste Voraussetzung. Mit einem Achselzucken reagiert er auf die Frage nach seinen sportlichen Zielen: "Mal sehen, was kommt."

Seine Kindergeburtstagsfeier hat Enrico Dietz zum Bowling gebracht.


Da gibt sich Kevin Dietz (12), typisch jüngerer Bruder, deutlich forscher. Vom Älteren animiert, ist er zwar erst seit etwa einem Jahr "mit viel Spaß" dabei und macht, obwohl ihm der richtige Anlauf zum präzisen Wurf "noch Schwierigkeiten bereitet", mit einer Bestleistung von 179 Pins schon eine klare Ansage in Richtung Bruder: "Den hol‘ ich bald ein."

Ein Sport für die ganze Familie

Als Leistungssport ist Bowling technisch anspruchsvoll – für Kasandra Odorfer kein Problem.


Und bei den Erwachsenen will er natürlich auch so schnell wie möglich spielen. Und weil sich Bowling als Hobby für die gesamte Familie eignet, ist auch der Vater inzwischen Lichtenhof-Mitglied; das ergab sich fast zwangsläufig, musste er seine Söhne doch ohnehin zum Training bringen und danach wieder heimfahren. Für Gesprächsstoff und inner-familiären Ehrgeiz ist also gesorgt.

Auch wenn es an Nachwuchs mangelt, im Ligenbetrieb zahlt sich das intakte Vereinsleben bei RW Lichtenhof 69 aus. Von den fünf Männerteams hat die "Erste" den besten Start hingelegt und die Spitzenposition in der Landesliga Nord übernommen. Für einen unerwarteten Fehlstart sorgte dagegen das beste der drei Frauenteams. Lichtenhof I, das sportliche Aushängeschild der Region und im Vorjahr knapp in den Endspielen am Aufstieg in die Bowling-Bundesliga gescheitert, muss sich aktuell vom Tabellenende nach vorne arbeiten.

Alexandra Mareiser, die normalerweise leistungsstärkste Lichtenhofer Bowlerin und mit ihrem für Hallstadt spielenden Bruder Oliver Völlmer immerhin deutsche Vizemeisterin 2018 im Mixed, hatte für "den kollektiv total verpatzten Auftakt" nur eine vage Erklärung: "Es war nicht unser Wochenende in Augsburg."

Der Aufstieg als Ziel

Noch aber sieht sie die Spitzenplätze nicht außer Reichweite, "es ist noch alles drin" für sie und ihre Mitspielerinnen Christiane Betz, Heike Boch-Jackson, Gabriele Rauch und Manuela Wiedemann. Der Aufstieg in die Bundesliga als großes Ziel inbegriffen. Und natürlich will sie im Mixed-Wettbewerb diesmal nicht nur "Vize" mit dem Bruder bei der Deutschen Meisterschaft werden. Denn eines ist im Bowling wie in jeder anderen Sportart auch: Der Zusammenhalt im Verein und in jeder Mannschaft, egal ob Bundes- oder Kreisliga, muss passen. Und da ist Erfolg der beste Kitt.

 

WIELAND PETER

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