Freitag, 05.03.2021

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Strenge Regeln bei der KPSG Zirndorf

Status Quo bei der Königlich privilegierten Schützengesellschaft - 30.05.2018 14:41 Uhr

Edgar Nickel (links), erster Schützenmeister der KPSG Zirndorf, und sein Stellvertreter Christian Neugebauer mit modernen Sportwaffen.

29.05.2018 © Foto: Markus Eigler


Es ist schon ein Unikat, das die Königlich privilegierte Schützengesellschaft Zirndorf (KPSG) im Inneren ihrer Sportanlage bereit hält: ein kleines Vereinsmuseum mit verschiedenen Devotionalien aus ihrer 186-jährigen Geschichte. Neben alten Waffen, Schützenscheiben, Ölgemälden der Schützenkönige und Pokalen stehen hier auch zwei lebensgroße Schützenkameraden mit Bewaffnung und Kleidung des 19. Jahrhunderts. Da grüßt des Kaisers Backenbart.

Doch der Verein ist keineswegs im vorletzten Jahrhundert stecken geblieben. Eine moderne Anlage mit vier Schießständen von zehn bis 100 Meter steht dort im Zirndorfer Eichenhain. Wer vor der 50er- oder 100er-Anlage steht, merkt schnell: Das ist eine extrem kleine Zielscheibe und eine sehr große Distanz.

"Geballert" wird bei der KPSG nicht. Stattdessen braucht man: ein ruhiges Händchen, eine kontrollierte Atmung und Konzentration in ihrer reinsten Form. Ein Schütze muss um sich herum alles ausblenden und "in den Tunnel" kommen. "Da können Sie hier riesige Bass-Boxen aufbauen, ein guter Schütze kriegt das gar nicht mit", sagt Dirk Klein, der Sportleiter des Schützenvereins. Nicht zu unterschätzen seien die körperlichen Auswirkungen, die die hohe Konzentration fordere. So haben bereits "Schrankwände" von Männern bei Klein zur Probe mittrainiert und waren nach 15 Minuten völlig ausgepumpt.

Das Training findet entweder individuell oder in kleinen Gruppen statt, denn jeder muss seine eigene Konzentration finden. Edgar Nickel, erster Schützenmeister des Vereins, empfiehlt pro Einheit zumindest zwei bis drei Stunden inklusive aller Vorbereitungen. Wettkampfschützen sollten mindestens drei Mal in der Woche üben.

Was ist der Kick?

Die Erfolge sprechen durchaus für sich. So hat die KPSG schon Deutsche Meister in den verschiedensten Kategorien hervorgebracht, darunter mit der Sportpistole, dem Unterhebel-Gewehr und im Bogenschießen.

Doch was bringt einen überhaupt zum Sportschießen, was ist der Kick? "Das muss jeder für sich selbst herausfinden", meint Klein. Für ihn selbst sei es eine gute Gelegenheit zum Runterkommen und Abschalten. Auch wenn es in Verbindung mit Schießen komisch klingt – doch die Ruhe und Konzentration führen bei ihm zu innerer Gelassenheit. Auch Peter Mundt, Museumsleiter und gute Seele des Vereins, sagt: "Nach der Bundeswehr bin ich in ein Loch gefallen und habe verschiedene Sachen ausprobiert." Beim Schießen sei er dann hängen geblieben.

Dass der Schützensport nicht den besten Ruf hat, wissen auch Nickel und Klein. Ihnen ist es wichtig zu betonen, dass es bei der KPSG darum geht, "sicher den Spaß am Schießen zu ermöglichen". Das deutsche Waffengesetz gilt als das schärfste überhaupt. Wer in den Verein eintreten möchte, muss zunächst einmal ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Dazu berät ein Gremium nach ein paar Schnupperstunden, ob der Anwärter geeignet ist. Erst dann beginnt eine einjährige Probezeit. Auch ein regelmäßiges Training ist vorgeschrieben. Ein Schütze muss innerhalb eines Jahres entweder einmal pro Monat erscheinen oder 18 Mal im Jahr trainieren.

Erst nach einem Jahr in einem Verein ist es überhaupt erlaubt, eine Sportwaffe nach Ablegung der gesetzlich vorgeschriebenen Sachkundeprüfung mit einer Waffenbesitzkarte für Sportschützen selbst zu erwerben. Vorher stellt der Verein die Sportgeräte zur Verfügung. Und auch dann gelten strenge Vorschriften. So muss die Waffe in einem speziellen Waffenschrank aufbewahrt werden. Kontrolleure überprüfen zuhause regelmäßig, ob alles stimmt.

All das muss es einem wert sein. Auf etwa 1000 Euro schätzt Dirk Klein eine komplette Ausrüstung mit gutem Material inklusive Schrank. Wer das nicht investieren möchte, kann aber auch mit den vereinseigenen Sportgeräten schießen.

Die Waffendiskussion in den USA verfolgen auch die Zirndorfer. Dass man in manchem Bundesstaat in einem Supermarkt eine Waffe erwerben kann, das will sich niemand bei den Sportschützen vorstellen. Waffen mit Waffen zu bekämpfen, darin sind sich Klein und seine Vereinskameraden einig: "Das ist Blödsinn."

ZWer sich selbst im Schießen ausprobieren möchte, kann das am Wochenende 9./10. Juni von 13 bis 18 Uhr und von 10 bis 16 Uhr beim großen Westernschießen im Zirndorfer Eichenhain tun.

MARKUS EIGLER

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