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"Stress provozieren": Ismaël tritt sein Amt beim FCN an

38-Jähriger fühlt sich nah an den Spielern - istaber kein Kumpeltyp - 06.06.2014 06:00 Uhr

Willkommen im Club: Sportvorstand Martin Bader (links) begrüßt Valerien Ismaël, der den 1.FC Nürnberg zurück in die Bundesliga führen soll. © Zink


Valerien Ismaël sagte es am Donnerstag im Nürnberger Hilton-Hotel, wo er sich vorstellte - in Erwartung einer besonders anstrengenden Aufgabe.

Valerien Ismaël, 38 Jahre alt, soll den 1. FC Nürnberg als Trainer zurück in die Bundesliga führen, einen Verein, der noch um Orientierung ringt und erst damit angefangen hat, eine Mannschaft für diese Mission zusammenzustellen. Die Enttäuschung über den Abstieg ist noch groß, größer sind die Erwartungen, das alles könnte durchaus auch abschreckende Wirkung haben.

Chance oder Risiko? Valerien Ismaël, der als Trainer aus der vierten Liga kommt, vom VfL Wolfsburg II, mit dem er die Regionalliga-Meisterschaft gewann, aber den Aufstieg verpasste, lächelt. „Ich bin ehrgeizig“, sagt er, „ich liebe Fußball, ich weiß, was auf mich zukommt - und ich freue mich auf diese Herausforderung.“

Schritt aus dem Schatten

Die Frage, die unausgesprochen im gut gefüllten Raum steht, stellt Ismaël dann selbst; natürlich, sagt er, frage man sich das, „wenn ein neuer Trainer kommt“: „Ob er das kann“, also, in diesem Fall, ob es nicht sehr gewagt sein könnte, einem vergleichsweise wenig erfahrenen Übungsleiter eine solche Aufgabe anzuvertrauen. „Es gibt keine Garantie im Fußball“, sagt Ismaël, er habe seine Arbeit bisher „im Schatten“ verrichtet, jenseits der großen Aufregung um dieses Spiel, aber er habe es schon am ersten Tag der Trainer-Ausbildung „gespürt“ - „gespürt, dass in mir etwas brodelt, dass das mein Weg ist“.

Valerien Ismaël war der Trainer, der in keiner der vielen spekulativen Listen potenzieller Kandidaten für Nürnberg jemals vorkam, als sein Name dann erstmals fiel, war die Sache schon sehr weit gediehen - und löste vor allem Überraschung aus. Ismaël? Trainer? Den Entscheidungsträgern beim 1. FC Nürnberg ging es möglicherweise ähnlich, trotz der „großen Nervosität in der Öffentlichkeit“, sagt jetzt jedenfalls Klaus Schramm, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, habe sich Martin Bader „von seiner Idee so überzeugt“ gezeigt, dass es offenbar ansteckte; „hervorragend gelöst“, erklärt Schramm, habe der Sportvorstand jetzt die Angelegenheit.

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Martin Bader, nicht nur Frontmann eines angeschlagenen, derzeit in jeder Hinsicht anstrengenden Vereins, sondern in Personalunion auch Reizfigur mancher enttäuschter Anhänger, hätte es sich - zumindest auf den ersten Blick - bequemer machen können; natürlich ist Ismaël auch ein Trainer, über den, klappt es nicht miteinander, sich dann am ehesten sagen ließe, wie vorhersehbar das angeblich gewesen sei. Unglücke herbeizuorakeln, ist eine Lieblingsbeschäftigung im nicht kleinen Kreis passionierter fränkischer Schwarzseher, gerade ist es wieder einmal die Zeit dafür.

Ismaël weiß das natürlich, „wenn man absteigt, ist man nicht glücklich“, sagt er, auch wenn er diesen Nürnberger Abstieg für „erklärbar“ hält, wie er sagt: „Die Mannschaft war sehr gut zusammengestellt, dann kamen die vielen Verletzungen“ - eine „Spirale“ sei es geworden, jetzt müsse man „aufstehen und anpacken“, diese Mentalität will er vorleben. „Eine Ehre“, sagt er, sei dieser Ruf aus Nürnberg gewesen, er sei „stolz, Trainer bei diesem Verein zu sein.“

„Eine gewisse Wärme“

„Qualität und Persönlichkeit zu bewerten“, sagt Martin Bader, darum sei es gegangen in den Gesprächen mit mehreren Kandidaten; warum die Wahl auf den am Donnerstag mit einem Zweijahresvertrag ausgestatteten Ismaël fiel, erschließt sich bei der Vorstellung des Elsässers mit deutschem Pass. Persönlichkeit - das Wort fällt überall, wo man sich nach Ismaël erkundigt. Er gehört zu den Menschen, die einen Raum füllen, indem sie einen Raum betreten, er spricht ruhig und betont, hört aufmerksam zu, fragt nach und macht dabei den Eindruck, schon am ersten Tag zu Hause zu sein in diesem Club.

Ismaël verstehe es, Autorität mit Charme und Einfühlungsvermögen zu verbinden, sagen Menschen, die ihn länger kennen. „Nah an den Spielern, aber kein Kumpeltyp“, so beschreibt er sich selbst. „Eine gewisse Wärme“, sagt er, bringe der 37 Jahre alte Schweizer Roger Stilz ein, der sein Co-Trainer wird; man müsse „sehen, was die Mannschaft in welcher Situation braucht“. „Alles investieren, Stress provozieren, offensiv sein“, das schwebt Ismaël jetzt vor. Denn eines soll der 1. FC Nürnberg bald wieder sein: anstrengend. Für den Gegner.

Hans Böller

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