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Timm Klose kämpft wieder um einen Stammplatz

"Ich bin jetzt in Nürnberg angekommen" - Umstellung auf die Bundesliga fiel schwer - 11.07.2012 07:00 Uhr

Nach dem Absturz während des ersten Gipfelsturms ist Timm Klose dabei, sich wieder nach obern zu kämpfen. © Illustration: Florian Hemmerlein


Das war in Nürnberg nicht immer so. Dabei hatte das Abenteuer Bundesliga für den talentierten Abwehrrecken, der 2011 vom FC Thun gekommen war, verheißungsvoll begonnen. Nach Per Nilssons Ausfall eroberte er sich auf Anhieb einen Stammplatz und stieg sogar zum Nationalspieler auf, fiel dann aber plötzlich in ein Leistungsloch. Der schlaksige Innenverteidiger patzte, wirkte fahrig und unkonzentriert. Ein Nervenbündel.

Als er schließlich gegen Freiburg in der Nachspielzeit mit einer verunglückten Rückgabe einen Elfmeter heraufbeschwor und der Club 1:2 verlor, ließ er seinen Tränen freien Lauf. Manche fanden das sympathisch, für viele aber schien das Urteil gefällt: Klose, so war zu hören, sei eben viel zu sensibel für ein Geschäft, das nun mal keine Selbstzweifel und Schwäche duldet. „Damals ist bei mir einiges schief gelaufen, auch neben dem Platz“, erklärt der nette Schweizer rückblickend seinen emotionalen Ausbruch, sagt aber auch trotzig: „Ich schäme mich meiner Tränen nicht.“

Während fortan Dominic Maroh neben Philipp Wollscheid verteidigte, durfte sich der abgestürzte Shooting Star im Amateurteam verdingen. „Ich war psychisch am Boden“, gesteht Klose heute. Vor allem die Umstellung auf die Bundesliga sei schwer gefallen: „Hier musst du nonstop hundert Prozent Leistung abrufen, das zehrt am Körper. In der Schweiz gab es das nicht, da waren manche Partien eher wie Trainingsspiele.“

Als im Winter der FC Basel, der FC Zürich und Grasshopper Zürich anklopften, war für den Reservisten eine Rückkehr dennoch kein Thema. „Ich bin nicht der Typ, der gleich den Kopf einzieht“, betont Klose, „ich will zeigen, dass ich mich in der Bundesliga durchsetzen kann.“ Mit Trainer Dieter Hecking hat Klose analysiert, was besser werden muss, „mein Auftreten, die Körperspannung“.

Auch privat arbeitet er an seiner mentalen Stabilität, wie genau, mag er nicht verraten. Klose scheint gewappnet für den Konkurrenzkampf im Abwehrzentrum, der nach dem Weggang von Wollscheid und Maroh neu entbrannt ist. Marcos Antonio, der bislang einen starken Eindruck hinterließ, darf sich vorerst wohl als gesetzt fühlen, um den Platz an der Seite des Brasilianers streiten sich Nilsson und Klose. Dass manche Fans dieses Duo betont kritisch sehen, ärgert Hecking. „Man darf Timm und Pelle nicht unterschätzen. Beide haben ihre Qualitäten schon nachgewiesen und sind hochmotiviert“, sagt der Coach und versichert ihnen sein Vertrauen.

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Das glaubt auch Klose zu spüren: „Ich hatte nie das Gefühl, dass mich der Trainer hängen lässt.“ Dennoch könnte zunächst Routinier Nilsson vom Olympia-Trip seines Konkurrenten profitieren. Als einer von drei älteren Akteuren soll Klose die Schweizer „U23“ bei den Spielen in London verstärken.

Die reizvolle Offerte hatte den zweifachen A-Nationalspieler in einen Zwiespalt der Gefühle gestürzt. Letztlich überließ er die knifflige Entscheidung seinem Arbeitgeber: „Mir war wichtig, dass der Club und der Schweizer Verband das gemeinsam klären. Wenn der Verein nein gesagt hätte, hätte ich es akzeptiert.“

Der Club aber gab grünes Licht, die Eidgenossen willigten dafür ein, dass Klose erst am 21. Juli zum Kader stößt. „Es ist immer eine Ehre, mit dem Schweizer Wappen auf dem Herzen in ein Stadion einzulaufen. Und Olympia ist ja noch mal etwas ganz Spezielles“, fiebert Klose nun der Medaillenjagd entgegen. Nach seiner Stippvisite auf der Insel will der stolze Olympionike dann beim Club angreifen.

„Sollten sich die anderen beiden bis dahin eingespielt haben, muss ich das akzeptieren und mich eben im Training zeigen. Es liegt allein an mir“, verkündet Klose und fügt lächelnd an: „Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt in Nürnberg angekommen.“

Aus Oberstaufen berichtet Uli Digmayer

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