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Tore, Tore, Tore! Burgstaller erobert Schalke im Sturm

Kärnten-Kanonier macht weiter wie beim FCN, nur mit besseren Kollegen - 16.03.2017 07:17 Uhr

Nürnberger Schule: Guido Burgstaller überzeugt auch auf Schalke mit gnadenloser Effizienz

15.03.2017 © Reuters


An Guido Burgstallers Dialekt müssen sie sich in Gelsenkirchen erst noch gewöhnen. Hochdeutsch ist nicht so sein Ding, in Interviews macht sich der Kärntner erst gar nicht die Mühe, seine Herkunft zu verbergen. Die verantwortlichen Mitarbeiter in der Medienabteilung des FC Schalke rechnen deshalb mit dem Schlimmsten – und übersetzen seinen Originalton Süd im vereinseigenen Fernsehen lieber gleich. Mit Untertiteln.

Unaufgeregt in jeder Lebenslage

Am Sonntag, nach dem 3:0 gegen den FC Augsburg, stand der zweifache Torschütze also gewohnt unaufgeregt vor einer Kamera und sollte über seine Gefühle reden. Burgstaller mag das eigentlich überhaupt nicht. Fußball ist für ihn ein Spiel, mehr nicht, auf den ganzen Rummel drumherum könnte er sehr gut verzichten.

Diesmal allerdings wirkte er tatsächlich emotional angefasst, jedenfalls redete er so. In der 88. Minute hatte ihm sein Trainer einen beifallumrauschten Abgang verschafft in der heimischen Arena; knapp 60.000 Menschen verabschiedeten den Winter-Zugang vom 1. FC Nürnberg stehend und mit lang anhaltendem Applaus. "Es wor richdieg Gänsehaud bur", erzählte Burgstaller hinterher. Untertitel: "Es war Gänsehaut pur."

Von Tagen wie diesem hat er vielleicht geträumt, ernsthaft damit rechnen konnte Burgstaller nicht, als er am 10. Januar überraschend das Trainingslager des FCN in Tschagguns verließ. Sportvorstand Andreas Bornemann musste ihn letztlich in die Bundesliga ziehen lassen, weil sein hoch verschuldeter Verein im laufenden Geschäftsjahr noch dringend Transfererlöse erzielen muss.

Kein schlechtes Geschäft

Bei etwa 1,7 Millionen Euro liegt der Sockelbetrag, mit Nachzahlungen könnte die Ablöse auf rund 2,5 Millionen steigen. Insgesamt kein schlechtes Geschäft für den Zweitligisten – wenn man bedenkt, dass Burgstaller im Sommer umsonst zu haben gewesen wäre.

Beim FC Schalke sprechen sie trotzdem gerne von einem Schnäppchen; untertrieben ist das nicht. Sechsmal traf Burgstaller bereits, in zwölf Pflichtspielen, viermal in der Bundesliga, zweimal in der Europa League. Auch im heutigen Achtelfinal-Rückspiel in Mönchengladbach soll es Burgstaller nach dem 1:1 vom Donnerstag (Torschütze: Burgstaller) richten.

Es läuft einfach für den 27-Jährigen, der als Führender der Torschützenliste die Zweite Liga verließ. Weil er auf den ersten Metern nicht der Schnellste ist, zweifelten nicht wenige der sogenannten Experten, ob ihm auf Schalke der Durchbruch gelingen würde. Dank seiner unbändigen Kraft und vor allem seiner Cleverness hat es Burgstaller längst all den Kritikern und Skeptikern gezeigt.

"..., dann haut er ihn rein"

Burgstaller, das fällt gerade schon auch auf, ist oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er macht sich dann, ganz Burgstaller, keinen Kopf, überlegt nicht lange. "Wenn der Ball ihm auf den Schlappen kommt, dann haut er ihn rein", ist Sportvorstand Christian Heidel aufgefallen. Gegen Augsburg musste Burgstaller letztlich nur zweimal seinen rechten Fuß hinhalten, in Thessaloniki seinen linken. Viermal besorgte Burgstaller das 1:0.

"Nicht so viel anders"

Am Sonntag versuchte sich Burgstaller höchstselbst an einer Analyse seiner Effizienz. "Ich mache nicht so viel anders als in der Zweiten Liga", sagte Burgstaller. "Aber die Mitspieler haben jetzt andere Qualitäten. Du kriegst den Ball genau in den Lauf, genau vor die Füße." In Nürnberg, wo ihn sein ehemaliger Trainer Alois Schwartz vorzugsweise auf der linken Seite einsetzte, musste er sich häufig bis weit hinter die Mittellinie fallen lassen, in Gelsenkirchen gibt er die einzige Spitze. Weil ihm das zurzeit prima gelingt, hat ihn sogar sein Nationaltrainer Marcel Koller wiederentdeckt und für die Länderspiele Ende März gegen die Republik Moldau und Finnland nominiert.

Mamas Melissensaft

"Ich habe bewiesen, dass ich weiß, wo das Tor steht", ließ er die Journalisten bereits bei seiner Vorstellung Mitte Januar wissen, nicht minder schätzen sie im Pott freilich Burgstallers Malochermentalität. Für den Westfälischen Anzeiger ist er nur noch "der schwer aufzuhaltende Ackergaul", sein möglicherweise nicht ganz ernst gemeintes Erfolgsgeheimnis: der Melissensaft aus dem Garten seiner Mutter Edith in Kärnten. "Ich gebe immer mein Bestes", sagt Burgstaller bloß – und jeder, der ihn auf dem Platz sieht, dürfte ihn verstehen. Auch ohne Untertitel.

Wolfgang Laaß

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