Laufen im Herbst

Trailrunning: Praktische Tipps für das Abenteuer in der Natur

22.10.2021, 10:00 Uhr
Da lohnt sich jeder Schritt: Beim Trailrunning geht es mitten durch die Natur.

Da lohnt sich jeder Schritt: Beim Trailrunning geht es mitten durch die Natur. © Gerhard Illig Photography

Immer mehr Läufer wechseln von der Straße auf die Trails. So kann man die höchsten Berge erklimmen, aber auch einfach im vergleichsweise flachen Franken interessante Laufstrecken entdecken. Ultra-Trailläufer Johannes Hendel gibt praktische Tipps und Abenteuer in der Natur.

Herr Hendel, mal ganz von Anfang an: Was ist Trailrunning eigentlich?

Trailrunning beginnt eigentlich schon dort, wo die asphaltierte Straße aufhört, wenn es auf schmalen Pfaden über Stock und Stein geht. Noch spannender wird es, wenn man über Hügel und irgendwann vielleicht sogar auf Berge läuft.

Dann kann ich diesen Sport also auch in unserer Gegend betreiben?

Na klar, sehr gut sogar. Fürther Stadtwald, Kalchreuther Forst, Erlanger Meilwald, Spalter Hü-gelland – überall findet man viele schöne Trails. Wer sich auf anspruchsvolleren Wegen aus-probieren mag, wird in der Fränkischen sowie Hersbrucker Schweiz bestens bedient. Zum Reinschnuppern kannst du auf deiner Lieblingsstrecke im Wald einfach mal den breiten Forstweg verlassen und einen der vielen kleinen Seitenpfade einschlagen. Dann stellst du schnell fest, dass du dich plötzlich viel mehr natürlichen Gegebenheiten, wie Wurzeln, Steine, häufigen Rich-tungswechseln und vielleicht sogar schon ein paar Hügeln stellen musst.

Warum ist diese Art zu Laufen in den letzten Jahren so populär geworden?

Beim Trailrunning geht es nicht nur um Bestzeiten. Das Abenteuer und die Lust an Bewegung in der Natur stehen für viele im Vordergrund. Auf dem Trail muss man sich den Herausforderungen der Natur viel stärker als beim Laufen auf der Straße stellen. Ich denke, es ist der bewusste Weg aus dem urbanen Leben, um sich im Einklang mit der Natur zu fordern und dem Alltag so fern zu sein wie möglich. Für mich ist Trailrunning aber auch ein Lebensgefühl.

Begeisterter Trailläufer: Johannes Hendel vom Team Schamel Running aus Baiersdorf.

Begeisterter Trailläufer: Johannes Hendel vom Team Schamel Running aus Baiersdorf. © Karpos, NN

Wie sind Sie von der Straße zum Trailrunning gekommen?

Mit dem Trailrunning habe ich unbewusst begonnen. Zuerst habe ich Trails als klassische Alternativ- und Regenerationseinheit genutzt, Abwechslung und neuen Trainingsreize gesucht. Der endgültige Wechsel vom Straßen- zum Traillauf kam dann mit dem Team Schamel Running, das sich nach und nach immer mehr in den Trailbereich und schließlich zum Ultra-Trailteam entwickelt hat.

Worauf muss ich achten, wenn ich es selbst ausprobieren möchte?

Generell gilt: Je anspruchsvoller der Trail, desto größer sind die Anforderungen an Trainingszustand und Equipment. Und man sollte klein anfangen. Der Körper, aber auch der Kopf müssen sich auf die neue Belastung einstellen. Selbst wer schon länger läuft, wird nach Trailläufen immer wieder Muskelkater bekommen. Es kommen eben deutlich mehr Muskelgruppen intensiv zum Einsatz. Natürlich kann man bestimmte Lauftechniken für das Bergauf und Bergab gezielt trainieren. Aber wer sich langsam herantastet, lernt intuitiv sehr schnell, wie man sich laufend auf Trails oder am Berg am besten bewegt. Das ist uns Menschen in die Wiege gelegt.

Als Laie würde ich sagen: Bergauf zu laufen ist super anstrengend, aber dafür kann ich mich ja bergab erholen. Stimmt das?

So einfach ist die Rechnung sicher nicht. Der Downhill ist gegenüber dem Uphill eine völlig andere Art von Anstrengungen und Bewegung. Das wichtigste ist, zu lernen, mit seinen Kräften zu haushalten und zu jeder Zeit so effizient wie möglich zu laufen.

Worauf kommt es vor allem an?

Bergauf wird zum Beispiel die Schrittlänge deutlich kürzer, um nicht zu viel Kraft in den Oberschen-kel zu vergeuden. Für weitere Entlastung können Trailrunningstöcke sorgen. Bergab braucht es dagegen ein besonders hohes Maß an Koordination und Technik, um sich möglichst schnell, aber auch sicher den Berg hinunter zu bewegen.

Ist das Laufen im Gelände vielleicht sogar gesünder, schonender für Muskeln und Knochen als auf Asphalt?

Das kommt darauf an - bei schroffen, felsigen Trails macht es keinen wirklichen Unterschied. Ich würde da eher von ausgeglichener sprechen. Aufgrund des ständig wechselnden Untergrundes und der Up- und Downhills kommt der Körper einfach ganzheitlicher zum Einsatz.

Auch die Sportindustrie hat das Trailrunning für sich entdeckt. Was braucht ein Trail-Einsteiger tatsächlich?

Das Entscheidende ist ein passender, griffiger und stabiler Schuh. Erst wenn die Trails länger und vor allem alpiner werden, sind Dinge wie die richtige Bekleidung und andere Ausrüstungsgegenstände wie eine Trinkweste, ein spezieller Laufrucksack oder Stöcke wirklich wichtig.

Worauf muss man in Hebst und Winter besonders achten? Kann man dann überhaupt Trails laufen?
Na klar! Außer im Hochgebirge kann man das ganze Jahr über auf Trails laufen. Trailschuhe geben dafür genügend Halt. Besonders gut aufpassen sollte man aber bei viel Laub auf der Strecke, bei Glätte oder Dunkelheit.

Zur Person

Johannes Hendel (33) ist Teammanager und Athlet des Team Schamel Running, das sich unter anderem auf Wettbewerbe im Ultra-Trailrunning spezialisiert hat. Der Erlanger arbeitet als Spezialist für Digitale Kommunikation, läuft seit 2010 und ist ausgebildeter Lauftrainer.

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