Sonntag, 18.04.2021

|

zum Thema

Tränen beim FCN: Mathenia leidet Derby-Qualen

Den Club-Keeper bewegt das Nachbarschaftsduell wohl noch länger - 23.03.2021 05:49 Uhr

Goodbye Derbysieg: Für Torwart Christian Mathenia war das 2:2 in Fürth "brutal enttäuschend".

22.03.2021 © Foto: Melanie Zink


Folge 88: Ein sensationelles Derby

Dass Christian Mathenia ein extrem emotionaler Mensch sein kann, weiß man spätestens seit dem Relegationsdrama in Ingolstadt. Der hemmungslos weinende Torhüter des 1. FC Nürnberg illustrierte damals perfekt jenes Gefühlschaos, das der Journalist und Buchautor Oliver Fritsch als fußballerische "Nahtoderfahrung" beschreiben sollte.

Tantalus und Hämmer-Faust

Am Sonntag ging es zwar (noch) nicht um solch fast spirituelle Grenzerfahrungen, Mathenia aber durchlitt für alle sichtbar Tantalusqualen. Als das 268. Frankenderby abgepfiffen war, schrie er seinen Frust in die Welt hinaus, hämmerte mit der Faust gegen den linken Pfosten und stapfte schließlich mit Tränen in den Augen vom Rasen. Der Torwart als Symbolfigur für das aus Nürnberger Sicht diesmal tragische Ende eines packenden Fußballspiels.

Auch am Tag danach hatte Mathenia seinen Seelenfrieden längst nicht wiedergefunden. In der Nacht kaum geschlafen habe er, gestand der 28-
Jährige, "das Spiel ging mir einfach nicht aus dem Kopf, man denkt über viele Situationen nach." Vor allem über jene in der 93. Minute, als Fürths Dickson Abiama zu zögerliches Abwehrverhalten mit dem 2:2 bestraft und dem Club in letzter Sekunde den Derbysieg entrissen hatte.

"Bei den Gegentoren waren wir in der Mannverteidigung in der Box nicht gut, das müssen wir uns ankreiden lassen", räumte Mathenia ein. Schon beim frühen 0:1 hatte die Viererkette kollektiv gepatzt: Linksverteidiger Tim Handwerker ließ Marco Meyerhöfer ungestört flanken, in der Mitte fühlten sich weder Lukas Mühl noch Asger Sörensen für irgendetwas zuständig, Rechtsverteidiger Enrico Valentini schließlich verlor das Luftduell mit Havard Nielsen.

+++ Durchatmen nach dem Derby? Der FCN bleibt in der Bringschuld +++

Die fehlende Club-Balance

"Es sind manchmal Kleinigkeiten, die an so einem Tag entscheidend sind. Daran müssen wir weiter arbeiten", mahnte Mathenia und verwies trotzig darauf, dass man es dafür "ja offensiv gut gemacht" habe. Was zwar stimmt, aber eben auch das Nürnberger Grundproblem dieser Saison beschreibt: Entweder es hakt hinten oder es hakt vorne. Einen furiosen Offensivvortrag kombiniert mit einer über 90 Minuten konzentrierten Defensivleistung gab es bislang nur selten zu erleben.

Bilderstrecke zum Thema

Fast der Derbysieg: Hier kommen die Noten der FCN-Profis!

Ein couragierter Club schrammt im 268. Frankenderby nur knapp am Sieg vorbei. Zwar lässt der FCN im Abstiegskampf damit Punkte liegen, die Nürnberger Arbeitszeugnisse dürften sich dennoch ordentlich lesen. Oder etwa nicht? Hier kommt die Auflösung - wir haben Ihre Noten mit den Zensuren des kicker verglichen!


Dass es diesmal zumindest im Angriff lief, hatte auch viel mit dem imponierenden Startelfdebüt von Erik Shuranov zu tun. "Seine Unbekümmertheit hat uns sehr gut getan", befand Mathenia, das 19-jährige Sturmtalent habe im Training "richtig abgeliefert" und sich so den Einsatz verdient. Trainer Robert Klauß schätzte das Eigengewächs zudem als besonders Fürth-kompatibel ein: "Ich dachte mir, als echter Cluberer weiß er, wie man so ein Derby spielt."

"Wir wollten einfach nur..."

Wie man so ein Derby spielt, schienen diesmal aber auch die erfahreneren Kollegen zu wissen. "In der ganzen Mannschaft war von Anfang an große Leidenschaft und Emotionalität erkennbar", betonte Mathenia. Was zwangsläufig zur Frage führen muss, warum sie diesen Biss nicht auch schon gegen Braunschweig oder Osnabrück auf den Platz gebracht hatte. Ihr Torwart glaubt, dass in diesen Spielen "die Erwartungshaltung, die wir uns in der Kabine natürlich auch selbst auferlegen, und der Druck auf die Mannschaft eben relativ groß war". Diesmal sei "der Kopf freier gewesen, wir wollten einfach nur für diese Stadt und diesen Verein den Derbysieg holen".

Bilderstrecke zum Thema

Chancen, Kampf, Überraschungen: FCN gibt Derbysieg spät her

Im Frankenderby ging es selten um mehr - und das hat was zu heißen, denn im Frankenderby geht es schon von sich aus um viel, sehr viel. Doch in der 268. Auflage des Nachbarschaftsduells zwischen Nürnberg und Fürth ist ein Dreier für beide Mannschaften eigentlich ein Muss. Der Club muss unbedingt gewinnen, wenn er nicht weiter in Richtung Abstiegsabgrund rutschen will. Für das Kleeblatt dagegen heißt es: dranbleiben - dranbleiben an den anderen Aufstiegsaspiranten, sich nicht abhängen lassen. Drei Zähler wären dafür enorm wichtig. Gewinnen kann aber bekanntlich nur einer - oder in diesem Fall eben keiner. So wirklich zufrieden dürfte mit dem Punkt weder der FCN noch die Spielvereinigung sein, leer ausgegangen ist man immerhin aber auch nicht.


Emotionale Schlaflosigkeit

Dass es dafür am Ende nicht ganz gereicht hat, sei "brutal enttäuschend", dennoch hofft Mathenia, "dass wir das Selbstvertrauen, das wir zumindest 92 Minuten lang getankt haben, mitnehmen können". Zunächst aber bietet die Länderspielpause eine willkommene Gelegenheit, nach schwierigen Wochen etwas durchzuschnaufen und den Kopf freizubekommen. "Gerade so ein emotionales Spiel wird sicher noch ein paar Tage nachwirken", ahnt Mathenia. Unruhige Nächte inklusive.

+++ Dieses Frankenderby war großer Sport: Ein Kommentar zum Lokalvergleich +++

Bilderstrecke zum Thema

Derbysieg nur knapp verpasst! Der FCN in der Einzelkritik

Im 268. Frankenderby wusste der Club durchaus zu überraschen. Der weiß-grüne Aufstiegsaspirant gegen Nürnbergs Abstiegskämpfer? Die wenigsten werden dem FCN in dieser Konstellation mehr als null Punkte zugetraut haben. Doch die Nürnberger gingen konsequent in die Zweikämpfe, liefen früh an und kämpften sich nach Rückstand zurück. NZ-Sportredakteur Uli Digmayer mit den Einzelkritiken.



Sie wollen noch mehr Club-Content? Dann...

... melden Sie sich hier für "Ka Depp - der Newsletter" an

... folgen Sie unserer Facebook-Seite "FCN-News"

... folgen Sie unserer Instagram-Seite "Ka Depp - der FCN-Podcast"

... treten Sie unserer Facebook-Gruppe "Ka Depp - Der Club-Podcast von nordbayern.de" bei

Bilderstrecke zum Thema

Zwei Treffer mit purer FCN-DNA: So jubelte der Club im Derby

Was ein Wechselbad der Gefühle einmal mehr für den 1. FC Nürnberg im 268. Frankenderby: Spiel gedreht, am Ende muss das Team vom Valznerweiher doch noch spät den Ausgleich hinnehmen. Zwischenzeitlich kannte der Jubel jedoch keine Grenzen mehr: Hier kommen die schönsten Bilder voller Emotionen und mit absoluter Gänsehaut-Garantie!


20

20 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport