Aktion zur Deutschland Tour

Traut euch: Marta Swiatlon gibt Tipps für Frauen im Radsport

5.8.2021, 06:00 Uhr
Seit vielen Jahren begeisterte Rennradfahrerin: Als Marta Swiatlon vom Stadt-Rad aufs Rennrad umstieg, war es um sie geschehen.
 

Seit vielen Jahren begeisterte Rennradfahrerin: Als Marta Swiatlon vom Stadt-Rad aufs Rennrad umstieg, war es um sie geschehen.   © Bert Harzer, NN

Frau Swiatlon, Sie saßen schon auf dem Rennrad, als es für Frauen noch nicht einmal richtige Kleidung gab. Was hat Sie damals begeistert?

Es hat sofort Spaß gemacht. Der Unterschied zwischen Stadt-Rad und Rennrad ist enorm. Das war krass. Man hat gemerkt, dass man viel schneller unterwegs ist.

Ist es Ihnen von Beginn an leicht gefallen?
Der Knackpunkt waren meine erste Klickpedale. An der ersten roten Ampel bin ich direkt mit dem Rad umgekippt, weil ich nicht ausklicken konnte. Das war die erste schmerzhafte Erfahrung. Nochmal ist mir das aber nie passiert.


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Sollte man als Anfänger dann lieber gleich mit Klickpedalen beginnen?

Wenn man wirklich Lust darauf und die Möglichkeit hat, sich ein Rennrad zu leihen, dann sollte man einfach erst einmal fahren. Ein Helm ist obligatorisch. Doch sonst reichen eine normale Laufhose und Turnschuhe, das hatte ich damals am Anfang auch an. Der Spaß kommt von alleine, da braucht es nicht gleich zu Anfang die Highend-Klamotte. Es gibt super viel Equipment, doch das kann man dann nach und nach entdecken.

Angefangen haben Sie aber gar nicht im Radsport, oder?

Meine Leidenschaft zum Sport hat früh begonnen. Als Dreijährige bin ich in den Schwimmverein eingetreten, das war dann auch leistungsorientierter. Mit 16 Jahren habe ich mich erstmals im Triathlon versucht. Das hat mir Spaß gemacht. Da saß ich zum ersten Mal auf dem Rennrad.

Warum sind Sie nicht beim Triathlon geblieben?

Die Belastung habe ich nicht gut vertragen. Durch das Laufen hatte ich verschiedene Verletzungen, daraufhin bin ich 2016 bei meinem ersten Radrennen gestartet. 2017 bin ich in der Bundesliga gefahren.

Auf Instagram folgen ihr mehr als 90.000 Follower: Maria Swiatlon teilt täglich Radsport-Inhalte auf ihrem Account.

Auf Instagram folgen ihr mehr als 90.000 Follower: Maria Swiatlon teilt täglich Radsport-Inhalte auf ihrem Account. © Bert Harzer, NN

Jetzt ist Sport aber nur noch Hobby?

Ich trainiere schon noch nach Trainingsplan, weil es mir eine gewisse Struktur gibt und ich mich gezielter auf Events vorbereiten kann. Als Kind habe ich von Olympia geträumt, aber das ist schon lange kein Thema mehr. Radfahren ist für mich ein Hobby, was ich noch recht ambitioniert betreibe. Hauptberuflich arbeite ich als Social Media Manager bei "Schwalbe".


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Wie erging es Ihnen als Frau im Radsport?

Radsport ist männerdominiert. Es war anfangs ungewohnt, weil es beispielsweise beim Schwimmen viele Frauen gab. Als ich angefangen habe, gab auch noch relativ wenig passende Funktionskleidung für Frauen. Die Sachen waren größtenteils für einen männlichen Körper geschnitten. Da war das ein oder andere Teile recht sackig und flattrig im Wind.

Haben die Männer Sie denn akzeptiert?

Teilweise gab es damals schon viel Anerkennung von Männern. Manchmal kommt es aber auch vor, dass ich auf der Strecke mal einen Mann überhole, und da halten die dann extra dagegen, weil sie es anscheinend nicht verkraften, von einer Frau überholt zu werden. Das passiert sogar heute noch im Training!

Und dann?

Ganz ehrlich: einfach nur cool bleiben und machen lassen, oder dagegenhalten und den anderen abziehen. (lacht) In meinem Grundlagentraining, fahre ich ganz locker, dann lasse ich den einfach ziehen und stehe drüber. Gerade wenn man neu dabei ist, sollte man sich nicht beirren lassen.

In der Regel sind aber die Männer schneller ...

Man muss sich bewusst machen, dass man als Frau körperlich benachteiligt ist im Vergleich. Einfach völlig normal. Wenn zum Beispiel Freund und Freundin zusammen anfangen, dann wird höchstwahrscheinlich der Freund etwas stärker sein auf dem Rad.

Ärgern Sie sich über dieses Ungleichgewicht?

Manchmal nervt es, ja. Besonders, wenn man mit Männern fährt, die eigentlich weniger fit sind und die einen dann trotzdem am Berg stehen lassen. Da muss man sich doch daran erinnern, dass man sich als Frau nicht direkt mit Männern vergleichen sollte. Am besten ist es, auf sich selbst zu achten, seine Wattzahlen zu treten, oder man findet eine passende Frauengruppe.

Fahren Sie oft in Gruppen?

Unter der Woche fahre ich oft alleine, weil ich dann nach der Arbeit flexibler bin und ich meinem Trainingsplan folgen kann. Gruppenausfahrten mache ich dann in der Regel am Wochenende. Größtenteils sind dort Männer am Start.

Was würden Sie Anfängerinnen raten?

Vieles ist "learning by doing". Zuerst sollte man sich alleine mit dem Rad vertraut machen und dann kann man einer Gruppe beitreten. Es gibt viele nette Leute im Radsport, die gerne helfen und Tipps geben. Ein Beispiel: Wenn man beim Kurvenfahren das kurveninnere Bein unten lässt, ist das sehr gefährlich. Das ist einem beim ersten Mal vielleicht gar nicht bewusst. Da hilft es, wenn man in Gruppe unterwegs ist und man einen Hinweis bekommt. Wichtig ist nur, dass man sich zu Beginn nicht die schnellste Gruppe aussucht und auch klar macht, dass man neu ist.

Nach Nürnberg kommen Sie auch für eine Gruppen-Ausfahrt. Waren Sie schon einmal hier in der Gegend?

Mit dem Fahrrad war ich noch nie in Nürnberg, nur auf Klassenfahrt. Es macht Spaß, neue Orte mit dem Rad zu entdecken, dazu lernt man beim Radfahren immer neue Leute kennen, man kann sihc ja auch viel nebenher unterhalten.

Raten Sie Rennrad-Fans, sich einen Verein zu suchen?

Würde ich immer empfehlen, ja. Alleine fahren hat natürlich auch etwas, da kann man seine Gedanken schweifen lassen und sich auspowern. Doch gerade am Anfang ist es wichtig, sich Tipps zu holen. Deshalb lohnt es sich definitiv, sich einem Verein anzuschließen oder bei Aktionen wie den Ausfahrten im Vorfeld der Deutschland Tour mitzumachen.

Nicht alle trauen sich, sofort mitzufahren.

Bedenken über Bord werfen und vorbeikommen! Am besten von Anfang an kommunizieren, dass man neu ist. Und die Regeln in einer Gruppenfahrt sind schnell erklärt.

Und es werden ja auch immer mehr Frauen im Radsport.

Ja, das stelle ich auch fest und finde ich richtig gut! Die Auswahl an Equipment ist bei Männern und Frauen annähernd gleich geworden und es gibt sogar Marken speziell für Frauen. Außerdem gibt es auch viel mehr Wettbewerbe und Ausfahrten für Frauen. Eine wirklich positive Entwicklung.

"GirlsRide" auf der Strecke der Jedermann-Tour

Marta Swiatlon aus Bocholt war ambitionierte Rennrad-Sportlerin. Mittlerweile arbeitet die 30-Jährige bei "Schwalbe", auf Instagram postet die Influencerin mit mehr als 90.000 Follower täglich Radsport-Inhalte. Am Sonntag, 8. August, ist Swiatlon zu Gast beim "GirlsRide" im Rahmen der Nürnberger Vorbereitungs-Aktionen der Deutschland Tour. Gemeinsam mit Sandra Janorschke gibt sie dann das Tempo über die 110 Kilometer-Runde - die Strecke der Jedermann-Tour - vor. Infos und Anmeldung unter www.schleudergang.org

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