Treibende Kraft: Kempe hat sich beim Club etabliert

22.11.2016, 14:00 Uhr
In dieser Szene vergab Tobias Kempe (2. v. l.) die große Chance zum 2:2.

In dieser Szene vergab Tobias Kempe (2. v. l.) die große Chance zum 2:2. © Sportfoto Zink

Als Innenverteidiger Even Hovland in der 89. Minute den Ball doch noch irgendwie im Würzburger Tor untergebracht hatte, fiel vor allem Tobias Kempe ein ganzer Steinbruch vom Herzen. Kurz vorher hatte sich dem Mittelfeldspieler des 1. FC Nürnberg nach Guido Burgstallers Lattentreffer bereits die exzellente Ausgleichschance zum 2:2 geboten, doch konnte Kickers-Kapitän Sebastian Neumann den etwas zu unplatzierten Nachschuss von der Linie kratzen.

"Ich wollte einfach abziehen, aber manchmal ist überlegt eben doch besser", ärgerte sich Kempe über den knapp verpassten ersten Saisontreffer. Dennoch durfte er mit seinem Arbeitstag zufrieden sein. Vor allem nach dem Würzburger Doppelschlag war es Kempe, der die Ärmel hochkrempelte, über die linke Seite Druck machte, sich couragiert in jeden Zweikampf warf und so zur treibenden Kraft des finalen Nürnberger Sturmlaufs avancierte. "Ich war so sauer, weil der Gegner doch gar nicht wusste, wie er in Führung gegangen ist. Darum wollte ich die Mannschaft einfach mitreißen und das Ruder herumreißen", erklärte Kempe seine Trotzreaktion.

Auch dank solch kämpferischer Qualitäten hat sich der Ex-Darmstädter inzwischen beim Club etabliert. Nach zuletzt fünf Einsätzen von Beginn an darf er sich wohl als Stammspieler fühlen, auch wenn Kempe selbst seinen Aufwärstrend lieber bescheiden kommentiert: "Ich denke, ich bin auf einem guten Weg, kann mich aber sicher noch verbessern." Demut, die wohl auch dem schwierigen Start am Valznerweiher geschuldet ist. Zu Saisonbeginn war der ablösefreie Neuzugang aus dem Fußball-Oberhaus zunächst nur zweite Wahl; als er es am dritten Spieltag endlich in die Anfangself schaffte, kam sein Team in Braunschweig mit 1:6 unter die Räder.

"Tobi hatte keine gute Vorbereitung, das weiß er auch", sagt Trainer Alois Schwartz, und Kempe mag da gar nicht widersprechen. "Ich wusste, dass ich mehr kann", räumt der 27-Jährige ehrlich ein, verweist aber auch auf die Umstellung "auf einen neuen Verein und eine neue Liga, dass das ein bisschen gedauert hat, ist doch ganz normal und menschlich". Nun aber scheint der Sohn des früheren Bundesliga-Profis Thomas Kempe (MSV Duisburg, VfB Stuttgart, VfL Bochum) in Nürnberg angekommen; dazu beigetragen haben dürfte auch das private Glück – vor fünf Wochen kam Töchterchen Mina zur Welt. "Ein wunderschönes Gefühl", schwärmt der frischgebackene Papa und berichtet mit leuchtenden Augen von "echten Glücksmomenten". Die wohl auch vergebene Großchancen schnell vergessen machen ...

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