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Trotz Ergebniskrise: Fürth-Coach Leitl ist zufrieden

Fehlende Siege trüben beim Kleeblatt eine gute Entwicklung - 15.05.2019 12:38 Uhr

Offiziell zufrieden: Cheftrainer Stefan Leitl bescheinigt der Mannschaft eine gute Entwicklung. © Sportfoto Zink


Mittelmaß ist sexy – wenigstens könnte man zu diesem Schluss gelangen, wenn man die Verantwortlichen am Laubenweg über ihre jeweilige Bilanz sprechen hört. Cheftrainer Stefan Leitl wollte etwas kritisch klingende Fragen charmant abschmettern. "Wir haben sicher den einen oder anderen Matchball liegen gelassen. Jetzt hat es eben bis zum vorletzten Spieltag gedauert", zeigte sich der 41-Jährige nach dem entscheidenden Punktgewinn beim 1:1 in Aue vorwiegend erleichtert.

Als der gebürtige Münchner im Februar für den glücklosen Damir Buric übernahm, stand Fürth am Scheideweg. Die Spielweise war abwartend, unattraktiv und zuletzt leicht ausrechenbar. Leitl änderte das System grundlegend, betonte die offensiven Tugenden der Mannschaft, ließ sie wieder Fußball spielen und kompakt als Team verteidigen. "Leidenschaft und Wille" – dieses Duo betonte Leitl, erreichte damit die Spieler und steigerte so die Identifikation zwischen Profis und Fans. Zuletzt aber zeigte die Formkurve deutlich nach unten. Gute Ergebnisse blieben aus, das Selbstvertrauen schwand, die Unsicherheit nahm zu. Ein bekannter Teufelskreis.

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"Wenn man den Verlauf seit Februar sieht, waren viele sehr, sehr gute Spiele dabei, in denen wir vielleicht nicht so gepunktet haben", wollte Leitl das offensichtliche Manko gar nicht bestreiten, betonte aber gleichzeitig etwas, was nur schwer zu greifen ist: "In dieser Zeit ist die Entwicklung der Mannschaft aber zügig vorangegangen." Das kann man so sehen – nur woran lässt sich so etwas wie eine Entwicklung festmachen, wenn nicht an Punkten und Platzierungen in der Tabelle?

"Wir haben zu wenig Punkte geholt"

Das ist die einzige Kritik, die Leitl zulassen will. "Wir haben zu wenig Punkte geholt." Jetzt, da der Klassenerhalt sicher ist, werden in den nächsten Tagen und Wochen sicher viele Analysen bemüht. Offensichtlich waren Abschlussschwäche, fehlender Killerinstinkt und Nervenstärke in den Schlussminuten. "Insgesamt war es eine sehr gute Leistung. Wir sind in jedem Spiel ans Limit gegangen und haben große Konstanz gezeigt", hielt der Trainer dagegen. Leblose Auftritte wie im Heimspiel gegen Köln (0:4) und das Fehler-Festival in Magdeburg (1:2) ließ der 41-Jährige wohlweislich unerwähnt.

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Seine Mission hat Leitl freilich erfüllt. Fürth muss nicht wie in der Vorsaison bis zur letzten Spielminute zittern. Damit darf man dann schon mal zufrieden sein. Aber mehr als das? "Ich glaube schon, dass es ein Erfolg ist, dass wir einen Spieltag vor Schluss die Klasse gehalten haben", betonte Leitl eine feine Nuance, die aus psychologischer Sicht tatsächlich eine Entwicklung darstellen mag. "Wir hatten es immer selbst in der Hand, das war der große Unterschied zum letzten Jahr."

Rundum zufrieden wird er allerdings nicht sein. Allenfalls in persönlicher Hinsicht: Sein Vertrag hätte im Falle eines Abstiegs nach einer eingebauten Klausel keinen Bestand gehabt. Auf sportlicher Ebene hat sich die Mannschaft stabilisiert, von der anfänglichen Begeisterungsfähigkeit ist auf der Zielgeraden einer unrunden Spielzeit allerdings nicht mehr viel geblieben. "Die letzten Eindrücke sind entscheidend", hatte Leitl vor Wochen einmal gesagt. Inzwischen sind fünf Spiele vergangen, in denen Fürth nicht mehr gewonnen hat. Am Sonntag kommt der FC St. Pauli in den Ronhof, ein Sieg wäre zweifellos ein Trostpflaster. Offene Fragen bleiben dennoch, und längst klingen nicht alle Antworten befriedigend. 

Florian Pöhlmann

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