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Übergriffiger Bundestrainer? DSV stellt Sportdirektor frei

Deutsche Schwimm-Verband sieht sich Vorwürfen sexualisierter Gewalt ausgesetzt - 25.02.2021 18:10 Uhr

Wurde vom Deutschen-Schwimm-Verband freigestellt: Thomas Kurschilgen.

25.02.2021 © Tilo Wiedensohler, via www.imago-images.de


Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Zuvor war bereits Lurz selbst zurückgetreten, kurz nachdem ihn der DSV beurlaubt hatte. Nach Spiegel-Informationen soll Kurschilgen schon seit Jahren von den Anschuldigungen gewusst haben. Eine Schwimmerin habe ihm im März 2019 eine E-Mail geschrieben. Darin schilderte sie, wie Lurz sie zu Alkohol gedrängt, abgeküsst und ihr unter das Shirt gelangt haben soll. Sie nannte zudem vier weitere Verdachtsfälle – inklusive deren Namen.

Trotzdem passierte danach offenbar nicht viel beim DSV, jedenfalls blieb der beschuldigte Freiwasser-Trainer Lurz noch für knapp zwei weitere Jahre im Amt. Und das, obwohl die Staatsanwaltschaft gegen Lurz bereits 2010 unter anderem wegen des "sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen" ermittelt hatte. Doch Lurz bestritt die Vorwürfe, das Verfahren wurde gegen eine Geldzahlung und einen privaten Täter-Opfer-Ausgleich eingestellt. 2019 kam es erneut zu Ermittlungen gegen den Würzburger, diesmal wegen Beleidigung und "sexueller Nötigung". Doch die vorgeworfenen Handlungen waren bereits verjährt.

Machtposition ausgenutzt

Dass die Staatsanwaltschaft jetzt erneut gegen Lurz ermittelt, hängt mit einer aktuellen Recherche des Spiegel zusammen. Darin schildern mehrere Schwimmerinnen, wie Lutz sie als Minderjährige sexualisiert belästigt und genötigt haben soll. Dazu habe er auch seine Machtposition als Bundestrainer im prestigeträchtigen DSV-Stützpunkt Würzburg ausgenutzt. So erzählt eine Betroffene, dass er mit ihr kein Wort gesprochen habe, nachdem sie nicht mehr auf ihn eingegangen war.


Kommentar: Fehlendes Bewusstsein beim DSV


Lurz hält sich für unschuldig. Zu seinem Rücktritt sagte er der Main-Post, dass er damit weiteren Imageschaden vom DSV abwenden wolle. Der Schwimm-Verband äußerte sich gegenüber dem Spiegel nicht konkret zu den erhobenen Vorwürfen. Auch eine Erklärung zur Freistellung Kurschilgens steht noch aus. Stattdessen verurteilte der DSV in einer Mitteilung "jegliche Form von Missbrauch und Gewalt, gleich, ob körperlicher, seelischer oder sexueller Art". Sämtliche Verdächtigungen wolle man aufklären. Betroffene können sich an die "Beauftragte für die Prävention sexueller Gewalt" wenden.

Am Donnerstag haben sich zudem die Athletensprecher Sarah Köhler und Tobias Preuß auf der DSV-Website zu Wort gemeldet. Sie fordern eine "vollumfängliche und unabhängige Aufklärung seitens der Justiz und des DSV." Zudem riefen sie alle Betroffenen dazu auf, sich zu Wehr zu setzen. "Schweigen schützt die Falschen!"

Max Söllner Volontär in der Sport-Redaktion E-Mail

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