Überragender Höchstadter EC: Das muss nicht das Ende sein

Alex Pfaehler
Alexander Pfaehler

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8.4.2021, 18:04 Uhr
Architekt des Höchstadter Erfolgs: Trainer Mikhail Nemirovsky (rechts).

Architekt des Höchstadter Erfolgs: Trainer Mikhail Nemirovsky (rechts). © Thomas Hahn, ©Thomas Hahn

Um zu verstehen, was in dieser Saison mit dem Höchstadter EC passiert ist, musste man nach dem Playoff-Aus gegen die Eisbären Regensburg nur Team-Manager Daniel Tratz zuhören. „Wir haben uns etwas mehr erhofft“, sagte er. Es klang enttäuscht. Und das, nachdem der einstige Abstiegskandidat HEC eine enge Serie gegen den Favoriten Regensburg und eine historisch erfolgreiche Spielzeit hingelegt hatte.


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Doch er hatte durchaus Recht, ein bisschen enttäuscht zu sein. Denn die Halbfinal-Partien gegen den DEL2-Aspiranten unterstrichen, was für eine außergewöhnliche sportliche Leistung die Höchstadter erreicht haben.

Teamgeist und Leidenschaft

Und wie geht es weiter? Es ist immer schwer, einen großen Coup zu wiederholen. Zumal das auch von unberechenbaren Faktoren abhängt. Zum Beispiel wie sich die Corona-Pandemie weiter auswirkt. Nur zur Verdeutlichung: Beim Heimspiel des HEC hatten 1270 Menschen den SpradeTV-Stream gebucht, insgesamt dürften wohl über 2000 zugeschaut haben. Das Stadion wäre bei der Begeisterung voll gewesen - die entgangenen Einnahmen können weder der Corona-Profitopf noch die SpradeTV-Gebühren voll kompensieren.

Wichtig: Nemirovsky bleibt

Es gibt auch berechenbare Faktoren: Wenn zumindest ein oder gar zwei Spieler aus dem Trio Anton Seewald, Milan Kostourek und Niklas Jentsch beim HEC verlängern, würde das die Chancen auf kurzfristige Wiederholung schlagartig erhöhen.

Langfristig kann der HEC aber auch erwartbare Abgänge kompensieren. Denn wichtige Schritte hat der Verein schon gemacht: Mit Trainer Mikhail Nemirovsky wird der Architekt des sportlichen Erfolgs auch im kommenden Jahr in Höchstadt bleiben. Der HEC profitiert von seiner Vernetzung wie von seiner Erfahrung, aus der sein Blick fürs Wesentliche resultiert. Und der ist in einer semiprofessionellen Liga Gold wert.

Auch im Nachwuchs tut sich etwas

Auch im Umfeld des Vereins hat sich viel getan. Die lange vernachlässigte Nachwuchsarbeit hat große Fortschritte gemacht und wurde vergangenes Jahr vom Deutschen Eishockey-Bund mit einem Stern ausgezeichnet.

Und beim Eisstadion gibt es Hoffnung. Auch wenn eine neue Arena dem HEC noch mehr Wettbewerbsfähigkeit gesichert hätte. Doch mit einem sanierten Stadion könnten längere Eiszeiten dafür sorgen, dass der HEC einen Sprung nach vorne machen kann. Mit den großen Vereinen der Oberliga wird man auch künftig nicht dauerhaft konkurrieren können. Doch der Etablierung in der Oberliga, sprich: Spielzeiten ohne große Abstiegsängste, ist man in diesem Jahr näher gekommen.

Dass die Sanierung jetzt schnell und klug umgesetzt wird, liegt nicht nur in den Händen des Vereins, sondern vor allem in denen der (Kommunal-)Politiker. Die sollten an die Strahlkraft denken, die die Eissport-Vereine für die Kleinstadt haben. Der sympathische Erfolg des HEC wurde in ganz Bayern und darüber hinaus wahrgenommen. Und wenn die Stadion-Sanierung gelingt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich in den kommenden Jahren noch einmal etwas Ähnliches wiederholen kann.

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