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Umbau beim FCN: Kaderplanung mit einer lahmen Ente

Altzugänge und Transferflops: Der Club braucht eine erfolgreicheres Team - 15.07.2020 09:35 Uhr

Was jetzt? Robert Palikuca führt noch bis Monatsende die sportlichen Geschäfte beim FCN. Leicht wird die Konstruktion einer erfolgreicheren Mannschaft wohl auch danach nicht werden.

© Sportfoto Zink / DaMa


Der erste Neuzugang steht praktisch schon fest. Eigentlich ist Virgil Misidjan ja mehr ein Altzugang, weil er bereits seit über zwei Jahren beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag steht,die am Samstagabend zu Ende gegangene, 50-wöchige Geisterbahnfahrt durch die Saison 2019/2020 aber meist nur aus der Ferne verfolgte.

Misidjan: "Das sieht wirklich sehr gut aus" 

Sein Totalschaden im rechten Knie, erlitten vor ziemlich genau zwölf Monaten bei einem Trainingsunfall, ließ seitdem nicht mal mehr einen Kurzeinsatz zu, obwohl sich der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte bereits im Februar erstmals wieder beim gemeinsamen Üben im Sportpark Valznerweiher hatte blicken lassen, Mitte April zitierte ihn fcn.de wie folgt: "Es gibt fast keine Unterschiede mehr, wie ich mich vor der Verletzung bewegt habe und jetzt nach der Reha. Das sieht wirklich sehr gut aus."

Trotzdem musste sich der Niederländer gedulden; "letztendlich hat er fünf Back-to-competition-Tests nicht bestanden", teilte der Sportvorstand Ende Juni in einer Pressekonferenz mit, aber, immerhin: "Er wird zur neuen Saison zur Mannschaft stoßen." Die, Stand Dienstag, bereits 23 Spieler zählt und damit eigentlich schon jetzt gar nicht mehr aufnahmefähig ist. Im Kader taucht unter anderem Jakov Medic auf, ein junger Verteidiger aus der U21, der vor seiner Leihe zum SV Wehen Wiesbaden noch schnell einen Profivertrag beim Club unterschreiben durfte. Gültig bis 2022.

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Palikuca muss gehen. Der amtierende Sportvorstand verlässt zum 31. Juli, nach etwa 15 Monate den 1. FCN. Er begleitet den Club damit nur eine verhältnismäßig kurze Zeit in der traditionsreichen Vereinsgeschichte. Hier kommen alle relevanten Amtshandlungen Palikucas beim Club und die davon begleiteten Höhen und Tiefen der vergangenen Monate.


Und da ist ja auch noch Petrak

Medic fing recht ordentlich an beim Auf- und Absteiger, musste sich im neuen Jahr aber hinten anstellen. Ebenso Törles Knöll, der andere Übergangs-Nürnberger beim Dorfklub. Von den Würzburger Kickers kehrt Simon Rhein zurück, Kevin Goden von Eintracht Braunschweig, Ondrej Petrak von Dynamo Dresden. Die Zusammenarbeit mit dem dienstältesten Club-Profi hatte im November 2018 noch Andreas Bornemann verlängert, warum auch immer, nach bis dahin neun eher weniger als mehr überzeugenden Bundesliga-Auftritten seit August. Zumindest dafür konnte Robert Palikuca also mal nichts.

 

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Gutes Geld und ein wechselwilliger Portugiese

Andere zum Teil sündteure Verpflichtungen wie die von Nikola Dovedan (bis 2022), Iuri Medeiros (2023), Johannes Geis (2022) oder Oliver Sorg (2022) gehen hingegen voll auf seine Kappe und die von Kaderplaner Florian Meier. Alle vier verdienen dem Vernehmen nach sehr gutes Geld in Nürnberg und dürften deshalb wenig bis gar keine Lust oder Motivation verspüren, sich zeitnah nach einem anderen Arbeitgeber umzuschauen. Einzig der Portugiese Medeiros möchte weg und zurück in seine Heimat, zunächst aber bloß auf Leihbasis.

Begrenzter Spielraum am Valznerweiher

Die Transfer-Flops aus dem vergangenen Sommer fielen den Verantwortlichen somit jetzt erneut auf die Füße; der Spielraum für personelle Veränderungen ist begrenzt, zumal auch der 1. FC Nürnberg sparen und jetzt auch noch Palikuca abfinden muss. Platz 16 in der Abschlusstabelle ließ den Club im berühmten TV-Ranking um einen Platz auf Rang 23 zurückfallen. Finanzchef Niels Rossow muss mit über drei Millionen Euro weniger planen. Und natürlich vorerst auch weiter ohne Einnahmen aus dem Ticketing.

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Die Rettung

Dass heute auch offiziell die zweite Wechselperiode des Sommers beginnt und bis zum 5. Oktober dauert, dürfte für den klammen Club somit erst mal nicht viel mehr sein als eine Randnotiz. Stattdessen gilt es, das Aufgebot zu verkleinern; neben Medeiros soll noch der eine oder andere mehr den Club auf Leihbasis verlassen, wie Palikuca am Dienstagabend sagte. Der Aufsichtsratsvorsitzende sprach von "gewissen Projekten", die Palikuca noch finalisieren soll.

Am 1. August ist der Sportvostand dann Vergangenheit beim 1. FC Nürnberg und soll sein Nachfolger gefunden sein. Bis dahin dürfte sich Palikuca wie eine "Lame Duck" fühlen, als "lahme Ente", die zwar nach wie vor im Amt ist, aber neben nicht mehr lange, nach dem einen oder anderen nicht bestandenen Back-to-competition-Test. Auch Virgil Misidjan kann ein Lied davon singen.

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