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Vergebliches Warten: U21-WM startet ohne HCE-Talent Kellner

Der Senkrechtstarter des HC Erlangen erhielt keinen Anruf des Bundestrainers - 16.07.2019 10:22 Uhr

"Deutschland muss ein unglaubliches Talent auf dieser Position besitzen, wenn er nicht dabei ist": Benedikt Kellner wäre gern mit nach Spanien gefahren. © Oliver Gold/Zink


Ein wenig, sagt Benedikt Kellner, hatte er auf einen Anruf gehofft. "Wenn man ordentliche Leistungen in der Bundesliga bringt, dann schielt man auf die Weltmeisterschaft", sagt der 20-jährige Rückraumspieler des HC Erlangen.

Nicht nur gehofft, sondern erwartet hatten sein Trainer und der Sportliche Leiter den Anruf des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Und wenn schon nicht für eine Nominierung, dann für eine Begründung, warum der Erlanger Senkrechtstarter aus der Rückrunde nicht wenigstens für den erweiterten Kader für die U21-Weltmeisterschaften bei Topfavorit Spanien, die heute für Deutschland gegen Argentinien (ab 13.45 Uhr live auf Eurosport) beginnen, berücksichtigt wurde. "In meinen Augen hätte es Bene (Benedikt Kellner, d. Red.) mehr als verdient", sagt Kevin Schmidt, der Sportliche Leiter des HC Erlangen.

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Kraft, Stabilität, Kondition, Wurfgewalt und Taktik: Das und noch viel mehr brauchen die Spieler einer Handballmannschaft. Man kann davon ausgehen, dass der HC Erlangen an eben diesen Fähigkeiten in der Trainingseinheit gearbeitet hat. Die neue Saison steht schließlich bevor und der Erlanger Handball-Erstligist hat sich dafür einiges vorgenommen.


Darüber hinaus ist Kellner beim DHB kein Unbekannter: Er wurde jahrelang zu Lehrgängen in Jugend- und Juniorennationalmannschaften eingeladen, bestritt rund zehn U16- und U17-Länderspiele und lief letztmals im Januar 2018 beim Vier-Länder-Turnier in Konstanz für die U20 auf.

Keine Berücksichtigung trotz Top-Quote

Mit dem Wechsel aus Coburg nach Erlangen verschwand der Spielmacher offenbar vom Radar von U21- Bundestrainer Martin Heuberger. "Ich weiß nicht, warum man sich sehr frühzeitig auf einen Kader festgelegt hat. Das ist meine Erklärung: Dass man so kurzfristig, trotz meiner Leistungen, lieber auf die Eingespieltheit setzt", rätselt Kellner.

Adalsteinn Eyjolfsson, sein Trainer in Erlangen, sieht es ähnlich: "Ich kenne im Detail nicht den Plan des Bundestrainers. Aber von den Konkurrenten auf Rückraum Mitte kenne ich nur Hendrik Schreiber." Der stand in der vergangenen Saison 31-mal für Wetzlar auf dem Spielberichtsbogen, erzielte drei Tore (Wurfquote: weniger als 28 Prozent). Daneben entschied sich Heuberger für Eloy Morante-Maldonado von Zweitligist Dormagen und für Max Neuhaus (SC Magdeburg II, Dritte Liga). Über Benedikt Kellner (31-mal auf dem Erstliga-Bogen, 22 Tore, Wurfquote 65 Prozent) informierte sich der DHB "weder über den Verein, noch über mich noch über den Spieler", so Schmidt. "Dabei sicherte uns Bene wichtige Punkte, nicht zuletzt im Saisonfinale beim TVB Stuttgart."

"Unglaubliches Talent"

"Die anderen müssen sehr gut sein, was bedeutet, dass Deutschland ein unglaubliches Talent auf dieser Position besitzt, wenn er nicht dabei ist", sagt Eyjolfsson. Kellner versucht es sportlich zu nehmen: "Es wäre das letzte große Juniorenturnier gewesen, natürlich hätte ich mich gefreut, dabei zu sein. Aber so kann ich mich voll auf Erlangen konzentrieren, um konstanter zu werden und meine Leistungen zu bestätigen." Dann kommt vielleicht der Anruf von einem ganz anderen Bundestrainer. 

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