15°

Mittwoch, 30.09.2020

|

Verschobene Olympia-Premiere: So klettert sich Megos warm

Wie sich der Erlanger auf die Spiele vorbereitet - 07.08.2020 11:14 Uhr

Alexander Megos aus Erlangen muss noch ein weiteres Jahr auf die Olympia-Premiere der Sportkletterer warten. Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 will er dann voll angreifen.

© Lino Mirgeler, dpa


Wer Alexander Megos erreichen will, wird von einer französischen Frauenstimme angesprochen. Die Mailbox? Gut möglich, sagt sein Trainer Ludwig Korb, Megos sei gerade irgendwo in den Bergen unterwegs, "er hat nur sehr selten Empfang". Auch ein paar Tage später kann man Alexander Megos nicht nach diesem Sommer 2020 fragen, der für ihn eigentlich ein besonderer geworden wäre. Den er aber in der Natur verbringt statt bei den Olympischen Spielen.

Freiheit statt Wettkämpfe

Es ist ja ein symbolträchtiges Bild. Alexander Megos liebt das Klettern am Fels, wenn er das Gestein an seinen Fingerspitzen spürt, dann ist er, einer der besten Felskletterer der Welt, glücklich. Nach der Schule hat er sich einst auf seinen Sport konzentriert, ist durch die Welt gereist, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, nach der nächsten, noch schwierigeren Route. 2013 wurde er weltberühmt, als er bei einem Spanien-Urlaub eine sehr schwierige Strecke im ersten Versuch emporkletterte. Wettkämpfe hingegen interessierten ihn lange herzlich wenig, er wollte frei sein, draußen, am Fels.


Olympia 2021: Athleten fordern mehr Kommunikation und Partizipation


Als vor ein paar Jahren darüber diskutiert wurde, seine Sportart 2020 in Tokio ins olympische Programm aufzunehmen, da hatte der 27-Jährige eine klare Meinung. Eine, die den Befürwortern des Aufstiegs des Kletterns nicht gefallen konnte. "Das passt nicht zur Klettermentalität", sagte der Erlanger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, "nicht zum Spirit dieses Sports, der auch eine Lebenseinstellung ist."

Seilklettern, Bouldern, Speedklettern

Vielen Athleten missfällt zudem, dass sie in einem Kombinations-Wettbewerb aus drei Disziplinen hätten antreten sollen – dabei sind die meisten von ihnen Spezialisten. Auch Alexander Megos, der erst vor zwei Jahren den Weg zurück in die Kletterhalle ging, weil er der Versuchung Olympia doch nicht widerstehen, weil er dabei sein wollte beim größten Sportfest der Welt. Die Rückkehr wurde zu einer erfolgreichen, bei der Lead-Weltmeisterschaft 2018 wurde er prompt Dritter.

Bilderstrecke zum Thema

Schade, aber richtig! Frankens Sport-Asse äußern sich zum Olympia-Aus

Es ist eine historische und einmalige Entscheidung. Japans Ministerpräsident Abe macht den Weg für die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio frei. Olympia soll nun 2021 stattfinden. Was sagen Frankens aktuelle und ehemalige Vorzeige-Athleten dazu? Hier kommen ihre Stimmen und Stimmungslagen!


Ein Jahr später holte er in seiner Kategorie, dem Seilklettern, die Silbermedaille bei der WM, ein kleiner Fehler kostet ihn den ganz großen Triumph vor Superstar Adam Ondra. In Tokio hätte er sich beim "Combined" aber auch im "Bouldern" beweisen müssen, dieser Disziplin, die immer mehr Freizeitsportler in ihren Bann zieht. Doch auch beim Klettern ohne Seil und in Absprunghöhe überraschte Megos die Kletterwelt, bei der WM-Qualifikation 2019 meisterte er als einziger die anspruchsvolle Strecke. Und selbst beim Speedklettern, wo mancher die Wand eher hochrennt als klettert, stellte er einen neuen Bestwert auf – wurde aber dennoch Letzter.


Olympische Spiele sollen 2021 auch mit Corona stattfinden


Die Qualifikation für die olympische Premiere des Kletterns hatte er da aber schon in der Tasche, am heutigen Freitag wären in Tokio die weltbesten Kletterer gesucht worden. In einer Welt ohne Coronavirus. Doch im August 2020 findet man Alexander Megos nicht auf der 15 Meter hohen Wand beim Aufstieg zu olympischen Gold – sondern nur auf der offiziellen Homepage der Spiele. Als Gesicht des Kletterns. Oder auf einem französischen Berg.


Verpassen Sie keine Nachricht mehr! In unserem neuen täglichen Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Die Nürnberger Nachrichten werden heuer 75 Jahre alt. Lesen Sie als Neukunde die NN oder die Heimatzeitungen für nur 25 Euro pro Monat, exklusiv zum NN-Geburtstag! Mehr erfahren.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport