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Viagogo sorgt nicht nur in Augsburg für Kontroversen

Anhänger protestieren quer durch die Republik gegen die Ticketbörse - 30.03.2013 14:39 Uhr

"Vianogo" statt Viagogo: Auch die Fans des 1. FC Nürnberg sehen die Ticketbörse überwiegend kritisch. © Sportfoto Zink / DaMa


Zunächst, was ist Viagogo überhaupt? - 2006 wurde die Ticketplattform in England für verschiedenste Events gegründet. Mittlerweile ist sie der weltweit größte Reseller von Fußballtickets und gleichzeitig Partnerunternehmen von jeweils zehn Vereinen in der britischen Premier League und der deutschen Bundesliga.

Bei Viagogo können Karteninhaber sowie Dauerkartenbesitzer mit dem Einverständnis ihres jeweiligen Vereins ihre Eintrittskarten auf der Internetplattform weiterverkaufen. Den Wiederverkaufspreis bestimmt dabei der Markt. Auf dem Zweitmarkt sind so Preissteigerungen von 100 Prozent und mehr möglich. FCA-Tickets dürfen aber "nur“ für das Doppelte des Einkaufpreises weiterverkauft werden. Vom Verkaufspreis fließt eine erhebliche Summe in die Tasche von Viagogo - und auch die Vereine verdienen mit, weil sie von Viagogo ordentlich entlohnt werden für die zur Verfügung gestellten Tickets.

Im Falle des FC Augsburg wollen Anhänger des Vereins nun eine Petition einreichen. "FCA-Fans gegen VIAGOGO. Fußball muss bezahlbar bleiben!“, heißt das Motto der Kampagne, mit der die Fangemeinschaft auf die überhöhten Preise des Zweitanbieters reagiert. Darin klagen die schwäbischen Fußballanhänger über die unzureichenden personellen Ressourcen und das fehlende Know-How kleinerer Klubs, die es nicht schaffen würden, den Schwarzhandel, der sich über Online-Versteigerungsplattformen - wie zum Beispiel Ebay - organisiert, zu überwachen und zu unterbinden.

Viagogo fördere parallel zu diesem Missstand die Preistreiberei, welche Bestandteil des Geschäftsmodells sei, außerdem verstärke der Kartenhändler den Schwarzmarkt und legalisiere ihn sogar.

Heftiger Streit in Augsburg

In der Fuggerstadt hat die Debatte um die Ticketbörse zu einem handfesten Streit zwischen FCA-Geschäftsführer Peter Bircks und dem Lokaljournalisten Robert Götz von der "Augsburger Allgemeine Zeitung" (AZ) geführt.

Götz wirft dem Verein in seinem FCA-Blog vor, weniger zahlungskräftigen Fans ihren letzten Lebensinhalt - den Besuch eines Bundesligaspiels - zu rauben und das wertvolle Gut "Eintrittskarte" künstlich zu verknappen, um höhere Preise erzielen zu können. Weiter führt der Augsburger Journalist aus, dass der FCA den Schwarzhandel aktiv fördere, indem der Verein hunderte Karten extra für Viagogo zurückhält.

FCA-Funktionär Bircks bestreitet diese Vorwürfe und legte mit einem offenen Brief deftig nach, in dem er Götz mangelnde Recherche bis hin zu Böswilligkeit vorwirft. Laut Bircks sei es völlig normal, dass Sponsoren und Partner Kartenkontigente erhalten. Desweiteren hätten die treuesten Fans sowieso Dauerkarten und wären von höheren Ticketpreisen bei Viagogo gar nicht betroffen.


Außerdem würde laut dem FCA-Geschäftsführer niemand gezwungen, Tickets bei der umstrittenen Plattform zu kaufen. Bircks bestätigt aber auch, dass der Zuschlag von 100 Prozent in Ordnung ist, wenn es der Markt hergibt. "Zunächst einmal kann sich jeder Fan über unsere Verkaufskanäle Tickets zu den regulären Preisen kaufen", erläutert er auf der Homepage des FCA, "bei nahezu allen Heimspielen gab es in dieser Saison nach dem Mitgliedervorverkauf auch einen freien Ticketverkauf.“

Der offene Brief Bircks gipfelt in der Frage, ob sich die Verlagsleitung der AZ die kritischen Texte von Götz weiterhin gefallen lasse. Schließlich sei das Blatt ein wichtiger Sponsor des schwäbischen Abstiegskandidaten und investiere viel Geld in diesen. Zumindest fragwürdig ist die Auffassung Bircks vom hohen Gut der Pressefreiheit und die Unabhängigkeit eines Journalisten von den Zwängen der Werbung und des Sponsorings.

Nürnbergs Fans lehnen Bratwurst ab

Augsburg ist aber beileibe nicht der einzige Ort, wo sich Kritik an den Praktiken von Viagogo und der Unterstützung selbiger durch die jeweiligen Vereine regt: Im Umfeld des 1. FC Nürnberg haben sich die Fans schon mehrmals über den Tickentanbieter beschwert, ohne dass bislang bei den Vereinsbossen am Valnerzweiher ein vernehmbares Umdenken stattgefunden hätte.

Die Aktion der Ticketbörse, seine Dauerkarte bei ihr registrieren zu lassen und dafür ein leckeres Bratwurstbrötchen zu erhalten, führte zu Zorn und Spott anstatt zu einer Registrierungswelle der Nürnberger Dauerkarteninhaber.

An Deutlichkeit nicht zu überbietende Spruchbänder, unter anderem in Stuttgart und auf Schalke, zeigen deutlich, dass auch die dortigen Fankurven kein gutes Haar am Ticketanbieter lassen. In der baden-württembergischen Hauptstadt steht VfB-Präsident Gerd Mäuser auch wegen seines wohlwollenden Kurses gegenüber Viagogo heftig in der Kritik von Seiten der eigenen Anhänger.

Der FC Bayern München denkt sogar schon an eine Kündigung der Zusammenarbeit mit Viagogo, schließlich haben die Anhänger des Rekordmeisters beim "Finale dahoam" feststellen müssen, dass bei Viagogo flächendeckend vierstellige Ticketpreise abgerufen wurden. Beim Hamburger SV ist das bereits in die Tat umgesetzt worden, der Vertrag wird zum 31. Juli 2013 gekündigt.

Daniel Wölfel / stw

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