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Video: Schule mit Sportsgeist

Fechter Jonathan Sauer profitiert von der Kooperation - 25.10.2011

Die Homepage des Dürer-Gymnasiums ist liebevoll gestaltet, Sportfest, Wandertag, Theatergruppe, Weiher-Projekt — alles findet sich wieder. Nur das Quernheimer Modell sucht man vergebens. Kein Wunder, handelt es sich doch um einen vereinsinternen Begriff, mit dem beim Fechterring Nürnberg die Kooperation mit dem Gymnasium griffig abgekürzt wird. Pate stand das Örtchen Quernheim in Niedersachsen, der hiesige Fechtclub hatte eine talentierte Sportlerin, die allerdings nicht in eines der Stützpunktinternate wechseln wollte. Also suchte und fand man eine Alternative: Eine Woche im Monat trainierte die Schülerin in Tauberbischofsheim, die verpassten Schulstunden holte sie nach, die Lehrer wiederum legten Klassenarbeiten und Tests in die Wochen, in denen die Fechterin daheim war.

„Deshalb heißt das bei uns Quernheimer Modell“, sagt Susanne Sauer, zweite Vorsitzende vom Fechterring. Ihr Sohn Jonathan sowie zwei weitere Teamkollegen standen vor dem gleichen Problem: Leistungssport ja, aber bitte nicht wegziehen von Familien, Freunden, gewohntem Umfeld. „Für manche ist das im Alter von 14, 15 Jahren noch zu früh“, erklärt Sauer, die vor zwei Jahren Kontakt mit der Schule ihres Sohnes aufnahm. Könnte man nicht wie in Quernheim ...? Man konnte. Schulleiter Walter Hauenstein hörte sich das Konzept an und gab seinen Segen.

Schule oder Leistungssport? Jonathan Sauer hat einen Weg gefunden, beides miteinander ohne Verluste zu verbinden.

© Horst Linke


Seitdem verbringt Jonathan Sauer eine Woche im Monat in Tauberbischofsheim, die restliche Zeit geht er in Nürnberg zur Schule und holt den verpassten Stoff parallel in Eigenregie nach. Die Lehrer berücksichtigen bei der Ansetzung von Arbeiten so weit wie möglich den Trainingsplan der Fechter, „das Dürer-Gymnasium kommt uns da sehr entgegen“, sagt Sauer dankbar.

Gradmesser war für sie nicht nur der sportliche Ertrag — Jonathan holte 2009 und 2010 jeweils Bronze bei den Deutschen B-Jugend-Meisterschaften —, sondern vor allem das Zeugnis. Und siehe da: Der Zehntklässler hat sich in den zwei Jahren trotz Doppelbelastung in allen Fächern verbessern können. „Er ist ganz anders motiviert“, hat seine Mutter beobachtet, die zugleich einräumt, dass das Modell den Kindern viel Disziplin abverlangt: „Es bleibt ein Kompromiss.“ Irgendwann wird sich Jonathan vielleicht doch fürs Internat entscheiden, weil der Spitzensport immer früher diese Fokussierung verlangt. Dank Quernheimer Modell blieb ihm jedoch zusätzliche Zeit bei Familien und Freunden vergönnt.

 

ass

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