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Vom Krankenbett in die Kommandozentrale: Overby ist zurück

Bei der Handball-EM ist Erlangens Abwehrchef ein wichtiger Defensivspieler - 17.01.2020 17:48 Uhr

Nach seinem langen Ausfall träumt HCE-Spieler Petter Overby nun bei der Handball-EM vom Titel mit Norwegen. © Ole Martin Wold / afp


Im Januar 2019 lag Petter Overby auf Quarantäne. Einen Raum im Teamhotel hatten sie für den fiebernden Abwehrspieler abgedunkelt, "den einzigen Menschen, den ich zehn Tage lang sah, war der Mannschaftsarzt", sagte er. Norwegen erreichte am Ende das WM-Finale gegen Dänemark, das demütigende 22:31 schmerzt bis heute. Auch Petter Overby, der sich entkräftet zurückgekämpft hatte und Monate später beim HC Erlangen den hohen Preis dafür bezahlte: Ein halbes Jahr fiel der Abwehrchef des Bundesligisten aus, der Infekt und die hohe Belastung hatte das Herz geschwächt.

Seit dem Auswärtsspiel in Hannover am 19. Dezember ist der 27-Jährige wieder zurück, doch nicht nur in der Liga zeigte er sofort, wie wichtig er ist: Auch in Norwegens Nationalteam startete der Kreisläufer aus dem Krankenstand durch. Bei der Europameisterschaft stand Overby bislang bei allen drei Vorrundenpartien auf dem Feld – mehr noch, er führt den Vize-Weltmeister als Abwehrchef in die Hauptrunde in Malmö.

Abwehrchef und Angreifer

"Angedacht war diese Rolle schon bei der WM. Dann kam die Krankheit dazwischen", sagt er. "Nun fühle ich mich fit und denke, dass ich für die Monate, die ich komplett fehlte, mit einem starken Lauf entschädigt werde." 100 Prozent Wurfquote besitzt Petter Overby neben der gewohnt kraftvollen, aufmerksamen und beeindruckend beweglichen Abwehrarbeit für einen 1,95 Meter großen, 95 Kilo schweren Handballer. "Angedacht war, dass ich mit Bjarte Myrhol im Angriff wechsle. Doch jetzt ist er nicht dabei – und so spiele ich erstmals auch in der Nationalmannschaft im Angriff."

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Myrhol ist als erfahrener Kapitän eine feste Größe, bei der WM stand er im All-Star-Team. Doch Overby, der sich nun mit Magnus Gullerud (GWD Minden) die Spielzeit aufteilt, hat das Fehlen des 39-Jährigen bislang komplett kompensieren können. "Einerseits fehlt mir noch die Basisfitness. Andererseits bin ich ausgeruhter als die Kollegen. Wir werden noch sehen, wie sich das im Turnier auswirken wird", sagt er.

Finale im Fußballstadion

Als haushohen Favoriten sieht er seine Norweger noch nicht – wenngleich mit Frankreich und dem Erzrivalen Dänemark zwei Topteams ausgeschieden sind. "Die Dänen haben ihre Gegner unterschätzt. Aber natürlich ist es von Vorteil für uns, dass wir nicht mehr auf sie treffen können – sie liegen uns bekanntlich nicht. Aber bei dieser EM kann jeder jeden schlagen." Das könnte ein Vorteil von Deutschland sein, findet Overby: "Sie sind ein Turnierteam, dem im Angriff noch der Rhythmus fehlt. Aber das wird besser werden. Sie müssen Kroatien schlagen, dann haben auch sie alle Möglichkeiten."

Die größte Konkurrenz dürfte aber von Spanien, den starken Kroaten und den Schweden ausgehen – die im Finale 20.000 Zuschauer in Stockholm im Rücken hätten: Erstmals wird ein EM-Endspiel in einem Fußballstadion ausgetragen. "Es ist irre, sich das vorzustellen", sagt Petter Overby. "Wenn Schweden ausscheidet, wäre das gut: Ich hoffe, dass wir das Stadion dann mit Norwegern vollbekommen. Der Weg ist nicht so weit hinüber nach Schweden."

Neuer HCE-Torwart in Topform

Wenn Torbjorn Bergerud wieder über sich hinauswächst, das schnelle Konterspiel ermöglicht und Superstar Sander Sagosen fit bleibt, darf Petter Overby weiter vom Titel träumen. Die 8000 Dänen, die sich bereits Tickets gekauft hatten, werden nun Norwegen unterstützen, glaubt er: "Die Rivalität mit Schweden ist noch größer als mit uns. Das Publikum ist ein riesiger Faktor." Das soll schon gegen Ungarn am heutigen Freitag helfen, vor allem aber am 22. Januar gegen Slowenien. Da trifft Overby auf seinen künftigen Kollegen vom HC Erlangen, Klemen Ferlin – der hat in der Vorrunde von allen Torhütern die meisten Würfe gehalten und wurde bislang als einziger EM-Spieler zweimal zum "Man of the Match" gekürt. Petter Overby hat zweimal WM-Silber im Schrank. Es wird Zeit, dass etwas Goldenes dazukommt, findet er. Am besten schon am 26. Januar.

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