Vorne harmlos, hinten anfällig: Das ist der Club-Gegner

Im Hinspiel besiegte Braunschweig den FCN mit 3:2 - 28.02.2021 05:56 Uhr

In Eintracht zum Erfolg: Braunschweigs Jannis Nikolaou (2.v.r) köpft das Tor zum 1:0 gegen Jahn Regensburg.

24.02.2021 © Foto: Swen Pförtner/dpa


Wie war das Hinspiel?

Vom späten Elfmeter überschattet. Der Club drehte einen Rückstand nach Fernschuss von Wiebe durch zwei Tore von Pascal Köpke in eine Führung. Braunschweigs Kobylanksi glich aus und das Spiel bewegte sich auf ein 2:2 hin, als Schiedsrichter Waschitzki eine minimale Berührung von Mühl gegen Schlüter im Sechzehnmeterraum als strafwürdig wertete und trotz Betrachtung der Fernsehbilder nicht von seinem Urteil abwich. Proschwitz verwandelte den Elfmeter, Braunschweig gewann 3:2.

In der Gesamtbewertung musste man den Elfmeter vom Rest des Spiels trennen. In der ersten Halbzeit hatte der 1. FC Nürnberg sich nicht durch das Gegentor aus dem Konzept bringen lassen, kam zu Chancen und Toren. Allerdings auch, weil Braunschweig dem Club den Ball überließ und die langen Bälle des BTSV im Aufbau leicht zu verteidigen waren. Nach dem 2:2 war der FCN allerdings auch gelähmt, fuhr plötzlich überhaupt keine Angriffe mehr, verlor sich stattdessen in Phasen leeren, beziehungsweise zu abwartenden Ballbesitzes. So verpasste er in dieser Phase gegen schwache Braunschweiger zu gewinnen und verlor stattdessen durch den umstrittenen Strafstoß.

Was ist seitdem passiert?

Braunschweig hat die Grundordnung geändert, spielt jetzt nicht mehr mit Dreier-/Fünferkette, sondern agiert meist im 4-2-3-1. Die Winterneuzugänge Brian Behrendt (Arminia Bielefeld), Dong-won Ji (Augsburg) und Oumar Diakhite (vereinslos) haben sich zusätzlich in der Startelf von Daniel Meyer festgespielt und die Qualität der Mannschaft gehoben. Angesichts dessen, dass die Niedersachsen mitten im Abstiegskampf stecken und erst am vergangenen Freitag durch einen Sieg über Regensburg von den direkten Abstiegsplätzen kletterten, ist die Qualitätsverbesserung auch nötig.

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Dabei tut sich Braunschweig vor allem in der Offensive schwer. Das liegt in großen Teilen daran, dass die Eintracht Probleme hat, vors Tor zu kommen. Kein Zweitligist schießt seltener aufs Tor und nur Osnabrück schließt im Schnitt noch weiter vom Tor weg ab als die Blau-Gelben. Die Begründung dafür liegt nicht nur, aber vor allem darin, dass Braunschweig kaum Bälle in Tornähe zum Mann bringt, obwohl der Aufbau bis zum Strafraum meist ordentlich vonstattengeht.


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Dabei ist die Spielanlage an sich relativ einfach. Der Ball wird oft lang auf Proschwitz geschlagen – fast alle Abwehrspieler haben den Stoßstürmer als häufigsten Passempfänger. Dieser versucht den Ball dann per Kopf abzulegen. Entweder wird er zurück auf den nachrückenden Kroos gelegt oder auf die Außen zu Ji, Bär oder Kaufmann.

Wie kann man sie knacken?

Mit Kontern. Mit schnellem Umschalten tun sich die Niedersachsen auf beiden Seiten des Balles schwer. Als einziger Zweitligist hat Braunschweig noch kein Kontertor geschossen und nur Osnabrück, Sandhausen und Würzburg kassierten mehr Treffer nach Tempogegenstößen. Bei der Eintracht ist auffällig, dass oft bei den gegnerischen Kontern die Laufwege der Innenverteidiger, welche die "Restverteidigung" bilden, nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind, so dass ein mitgelaufener Stürmer oft genügend Platz auf dem Feld hat.

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Da Braunschweig aber in der Regel dem Gegner den Ball überlässt, ist es schwierig, solche Situationen zu provozieren. Allerdings bieten sich aufgrund der fehlenden Präzision in den Pässen in Strafraumnähe durchaus Möglichkeiten, diese Situationen zum Umschalten zu verwenden. Sollte sich der FCN eine Seite ausgucken wollen, die etwas anfälliger ist, so dürfte Lasse Schlüter der Angriffspunkt sein. Der Linksverteidiger verlor 2021 von allen Braunschweigern die meisten Zweikämpfe im eigenen Verteidigungsdrittel, nach seinen verlorenen Zweikämpfen fielen die meisten gegnerischen Schüsse und auch zwei Tore.


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Auf wen muss der Club aufpassen?

Danilo Wiebe. Im Hinspiel zimmerte der Rechtsverteidiger aus 25 Metern den Ball in den Winkel des Nürnberger Tors. Es war sein bisher einziges Tor in dieser Saison. Aber der 26-Jährige ist auch nicht wegen seiner Torgefahr einer der wichtigsten Spieler der Eintracht. Vielmehr ist Wiebe einer, der nach vorne verbindet und nach hinten arbeitet.


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Kein Braunschweiger spielt mehr Pässe in den gegnerischen Strafraum. Das liegt zum Teil daran, dass er verhältnismäßig präzise Flanken schlägt und diese in Tornähe ankommen. Zum anderen spielt er aber auch so viele kreative Pässe wie kein anderer im Kader außer Dong-won Ji. Wiebe führt aber gleichzeitig auch die meisten Defensivzweikämpfe, fängt nach Nikolaou die meisten Bälle ab und ist ein guter Zweikämpfer gegen den Ball.

FLORIAN ZENGER