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Warten auf Maradona: Nate Weiss, der Technik-Chef des FCN

Die ungewöhnliche Geschichte des clubeigenen Individualtrainers - 07.04.2020 08:28 Uhr

Die perfekte Ballbehandlung? Nate Weiss ist auf der Suche danach und hat darüber sein Glück in Nürnberg gefunden. © Foto: Daniel Marr/Zink


Der Inhalt der Briefe: die Trainingspläne des Elfjährigen, seine Fußball-Fortschritte und andere Dinge. Weiss kennt die Briefe so genau, weil er der Elfjährige war. "Maradona war mein Tagebuch", sagt er.

32 Jahre alt ist Weiss heute, er schreibt Maradona nicht mehr, er hat wichtigere Dinge zu tun. Weiss ist Technik- und Individualtrainer beim 1. FC Nürnberg und außerdem wird er gerade zu einer kleinen Internet-Berühmtheit. Auf Instagram veröffentlicht er in Zeiten der Corona-Krise die Übungen, die er sonst die Profis (und die Spieler des Nachwuchsleistungszentrums) auf dem Platz machen lässt. Kleine Ballbehandlungseinheiten sind das, auf engstem Raum zu trainieren, was ja gerade gut passt, weil der Raum, den die Fußballspieler zur Verfügung haben genau so klein ist wie der der anderen Menschen.


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Nachdem Club-Spieler die Übungen auf ihren Kanälen gepostet haben, wurde die Sache immer größer. Luca Waldschmidt, ein richtiger Nationalspieler, fragte Weiss nach Inspirationen, bekam sie und zeigte auch das in einem Video seinen Fans. Solche hat Weiss jetzt selbst, 7558 Menschen folgen ihm auf Instagram, täglich kommen hunderte dazu, sagt Weiss in "Ka Depp", dem Club-Podcast von nordbayern.de. Und alle produzieren Videos von den Übungen, die sich einer ausgedacht hat, der einst Briefe an Maradona geschrieben hat, weil er sich in den Fußball verliebt hatte.

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Dass er sich in den Fußball verliebt hat, findet der US-Amerikaner Weiss gar nicht so ungewöhnlich. Er ist in Florida aufgewachsen, hatte viel mit dem hispanischen Teil der Bevölkerung zu tun – und die lieben den Fußball eben auch, da spielte es keine Rolle, dass sie in den USA lebten. In seiner Familie, sagt Weiss, haben sie sich dennoch immer ein bisschen gewundert, was Nate sich da als Hobby ausgesucht hatte, aber sie unterstützten ihn. Sein Bruder schenkte ihm ein Buch: die Trainingsschule von Ajax – für den kleinen Nate war es ein heiliges Buch.

Dass er einmal Trainer werden will, das stand schon für das Kind Nate Weiss fest. Mit 18, er spielte einigermaßen ansprechenden College-Fußball, machte er sich deshalb auf den Weg dorthin, wo man Trainer werden kann und wo der Fußball lebt: nach Europa. Weiss verdiente sich sein Geld als Profi in Spanien, Lettland, Israel, Serbien und Schweden. Nicht viel Geld, aber es langte ihm. In Lettland wurde er sogar Pokalsieger.


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Überall blieb er nur ein Jahr, er wollte das so, um möglichst viele Fußballkulturen kennen zu lernen. Vom Rest der Kulturen der Länder, sagt Weiss, hat er nicht viel mitbekommen. Er hatte ja auch kaum Zeit. Überall hat er nebenher eine Jugendmannschaft trainiert.

Und er hat sich weiter gebildet. In Schweden machte ihn ein Trainer erstmals auf das aufmerksam, womit er heute sein Geld verdient. Darauf, dass es auch auf die Details ankommt. Wie einer seinen Fuß beim Pass hält, zum Beispiel. Weiss verliebte sich in die Details wie zuvor in den Fußball, er entwickelte Übungen, um an den Details zu arbeiten.

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Und er blieb in Deutschland hängen, lernte Michael Köllner kennen, der holte ihn zum 1. FC Nürnberg – und da ist Weiss anders als Köllner heute immer noch. Er habe Glück gehabt, sagt Weiss, dass im Verein nicht nur Köllner und Andreas Borneman von ihm überzeugt waren, sondern auch alle anderen, die auf die beiden folgten.

Auch am Montag stand er mit einer Kleingruppe wieder auf dem Platz. Schön sei das gewesen, sagt Weiss, endlich wieder einmal Menschen zu sehen. Es sind Menschen, die seine schöne Geschichte natürlich schon kennen. Die Geschichte eines kleinen Jungen, der irgendwann hinausgeht in die Fußballwelt und dort nach einigen Widerständen tatsächlich sein Glück findet. Es ist die Geschichte eines Erwachsenen, der insgeheim immer noch wartet, nicht auf einen Brief, aber vielleicht auf ein ganz besonderes Filmchen. Diego Maradona, das hat Weiss schon recherchiert, ist nämlich auch bei Instagram.

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