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Was Petanque und Kanu beim TV Fürth 1860 verbindet

Werner Liegl ist Kassenwart beider Abteilungen - und manchmal auch Friedensrichter - 26.02.2021 13:41 Uhr

Werner Liegl ist einst mit der Petanque-Abteilung zu den Kanuten des TV Fürth 1860 an den Europakanal gezogen. Hier wie dort ist er Kassier.

25.02.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Mathias Jordan drückt es pathetisch aus, als er ein paar Zeilen zu Werner Liegl schreibt: "Er hat der Petanque-Abteilung den Weg zu uns gezeigt." Jordan ist der Abteilungsleiter der Kanuten beim TV Fürth 1860, Liegl sein Kassier.


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Dasselbe Amt hat der ehemalige Berufsschullehrer auch bei den Petanque-Spielern inne. Seine Version dieser Zusammenführung klingt etwas nüchterner, vorgetragen in einem gemütlichen oberbayerischen Dialekt: "Als es hinterm Lim-Haus auf den zwei Bahnen mit 25 Leuten zu viel wurden, hatte einer die Idee, bei den 60ern Plätze anzulegen."

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Prädestiniert dafür war das Gelände der Kanuten unterhalb des Sportgeländes des TV Fürth 1860 am Europakanal. Liegl kam das gerade recht, denn Bootfahren war schon als Jugendlicher seine Leidenschaft. Aufgewachsen in Rosenheim, machte er sich regelmäßig auf zum Chiemsee, um dort zu segeln.

In Fürth, wohin es ihn vor 40 Jahren beruflich als Lehrer verschlug, schloss sich ein Kreis. Denn er holte als Wahl-Fürther nicht nur den Segelschein nach, sondern entdeckte auch seine Liebe zum Paddeln. Bei einem Spaziergang entdeckte er "durch Zufall" die 60er: "Ich habe gesehen, dass die auf dem Kanal Boot fahren. Dann bin ich dort geblieben."

Ein Dreier-Kanadier für alle

Er habe das nie als Wettkampfsport betrieben, "ich war Wanderfahrer, immer in der Gruppe", darum ging es ihm. Er besitzt einen Dreier-Kanadier, den er dem Verein zur Verfügung stellt, und ein Kajak. Für den Laien erklärt er den Unterschied: "Der Kanadier und das Kanu kommen von den Indianern und man kniet darin. Die Eskimos fahren mit einem Kajak." Kanu aber sei gleichzeitig der Überbegriff für beides.

Als Liegl bei den Wassersportlern einstieg, war die Abteilung schon von der Uferstraße an den Europakanal neben die Forsthausbrücke gezogen. Liegl machte sich gleich nützlich, um das Bootshaus auszubauen. Nur Sport zu treiben, scheint ihm immer zu wenig gewesen zu sein.


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Parallel entdeckte er seine Leidenschaft für das französische Kugelspiel Petanque – natürlich ebenfalls "per Zufall". Er erinnert sich: "Ich bin da hingekommen und der Älteste von denen war so nett und hat mich in Gespräche verwickelt." Als ein Freund ihm dann auch noch Kugeln schenkte, startete er eine zweite Karriere in der untersten Liga.

Wenngleich er das so nie nennen würde. "Ich spiele auf mittelmäßigem Niveau – und ich schau’ auch gern zu." Er müsse gar nicht unbedingt spielen. Wichtig sei ihm: "Dabei sein, am Platz sitzen, zuschauen." Auch ratschen? "Ja, ganz wichtig", sagt er und schiebt lachend nach: "Das ist ja das Wichtigste."

Wenn die Gelenke ausgeleiert sind...

Ein guter Ausgleich zum Bootfahren sei das. "Beim Rudern muss man rumfahren, das ist kompliziert mit zwei Autos und dem Ein- und Ausladen. Petanque ist ganz etwas anderes." Zumal die Boule-Spieler "in der Regel reifere Leute um die 60" seien, die früher Volleyball und Fußball gespielt haben. "Nachdem die Gelenke ausgeleiert sind, wollen sie aber trotzdem noch ein Kugelspiel betreiben. Dann machen sie halt sowas."

Drei Wettkampfmannschaften hat die Boule-Abteilung. Das sei unten am Kanal doppelt schön, "weil man da abgeschieden ist von Gott und der Welt". Derzeit natürlich nicht, aber in normalen Zeiten ist Liegl so etwas wie der Teammanager.

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"Ich kümmere mich drum, dass Getränke da sind. Und an den Spieltagen Dienstag und Donnerstag, dass es da eine kleine Brotzeit gibt." Weil er der Verbindungsmann der Abteilungen ist, "werde ich immer vorgeschickt, wenn es Stress gibt zwischen den beiden". Es seien Banalitäten, erzählt er und schmunzelt wieder.

Warum er denn nicht einfach nur spielen oder paddeln wolle, wie viele andere im Verein auch? Muss man denn gleich Kassier, Wirt und Friedensrichter werden? Er überlegt nicht lange: "Das kommt daher, wenn man nicht schnell genug weg ist, wenn es Arbeit gibt." Doch im Ernst: Es mache Spaß, denn er fühle sich auch wertgeschätzt. Und nicht zuletzt mag er an beiden Sportarten: "Wir sind im Freien und im Grünen und es sind lauter nette Leute."

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