Wie Nürnberger Fitnessstudios die nächsten Wochen planen

11.3.2021, 06:00 Uhr
 Endlich wieder was los am Kohlenhof: Alexander Awdijan (im schwarzen Trainingsanzug) auf der Terrasse seines Studios.

 Endlich wieder was los am Kohlenhof: Alexander Awdijan (im schwarzen Trainingsanzug) auf der Terrasse seines Studios. © Roland Fengler, NNZ

Mit schweren, vermeintlich unbesiegbaren Gegnern kennt sich Alexander Awdijan aus. Der 43-Jährige weiß auch, wie es ist, wenn dieser Gegner einen mit voller Wucht erwischt, einen niederstreckt, so sehr, dass es einem kurz schwarz vor Augen wird. Awdijan weiß aber auch, dass nach jeder Niederlage auch wieder ein Sieg folgt, 2007 wurde der heute 43-Jährige Weltmeister im Supermittelgewicht der Global Boxing Union. Heute gibt er sein Wissen im Alex Sportcentrum am Kohlenhof und einem weiteren Studio an der Rothenburger Straße weiter – wenn er das denn darf.

Seit einem Jahr ist der Gegner aber ein ekliger, der keine Lust auf Regeln hat, der immer wieder harte Treffer landet – auch bei Alexander Awdijan. Bevor das Coronavirus die Welt veränderte, hätte er in seinen beiden Gyms 1500 Mitglieder gehabt, inzwischen sind es einige Hundert weniger. Das zu kompensieren ist schwer, "die Mieten sind sehr hoch und bis jetzt haben wir keine Hilfen bekommen", sagt Awdijan. Mit jeden Monat im Lockdown wird das Minus um einen fünfstelligen Betrag größer.

Schon vor zehn Jahren gebaut

Doch seit dieser Woche gibt es wieder ein bisschen Hoffnung. Derzeit dürfen am Kohlenhof bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig an der frischen Luft trainieren, es ist ein erster Schritt zurück in die Normalität. Zugute kommt dem Alex Sportcentrum dabei, dass Awdijan schon vor zehn Jahren entschieden hat, einen Außenbereich anzulegen.

"Damals haben wir 30 000 Euro reingeschossen", sagt der Chef, in den Jahren danach wurde die 400 Quadratmeter große Trainingsfläche auf der Terrasse immer wieder erneuert und erweitert. Es gibt Boxsäcke, Langhanteln, Bänke – alles, worauf viele Sportlerinnen und Sportler seit Monaten verzichten müssen. Es ist mehr als nur ein Ersatz für die Zeit geschlossener Innenräume. "Es gibt Leute, die bevorzugen es, mehr draußen zu trainieren", sagt Awdijan.

Außenbereich vergrößert

Auch fünf Kilometer weiter im Muggenhofer Power Athletics Gym sieht man im Sommer starke Menschen auf dem Parkplatz sprinten, andere tragen schwere Gewichte über den Asphalt oder machen Kniebeugen. Das Training an der frischen Luft ist also für viele nichts neues, trotzdem war die Freude jetzt groß.

Seit gestern haben die Verantwortlichen den Außenbereich vergrößert, jeden Morgen tragen sie verschiedene Utensilien aus dem Studio nach draußen, um ihren Mitgliedern eine Trainingsmöglichkeit zu bieten. Anders als im Alex Sportcentrum, wo die Mitglieder telefonisch Termine vereinbaren können, gibt es im Power Athletics Gym einen Online-Kalender, in dem sich jedes Mitglied maximal drei Trainings pro Woche buchen kann.

Finanziell geht es dem inhabergeführten Studio ebenfalls nicht gut, "wir haben noch keinerlei staatliche Hilfen bekommen", sagt Anastasios Karamitros, der das Gym mit Leszek Zieleniec führt. "Die meisten unserer Mitglieder zahlen ihre Beiträge aber weiter und keiner unserer Mitarbeiter ist in Kurzarbeit." Das liegt unter anderem daran, dass Spitzensportler und Kaderathleten schon seit längerem wieder trainieren dürfen – solche Athleten gibt es im Muggenhofer Studio einige, aus allen möglichen Sportarten.


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Wann sie auch die Trainingsflächen im Innern öffnen dürfen, wissen weder Karamitros noch Awdijan vom Alex Sportcentrum. Frühestens ab 22. März soll das gemäß der aktuellen Bestimmungen möglich sein – sofern die Stadt/der Landkreis 14 Tage lang die Inzidenz von 50 nicht überschritten hat. Bei Werten zwischen 50 und 100 soll ein Indoor-Training nur mit einem negativen Corona-Test erlaubt sein – doch das scheint für viele Betreiber von Studios noch weit weg, Details müssen erst noch erarbeitet werden.

"Recht auf Fitness"

Die Sorgen sind auch bei den Fitness-Ketten, die viel mehr Mitglieder haben, groß. Von einer "Protestaktion" sprach McFit beispielsweise zuletzt, als es Outdoor-Studios eröffnete. Es gehe um ein "Recht auf Fitness" – aber natürlich auch um die massiven Umsatzeinbrüche. Vor seinem Studio an der Rothenburger Straße hat McFit einige Geräte auf den Parkplatz gestellt, bei FitX, das ein Studio an der Regensburger Straße betreibt, ist das hingegen nicht geplant. "Unser Ziel ist es, Fitness für jeden zu bieten, also unsere Studios deutschlandweit verantwortungsvoll wieder öffnen zu dürfen", sagt Maike Blankenstein, PR-Managerin des Unternehmens auf Anfrage.

Bei FitStar mit seinem Studio nahe des Hauptbahnhofs blicken die Verantwortlichen auch schon auf den 22. März, zumal an diesem Tag in der Erlanger Fußgängerzone ein neues Studio öffnen soll. Ob bis dahin auch vor dem Nürnberger Studio Trainingsflächen eröffnet werden, kann Markus Giegold noch nicht sagen. "Wir prüfen, wie wir die Outdoor-Flächen sinnvoll und nachhaltig aufstocken können", sagt der Geschäftsführer der Kette. Er wolle keine Lösung, die nach dem Ende der Pandemie keiner mehr beansprucht. Das hängt auch damit zusammen, dass seine Zielgruppe regelmäßig nach neuen Geräten lechze.

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