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Wittmann: "DTM ohne Norisring fast unvorstellbar"

Der fränkische Rennfahrer im Interview mit Sebastian Gloser - 27.04.2020 05:55 Uhr

Liebt sein Heimrennen am Norisring: BMW-Pilot Marco Wittmann. © Sportfoto Zink / Heiko Becker


NN: Herr Wittmann, aktuell wird diskutiert, ob Geisterrennen eine Option für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft sind. Wie stehen Sie dazu? Gerade der Norisring lebt ja von der Nähe zwischen Zuschauern und Fahrern.

Marco Wittmann: Natürlich lebt der Norising in erster Linie von den Zuschauern, von den Fans. Und gerade für mich, der dort sein Heimrennen hat, ist es immer etwas ganz Besonderes, so viele Fans und so starken Support beim Heimrennen zu haben. Daher ist es für mich schon extrem schwer vorstellbar, am Norising ein Geisterrennen zu fahren. Aber letztlich muss man schauen, was möglich ist.


+++ Kommentar: Norisring ohne Zuschauer? Nicht mal eine charmante Idee +++


NN: Beim Motorsport-Club Nürnberg spricht man trotz allem von hohen Kosten, um die Strecke aufzubauen.

Wittmann: Wenn uns ein solches Rennen ohne Zuschauer ermöglicht, in die Motorsportsaison zu starten, dann wäre es vielleicht schon die Überlegung wert, dies zu machen. Letzten Endes bin ich Racer durch und durch, mit voller Leidenschaft, und mir blutet gerade das Herz, dass wir momentan keine Rennen fahren können. Daher könnte ich auch mit einem Geisterrennen leben, auch wenn es natürlich sehr schwer wäre, ohne Fans fahren zu müssen. Gerade am Norising.

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NN: Wie groß ist Ihre Angst, dass das Rennen Geschichte sein könnte, wenn es dieses Jahr ausfällt?

Wittmann: Momentan ist alles schwer vorherzusehen. Aber: Ich liebe den Norising, und ich hoffe, dass der Norising auch dann eine Zukunft hat, falls es in diesem Jahr eine Pause gibt und die Rennveranstaltung dort in dieser Saison nicht stattfinden kann. Eine DTM ohne den Norisring wäre für mich fast unvorstellbar, weil dieser Stadtkurs einfach das Highlight im Rennkalender ist. Und zusätzlich eben mein Heimrennen.

NN: Die Veranstalter kämpfen noch dafür, klingen aber nicht allzu optimistisch.

Wittmann: Ich kenne die Leute vom Motorsport Club Nürnberg extrem gut, ich bin sehr eng mit ihnen verbunden, und ich weiß, was für eine Herkulesaufgabe es für sie ist - denn am Ende braucht der Norising die Zuschauer. Aber ich hoffe weiter, dass die Saison 2020 stattfinden und dass es den Norisring weiter als DTM-Highlight geben wird.

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NN: Wie stehen Sie generell Geisterrennen gegenüber?

Wittmann: Sicherlich hätten Geisterrennen nicht diesen Flair und diesen Reiz wie normales Racing mit Zuschauern. Doch wenn wir dadurch in eine Motorsportsaison starten können, denke ich, dass wir das akzeptieren könnten, auch wenn es schwer wäre. Aber die momentane Situation ist für jedermann schwer. Und ich glaube, die Fans würden sich auch freuen, wenn sie Motorsport wenigstens im Fernsehen verfolgen könnten. Ich denke, die Unterstützung wäre am Fernseher genauso groß – und wir könnten den Fans zumindest über die Bildschirme eine Show bieten. Doch insgesamt können wir nur abwarten, wie sich die Situation entwickelt und was sich 2020 ergibt.

NN: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Saison zumindest noch in Teilen stattfindet?

Wittmann: Ich hoffe, dass wir 2020 eine Rennsaison haben werden, auch wenn sie vielleicht spät anfangen würde oder verkürzt wäre. Ein Jahr ohne Motorsport, ein Jahr zu pausieren, das wäre auch für mich extrem schwer. Ich bin ein Mensch, der gern auf Reisen ist, der gern im Kontakt mit dem Team ist, mit den Mechanikern, den Ingenieuren, beim Testen und bei den Rennen. Und genau diese Zeit fehlt mir im Moment, denn dafür ist mein Herz viel zu sehr beim Motorsport. Und deshalb hoffe ich, dass die Saison 2020 irgendwie stattfinden kann. Aber: Letztlich geht die Gesundheit vor, und man muss sehen, in welchem Umfang man das Ganze stattfinden lassen kann.

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