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Wollscheid kritisiert: "Das Fußball-Geschäft ist falsch"

Der Ex-Nürnberger findet harsche Worte - 08.10.2019 11:17 Uhr

Aufarbeitung: Mit dem Fußballspielen hatte Philipp Wollscheid nie ein Problem, mit dem Geschäft schon. © Sportfoto Zink / WoZi


Das Geschäft im allgemeinen ist einfach falsch“, sagte der 30-Jährige der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Legendenspiels zwischen den DFB-Allstars und einer italienischen Oldie-Auswahl in Fürth: "An einem Tag wird man von allen in den Himmel gelobt, am nächsten ist man dann nicht mehr gut genug. Dieses Auf und Ab habe ich nie gut ausgehalten."

Vor zwei Jahren beendete der frühere Innenverteidiger seine Karriere, ohne dies je offiziell bekannt zu geben. Wollscheid spielte für den 1. FC Nürnberg, Bayer Leverkusen, Mainz 05 und den VfL Wolfsburg in der Bundesliga, für Bayer auch in der Champions League, für Stoke City in der Premier League, für den FC Metz und zweimal für die deutsche Nationalmannschaft.

Kein Traum und ein Funktionärsamt 

Wie ein Traum habe sich seine Karriere aber trotzdem "nie wirklich angefühlt", sagte er: "Es sieht von außen so aus, weil man viel Geld verdient und viel Anerkennung bekommt. Aber für mich war es die meiste Zeit über einfach nur ein Job.“ Das Fußballspielen selbst habe er “immer geliebt“, versicherte er. "Das dauerhafte Unterwegssein, Trainingslager und die Entfernung von Partner, Familie und Freunden schon weniger."

Seit dem Karriereende hat Wollscheid erfolgreich ein Sportmanagement-Studium in St. Gallen und auf Schalke absolviert, außerdem kandidiert er für ein Führungsamt beim Saarländischen Fußball-Verband. Später will er Trainer oder Funktionär werden.

"Ich will es anders machen" 

Trotz seiner teilweise bitteren Erfahrungen. "Ich will es anders machen", sagte er zur Begründung. "Ich will - wie einige wenige, die ich hatte - der Trainer sein, der die Spieler aufrichtig und korrekt behandelt." 

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Eine rot-schwarze Rückblende: Eigentlich hatte man Wollscheid für die 2. Mannschaft geholt - damals 2009 aus Saarbrücken. Der großgewachsene Defensivspezialist empfahl sich beim Club jedoch rasch für höhere Aufgaben. “Er ähnelt ein bisschen dem jungen Mertesacker“, lobte ihn mit Dieter Hecking bereits früh ein Mann, der Wollscheids Talent schon damals wertschätzte und ihn im November 2010 in Deutschlands höchster Spielklasse ein erstes Mal aufs Feld schickte. Das Debüt als Einwechselspieler floppte, der Club verlor gegen Kaiserslautern zu Hause 0:3.

Doch Hecking setzte auch in der Folge auf den "Mertesacker aus Morscholz", der bei einem kleinen Verein im kleinen Saarland einst das Fußballspielen begonnen hatte. Und Wollscheid zahlte das Vertrauen seines Trainers zurück. Der Club-Aufsteiger spielte sich in der Abwehrzentrale fest, bildete in der Rückrunde 2010/11 mit Andi Wolf ein starkes Innenverteidiger-Duo. Mit beeindruckender Abgeklärtheit im Zweikampfverhalten machte der 1,94-Meter-Hüne auch in der Folgesaison Eindruck - und abgesehen von wenigen Wacklern spätestens da auch Nürnbergs Bundesliga-Konkurrenz auf sich aufmerksam. In Leverkusen, wohin der Saarländer im Sommer 2012 wechselte, schien es für das von Sportchef Rudi Völler als "Juwel" geadelte Talent ähnlich positiv weiterzugehen. Wollscheid war in Leverkusens Abwehrverbund gesetzt. Erst 2013/14 wurden die Einsätze weniger und die Leistungen des zweimaligen Nationalspielers schwächer. Dass es in der Folgesaison wieder aufwärts gehen sollte, erwies sich als Irrglaube. Als Leihspieler in Mainz scheiterte Wollscheid krachend, was allerdings auch zahlreichen Verletzungen geschuldet war.

Stationen bei Stoke City, in Wolfsburg und in Metz später, war vor zwei Jahren Schluss für Wollscheid, der nun zur Generalkritik am Fußball-Geschäft ansetzt. 

dpa / apö

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