Freitag, 06.12.2019

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Zehn Jahre nach Enke-Tod: Teresa Enkes Weg zurück ins Leben

Vor zehn Jahren nahm sich der ehemalige Nationaltorwart das Leben - 10.11.2019 11:26 Uhr

Kämpft um Aufklärung von Depressionen: Teresa Enke. © Hauke-Christian Dittrich, dpa


Beinahe täglich kommt Teresa Enke an der Straße vorbei, die den Namen ihres Mannes trägt. Die Robert-Enke-Straße in Hannover liegt auf dem Weg zur Schule ihrer Tochter Leila. Sie führt direkt an der HDI-Arena vorbei, dem früheren Niedersachsenstadion.

In dem Stadion wurde Teresa Enkes Mann als Torwart von Hannover 96 von den Fans geachtet, gefeiert und verehrt. Und dort nahmen an einem Herbst-Sonntag vor zehn Jahren fast 40.000 Menschen in einer Trauerfeier Abschied von ihm. Fünf Tage zuvor hatte Robert Enke am 10. November 2009 seinem Leben an einem Bahnübergang in Eilvese im Alter von 32 Jahren ein Ende gesetzt.

Teresa Enke steht auf einem Vorplatz am Stadion, ganz in der Nähe des Maschsees. Vor zwei Jahren ist sie nach Hannover zurückgekehrt, nachdem sie sechs Jahre lang in Köln lebte. "In der ersten Zeit war das schwer, weil die Erinnerungen sehr schmerzhaft waren und ich solche Plätze deshalb auch gemieden habe", erzählt die 43-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und irgendwann prallt einem das nicht mehr so entgegen."

Schockwelle erfasste Deutschland

Wie eine Schockwelle erfasst die Nachricht von Robert Enkes Suizid vor zehn Jahren beinahe eine ganze Nation. Sein Tod erschüttert und verstört die Menschen, ist für viele unfassbar und unwirklich. Noch zwei Tage zuvor hatte er - Deutschlands angehende Nummer eins für die WM 2010 – beim 2:2 von Hannover 96 gegen den Hamburger SV im Tor gestanden.

Seine letzten Worten im TV-Interview erhalten plötzlich eine eigene Deutung: "Es ist okay so. Es ist alles gesagt." Dabei geht es nur um die anstehenden Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste, bei denen er nach Absprache nicht dabei ist.

Die drängende Frage nach dem Warum seines Suizids beantwortet Teresa Enke keine 24 Stunden nach der Tragödie. In einer Pressekonferenz berichtet sie über die Depressionen ihres Mannes, seine Seelenqual, seine Ängste vor Entdeckung, vor Versagen. Sie spricht von seiner Furcht, dass ihnen wegen seiner Krankheit die neun Monate alte Adoptivtochter Leila weggenommen werden könnte. "Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht, immer", sagt sie vor den Kameras - und rührt die Menschen.

Was in den Tagen nach Robert Enkes Tod passiert, ist für die deutsche Sport-Welt einmalig. Das Ausmaß der Trauer erinnert an Tragödien wie die um Lady Di oder den Tod von Popstars. Das DFB-Team erfährt beim Abendessen vom Unglück in seinem Quartier in Bonn.

"Wo ich die Nachricht überbracht habe, war eine ganz komische Energie. Man hat gemerkt, wie keiner mehr wusste, was er machen sollte", erinnert sich DFB-Direktor und Teammanager Oliver Bierhoff im NDR-Film "Robert Enke – auch Helden haben Depressionen". Das Länderspiel gegen Chile wird abgesagt. Bierhoff bricht bei der Pressekonferenz in Tränen aus.

"Fußball ist nicht alles"

An einer Andacht einen Tag nach Enkes Tod nehmen in und vor der Marktkirche in Hannover über 3500 Menschen teil. Anschließend gehen 35.000 Trauernde in einem Marsch durch Hannover. Zur Trauerfeier wenige Tage später kommt Politprominenz wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Die Trauerfeier ist die größte, seit dem Tod des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer 1967. Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hält eine viel beachtete Rede. Seine Mahnung ist deutlich: "Fußball ist nicht alles."

Robert Enke wird zum Helden verklärt. Hartnäckig hält sich bis heute das Bild von dem Mann, der am gnadenlosen System Profi-Fußball zugrunde geht. Gegen diesen Mythos setzt Teresa Enke von Beginn an einen Gegenentwurf.

Es sei nicht der Fußball gewesen, "der ihn kaputt gemacht hat", sagt sie und betont auch heute: "Er war kein unglücklicher Mensch. Er hatte seine Krankheit, seine depressiven Phasen. Und er war vielleicht auch kein extrovertierter Mensch. Aber er war trotzdem ein lustiger Geselle und jemand, mit dem man viel Spaß haben konnte."

dpa

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