Turnier beim TV Eibach

Zwei gegen Zwei: Wie der Faustball spektakulärer werden will

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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27.9.2021, 16:30 Uhr
Kleineres Feld, mehr Spektakel: Wie das neue Format aussieht, konnte man am Wochenende in Eibach bestaunen.

Kleineres Feld, mehr Spektakel: Wie das neue Format aussieht, konnte man am Wochenende in Eibach bestaunen. © Sportfoto Zink / DaMa, Sportfoto Zink / DaMa

Die Revolutionäre haben sich gut versteckt. Selbst auf der großen Anlage des TV Eibach, die idyllisch im Rednitzgrund liegt, zwischen grünen Wiesen und hohen Bäumen, muss man sie kurz suchen. Auf dem Feld, auf dem sie sich sonst immer treffen, darf der Rasen jedenfalls in Ruhe wachsen. Die Musik weist einem schließlich den Weg zu ihnen - alleine das ist ja schon so etwas wie eine kleine Revolution: Musik während der Spiele.

Faustball ist eine dieser Disziplinen, die meist nicht einmal genannt werden, wenn in Deutschland über Randsportarten gesprochen wird. Von der viele Menschen nicht einmal wissen, was da eigentlich so genau passiert auf dem Platz. Es ist aber auch eine dieser Sportarten, die in Nürnberg eine lange Tradition haben. Die Männer des TV Eibach spielten jahrelang in der Bundesliga, regelmäßig kamen mehrere hundert Menschen auf die Anlage am Hopfengartenweg, 1988 gewannen sie sogar den Europapokal der Landesmeister.

In den vergangenen Jahren aber war meist sehr wenig los - auch wenn die Frauen des TV vor ein paar Jahren sogar überraschend Vizemeister wurden. Ein Spektakel aber waren die Spiele der Männer wie der Frauen eher selten, bisweilen kamen handgezählte 17 Zuschauer in die Halle. Als traditionsreiche Sportart schien dem Faustball die Inszenierung als Event immer ein bisschen fremd zu sein, während Sportarten wie American Football viel Spektakel und genau dieses Event versprachen.

Daniel Schieder protestiert dennoch vehement, wenn man ihn fragt, ob Faustball einfach zu langweilig war - und deshalb jetzt ein neues Spielformat ausprobiert. Der 29-Jährige hat an diesem Samstagnachmittag zusammen mit Lukas Schneider schon einige Spiele bei der „Faustball 2x2 Turnierserie“ absolviert, ein paar Minuten nach dem Gespräch ist für die beiden Nürnberger aber im Viertelfinale gegen die späteren Sieger Schluss. „Es ist ein komplett anderes Spiel“, sagt Schieder, vergleichen würde es eher mit den Unterschieden zwischen Volleyball und Beachvolleyball.

Spektakulärer sei das Spiel nun, schneller, athletischer - und damit natürlich auch anstrengender für die Menschen auf dem Platz. Ausgedacht hat sich all das der Internationale Faustball-Verband (IFA), dem seit 2019 mit Jörn Verleger ein gebürtiger Wendelsteiner vorsteht. Er ist natürlich auch nach Eibach gekommen, um dabei zu sein beim zweiten Event der Zwei-gegen-Zwei-Geschichte nach dem Auftakt eine Woche zuvor in Leipzig. „Wir wollten den Faustball einfach um ein Format ergänzen“, sagt Verleger, um eines, „das auch auf unterschiedlichen Bodenbelägen wie der Straße oder einem Basketballfeld gespielt werden kann.“

Klappt der Aufstieg?

Tatsächlich ist Beachvolleyball mit seinem Eventcharakter ein großes Vorbild. Beim deutschen Turnfest, das im Mai in Leipzig hätte stattfinden sollen, wären die Organisatoren gerne mit dem neuen Format in die Innenstadt gezogen, um für sich und ihren Sport zu werben. Dazu kam es coronabedingt nicht, bei den World Games 2022 aber soll es aber richtig losgehen.

Daniel Schieder und seine Eibacher werden dann wohl nicht dabei sein. Für sie ist das neue Format tatsächlich nur eine Ergänzung zum regulären Spielbetrieb, bei dem fünf Menschen auf dem Platz stehen. Kürzlich sind sie Meister der Bayernliga geworden, am kommenden Wochenende kämpfen sie um den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Diesmal soll es, nach mehreren vergeblichen Anläufen, endlich klappen.

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