Saisonstart

Stadttheater Fürth: Das ist der Fahrplan für die Müller-Nachfolge

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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5.10.2021, 14:25 Uhr
Im Kreise der Lieben: Werner Müller beim Theaterfest am 19. September.

Im Kreise der Lieben: Werner Müller beim Theaterfest am 19. September. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Landen schon die ersten Stück-Manuskripte zum Thema Corona auf Ihrem Schreibtisch?

Es gibt ein paar Schnellschüsse, die aber nicht der Rede wert sind. Theater ist nicht tagesaktuell. Es braucht nicht das Thema Corona, sondern Themen, die Corona überhöhen. Bis das allerdings greifbar wird, das dauert.

Noch zwei Wochen, dann startet das Stadttheater mit einer Premiere und einer Uraufführung durch. Spät ist die Kultur in all dem Regel- und Infektionsschutzverordnungswust zum Zuge gekommen. Wie schwer fällt es Ihnen, nicht nachtragend zu sein?

Ich blicke nicht unbedingt im Zorn zurück, aber mit einer gewissen Enttäuschung und Frustration. Und natürlich mit dem Wunsch, dass, sollten solche Maßnahmen wieder notwendig werden, die Kultur nicht wieder an letzter oder vorletzter Stelle kommt. Zwar hat sich der Fürther OB eindeutig zur möglichst frühzeitigen Öffnung der Theater bekannt. Aber im Ergebnis haben wir zu wenig erreicht.

Hinter dem Stadttheater liegt die vielleicht größte Zäsur seit dem Zweiten Weltkrieg. Welche Spuren hinterlässt das in Fürth?

Die Langzeitwirkung kann ich nicht zu 100 Prozent vorausahnen. Es wird jedenfalls noch dauern, bis wir zu einer neuen Normalität gelangen, auch wenn die Einschränkung 3G lautet, nicht 2G. Für die Saison 22/23 müssen wir die Lage neu denken, speziell mit Blick auf die Abo-Systeme sowie auf die Flexibilität der Kartenvergabe und -kontrolle.

Das klingt so, als wollten Sie die Abonnements abschaffen.

Nicht in letzter Konsequenz, aber man wird einiges in aller Ruhe hinterfragen müssen. Zugleich darf man die Treue des Publikums nicht leichtfertig aus der Hand geben. Nur 200 Abonnenten haben sich im Lockdown zur Kündigung entschlossen, das heißt, wir haben immer noch mehr Abonnenten (5500, FN) als viele Theater in Vor-Corona-Zeiten. Auch erbrachte der Verzicht auf Ticket-Rückerstattung einen sechsstelligen Betrag, eine Spende, die konkrete Hilfe geleistet hat.

Ihr Haus ist in Fürth das einzige Theater, das aktuell mit Vollauslastung plant. Glauben Sie, das Vertrauen der Theatergänger ist jetzt schon groß genug?

Ich plane sogar sehr gern mit Vollauslastung. Trotzdem sind wir nicht so naiv zu glauben, das uns von heute auf morgen 700 Leute die Bude einrennen. Aber: Wir können das Angebot machen, und das ist mir sehr wichtig. Wir haben sehr lang gekämpft und abgewartet, dass die Theater wieder normal arbeiten können. Insofern ist das Angebot alternativlos. Was wir jetzt brauchen, ist keine Gewöhnung an die Normalität, sondern eine Entwöhnung von den Restriktionen. Im großen Haus hatten wir zuletzt Kapazitäten für 230 Zuschauer. Wenn wir jetzt nicht das Vollbelegungs-Angebot machen, wann dann?

Das Kulturforum, eine weitere Stadttheater-Spielstätte, die aber unter den Fittichen des Kulturamtes läuft, ist da deutlich vorsichtiger.

Wir werden auch im Kulturforum mit 100 Prozent planen. Die Raumlösung für "Die wilden Schwäne" steht.

Mal überlegt, ob das Stadttheater nicht auch Anreize für die Impfunwilligen geben kann? Ein Glas alkoholfreien Sekt zur Belohnung für einen Piks?

Das ist ein unseriöses, nicht angemessenes Angebot. Ich glaube, wer sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, den wird man auch nicht mit einer Bratwurstsemmel überreden können.

Um beim Thema Umbrüche zu bleiben: Für Sie beginnt gerade die vorletzte vollständige Spielzeit vor Ihrem Ruhestand, im Herbst 2023 soll Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin antreten und das Schiff, nach einer Übergangsphase an Ihrer Seite, ab 24/25 allein steuern. Mit Verlaub, aber ein Zeitfenster von zwei Jahren, das ist in der Theaterbranche verdammt knapp. Und auf den Weg gebracht ist gar nichts.

Noch ist das Zeitfenster nicht zu eng.Der Zeitplan, den noch Kulturreferentin Elisabeth Reichert entwickelt hat, hat nach wie vor Bestand, und ich gehe davon aus, dass der neue Referent (Benedikt Döhla, FN) ihn übernimmt.

Und das heißt?

Es wird in Kürze eine Ausschreibung und im März Gespräche geben. Bis Juli 2022 soll und muss die Nachfolge feststehen.

Ein frommer Wunsch, bedenkt man, dass ja auch eine Findungskommission auf den Plan treten soll.

Das kommt ganz auf die Besetzung der Kommission an.

Der Sie mit Sicherheit angehören werden.

Ja.

Und einen persönlichen Favoriten haben Sie sicherlich auch.

Mehrere, ja.

Nach 30 Jahren unter Intendant Müller ist das ein gewaltiger Umbruch, natürlich nicht nur für das Publikum, sondern auch für Künstlerinnen und Künstler, die hier jahrelang ein- und ausgingen. Beginnt da jetzt auch eine Zeit der letzten Male?

Klar. Erst einmal machen wir unser Geschäft weiter, ich habe keine Lust, die nächsten zwei Jahre auf halber Kraft zu fahren. Und wenn es so weit ist, wird dieser Umbruch natürlich zu spüren sein. Allerdings bin ich der Meinung, dass das Fürther Drei-Säulen-Modell aus Eigen- und Koproduktionen sowie Gastspielen ein Erfolgsmodell war und ist.