Gute Konjunktur, schlechtes Wetter

Stadtwerke besorgt: Strom wird immer teurer

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

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Strom ist teuer. Ab 2021 wird man zumindest in Roth wohl wieder mehr zahlen müssen.

 

Strom ist teuer. Ab 2021 wird man zumindest in Roth wohl wieder mehr zahlen müssen.   © Hans-Joachim Winckler, NN

"Die Preise an der Börse sind extrem hoch," klagt der Rother Stadtwerke-Chef. So hoch, dass man sich dort schon zur Krisensitzung zusammengesetzt hat, denn "die Preissteigerungen gehen weit über unseren Puffer hinaus". Brunner: "Wenn wir heute einkaufen müssten, wäre der Preis sogar ein Vielfaches unseres Puffers." Puffer? "Das ist die Spanne, in der wir noch nicht draufzahlen."

Warum steigen die Preise für Strom derzeit so rasant? Die Stadtwerke-Chefs sehen mehrere Begründungen: Energie – ob Kohle, Gas, Öl oder Strom – ist im Moment generell sehr teuer, sagt Winfried Klinger. Denn die Konjunktur hat nach Corona fest angezogen, also wird viel Energie benötigt. Viel Kohle und Gas gehe nach Asien, "wo höhere Preise bezahlt werden". Und in Europa gebe es weniger gefüllte Speicher.

Dazu kommt das schlechte Wetter des Jahres 2021: "Die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen liegt seit November 2020 rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt", berichtet Brunner. Das heißt, es gibt weniger Strom aus erneuerbarer Energie auf dem Markt. Die CO2-Abgabe trifft den Strom zwar nicht direkt, aber wenn Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird, wird der Preis dafür dann auch höher.

Aktuell keine größeren Probleme

Doch für die Schwabacher Stadtwerke betont Winfried Klinger, "dass wir Strom und Gas längerfristig beschaffen, nicht nur für die nächsten Monate". In Schwabach habe man sich mit großen Mengen eingedeckt, so dass es "aktuell keine größeren Probleme gibt". Gekauft werde der Strom bewusst nicht spekulativ, wie es manche Billiganbieter machen. Zwar sei "noch nicht klar, wie die Umlagen sich entwickeln", was also die Politik in Sachen EEG-Umlage nun plane. Aber derzeit müsse sich niemand Sorgen machen, zumal der Preis für den Strom selbst ja nur ein Viertel der Gesamtkosten beträgt. Die Hälfte muss der Stromanbieter für Abgaben und Steuern bezahlen, das letzte Viertel geht für die Netzentgelte drauf.

Aber auch die Netzentgelte steigen, erklärt Gerhard Brunner aus Roth. Denn wenn das Netz ausgebaut werden muss – zum Beispiel für PV-Anlagen und E-Mobilität, dann muss das auch berechnet werden.

Konkretes kann Brunner noch nicht sagen, weil die Höhe der Umlagen frühestens Mitte Oktober bekanntgemacht werde.

Aber schon jetzt mussten die Stadtwerke einen Teil der "Sonderkunden" kündigen. Sonderkunden sind nicht die Privatkunden im Reihenhäuschen oder der Dreizimmerwohnung, sondern etwa ein Unternehmen oder eine Einrichtung, die ein ordentliches Paket an Kilowattstunden kauft. Für diese speziellen Kunden kaufen die Stadtwerke Roth über die Kooperationsgesellschaft Fränkischer Energieerzeuger diesen Strom an der Börse. Für den Strom, der bisher im Einkauf für ca. 7 Cent pro Kilowattstunde zu haben war – mit Abgaben also etwas weniger kostete als der Privatkundentarif – müsse jetzt plötzlich mehr als das Doppelte bezahlt werden. "Und wir können den Preis nicht mehr einen Tag lang halten, sondern nur noch eine Viertelstunde."

Längst eingekauft

Für die Privatkunden habe man längst eingekauft, in dem Bereich gebe es solche Ausschläge nicht, "weil wir den Anspruch haben, dass wir Preise stabil halten können". Aber zu Beginn des Jahres habe man die Preise gesenkt, um "die niedrigen Beschaffungskosten weiterzugeben": Der Tarif für den "grünen" Strom "Roth natur" liegt bei 28,32 Cent kwH (der Tarif für den normalen, "grauen" Strom beträgt 27,61 Cent kwH) – sehr günstig, betont Brunner, denn die monatliche Grundgebühr kostet nur 7,26 Euro. Für das nächste Jahr bleibe aufgrund der Preissteigerungen wohl nichts anderes als wieder nach oben zu fahren. Aber, so Brunner: "Wenn wir erhöhen, dann halt auf das alte Niveau."

"Wir geben die neuen Strompreise sechs Wochen vor Jahresende bekannt, weil die Umlagen noch nicht bekannt sind", sagt Michael Heubeck von den Wendelsteiner Gemeindewerken. Ob es eine Anpassung gibt, sei noch nicht klar, aber "eher wahrscheinlich". Aber: Man kaufe den Strom ja nicht zum teuersten Zeitpunkt, sondern rollierend ein. Heubeck: "Es wird weniger dramatisch, als es sich jetzt darstellt."

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