Donnerstag, 24.10.2019

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"Die Italienerin verzichtet nicht auf ihre Weiblichkeit"

Die Venezianerin Nicoletta De Rossi vergleicht die Frauenbilder in ihrer alten und neuen Heimat

"Wir sind starke Frauen", sagt Nicoletta de Rossi - und meint die Italienerinnen. In ihrem Land seien es die Frauen, die den Ton in den Familien angeben. © Eduard Weigert


Eines ist klar: Vor Klischees sollte man sich hüten. Pauschalurteile will auch Nicoletta De Rossi nicht fällen. Weder über die Frauen in ihrem ursprünglichen Heimatland Italien, noch in ihrer Wahl-Heimat Nürnberg. Dass die Frauen des einen oder anderen Landes selbstbewusster seien, das könne man so nicht sagen: "Wir sind starke Frauen", sagt sie — und meint die Italienerinnen. In Italien sei es eigentlich immer die Frau, die zu Hause den Ton angibt. In der Öffentlichkeit könne sich das eventuell anders darstellen. "Da kann es sein, dass in einer Runde von Studierten die Männer alle mit ,Dottore‘ begrüßt werden, die Frau aber nur als ,La Signora‘." In der neuen Generation gebe es diese alten Rollenzuschreibungen viel weniger. Auch weil die jüngeren Männer anders sind. "Das Klischee des Latin Lovers gibt es so nicht mehr", sagt sie.

Italienerinnen verzichten nicht auf ihre Weiblichkeit

Das Auftreten der Frauen in Italien, auch der erfolgreichen Geschäfts- oder Karrierefrauen, sei allerdings ein anderes als hierzulande, findet sie. "Die italienische Frau verzichtet, äußerlich betrachtet, nicht auf ihre Weiblichkeit. Sie sagt: ,Ich bin eine Frau und ich will auch wie eine Frau aussehen‘", meint De Rossi. Dahinter steckt auch das grundsätzliche Prinzip, eine "bella figura", eine gute Figur, machen zu wollen. Darum bemühen sich in Italien beide Geschlechter. Eine Italienerin sei deshalb vielleicht etwas sichtbarer als eine Deutsche, meint De Rossi. "Nicht weil sie schöner wäre oder intelligenter. Sondern weil das Auftreten ein anderes ist." Die Frauen in Nürnberg oder generell in Deutschland gingen die Sachen dagegen etwas praktischer, zielgerichteter an. Also lieber ein Schuh mit flachem Absatz, wenn kein hoher vonnöten ist. "Im Alltag ist das vielleicht sogar besser", meint De Rossi und lacht.

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Vor 18 Jahren kam die gebürtige Venezianerin nach Nürnberg. Die Liebe zu ihrem Mann hat sie nach Franken gebracht. Seitdem lebt und arbeitet die heute 53-Jährige in der Noris als Journalistin und Autorin. Regelmäßig ist sie auch für italienische Medien im Einsatz, vor allem in der Metropole Mailand. Vergleiche zwischen den Ländern kann sie deshalb gut ziehen. Auch zum Thema Job und Familie.

Geburtenrate in Italien auf Rekordtief

De Rossi selbst hat keine Kinder, von Freundinnen und Kolleginnen weiß sie aber, dass es in ihrer alten Heimat "sehr, sehr schwer" ist, beides unter einen Hut zu bekommen. Nicht umsonst sei die Geburtenrate im eigentlich als kinderfreundlich bekannten Italien auf ein Rekordtief gesunken. In Deutschland seien die Strukturen besser, findet sie. "Hektisch sind Leute mit Kindern aber in beiden Ländern", sagt sie. Als konventioneller erlebt sie die Frauen in Italien nicht. Die Kultur selbst sei vielleicht noch traditioneller, räumt sie ein. "Trennungen und Scheidungen sind seltener. Alleinerziehende Mütter noch eher die Ausnahme", sagt sie.

Ein bisschen geschockt hat sie nach ihrem Umzug nach Nürnberg ein Aspekt, auf den man nicht gleich kommen würde: die Ladenöffnungszeiten, die damals noch begrenzter waren. "Unfreundlich" für berufstätige Frauen fand sie die. Verändert habe sie sich als Frau durch ihre Zeit hier nicht. "Höchstens in meiner Garderobe", überlegt sie. Gekommen ist sie mit ein paar wenigen Jeans und vielen Kleidern und Röcken. "Hier muss man es umkehrt machen. Auch wegen des Klimas", sagt sie und lacht.

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Anette Röckl

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