Dienstag, 22.10.2019

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Hoch die Hüte: Uniweite Promotionsfeier in Fürth

Die FAU würdigt die Doktorarbeiten von 250 Promovierten im Sportpark Ronhof

Zum Abschluss der Feier darf der obligatorische Wurf der Doktorhüte nicht fehlen. Die Angehörigen in der zweiten Etage der Haupttribüne halten den Moment mit ihren Kameras fest. © Giulia Iannicelli


Als Margarete Prause mit ihrer Dissertation fertig war, gratulierte der Doktorvater und empfahl ihr, doch zur Feier des Tages ins Kino zu gehen. "Das habe ich dann auch gemacht", erzählt sie. 1958 war das. Ihre Promotionsurkunde hat Prause gut aufgehoben – um sie jetzt noch einmal zu feiern – 60 Jahre später.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Vor 60 Jahren hat Margarete Prause ihre Doktorarbeit abgeschlossen. Tochter Christine Schamberger-Beck ist mit in den Ronhof gekommen. © Giulia Iannicelli


Anlässlich ihres 275-jährigen Jubiläums hat die Friedrich-Alexander-Universität erstmals zu einer großen Promotionsfeier für alle Fakultäten eingeladen. Doch nicht nur wer frisch promoviert hat, bekommt auf der Bühne im Sportpark Ronhof eine Urkunde überreicht, sondern auch, wer seine Dissertation vor 15, 25 oder gar 50 Jahren abgeschlossen hat. "Diese Feier lag mir sehr am Herzen", sagt Uni-Präsident Joachim Hornegger. "Auch wenn das in den Fakultäten durchaus kritisch diskutiert worden ist." Sonst organisiert jede die Feierlichkeiten für sich.

Als Prause in der Nürnberger Zeitung den Aufruf gelesen hat, dass die Uni Jubiläumsdoktoranden sucht, rief sie gleich in der Redaktion an. Ob sie denn auch kommen könne, obwohl sie nicht vor 50, sondern schon vor 60 Jahren promoviert habe?", wollte sie wissen. Die Redaktion stellte den Kontakt zu den Organisatoren her und die sagten selbstverständlich "Ja!".

Auf der Haupttribüne im Stadion sitzen 120 neue Doktor-Titelträger und 120 Jubilare. Alle haben eine blaue Schärpe mit FAU-Logo um den Hals und schwarze Doktorhüte auf den Köpfen. Beim aktuellen Jahrgang baumeln daran blaue Kordeln. Zum 15. Jubiläum gibt es bronzefarbene, zum 25. Silber und zum 50. Gold. Stolz trägt auch Margarete Prause Hut und Schärpe. "Ich finde das einen schönen Gag", sagt die 88-Jährige. "Das ist für mich ein unvergesslicher Tag."

Prause wurde 1930 in Nürnberg geboren. Sie hat die Zeltnerschule besucht und 1949 in Hersbruck Abitur gemacht. "Die Frau Beckstein war unsere Englischlehrerin damals, die Mutter vom späteren Ministerpräsidenten", erinnert sie sich. Ihr Vater, von Beruf Techniker, wollte gern, dass seine Tochter studiert. Beim Sonntagsspaziergang erklärte er ihr immer die Namen aller Pflanzen. Sie entschied sich für Pharmazie.

Vor 70 Jahren musste Prause dafür vor Studienbeginn erst ein zweijähriges Praktikum absolvieren. Ein Jahr lang untersuchte sie Blut, Urin und Stuhlproben im Nordklinikum. "Einmal habe ich Stierhoden zerschnitten und gepresst, um daraus Frischhormonsalbe zu machen", erzählt sie begeistert. Ein weiteres Jahr verbrachte sie in der Hirsch-Apotheke am Friedrich-Ebert-Platz. "Denen hatte ich schon zugesagt, dass ich nach dem Studium wieder komme", sagt Prause. "Aber es hat mir so gut an der Uni gefallen und ich wollte unbedingt promovieren, deshalb habe ich ihnen dann wieder abgesagt."

Ärztin Ilka Haiberger genießt die Stimmung. "Wer weiß, wann wir wieder so geehrt werden." © Giulia Iannicelli


So geht es vielen Doktoranden, die sich nach ihrem Uniabschluss entscheiden zu bleiben. Ilka Haiberger hat 2007 ihr Examen in der Medizin gemacht. Ihr Doktorhut hat bei der Feier eine blaue Kordel. "Ich hab mir etwas Zeit gelassen", sagt die 36-Jährige, die inzwischen als Assistenzärztin in der Inneren Medizin in Regensburg arbeitet. Sie freut sich über das große Fest: "Wer weiß, wann wir mal wieder in einem solchen Rahmen geehrt werden?", sagt Haiberger. "Womöglich erst wieder zum Nobelpreis!?"

Den Uniabschluss aufwändig zu zelebrieren, auch mit Symbolen wie Doktorhut und Schärpe, findet sie gut. "Das ist ja nicht nur ein amerikanischer Trend, bis vor 60 Jahren war das auch in Deutschland noch üblich", sagt Haiberger. "Wer keine Lust hat, muss ja nicht mitmachen." Tatsächlich ist von den knapp Tausend Doktoranden, die an der FAU jedes Jahr ihre Promotion abschließen, nur jeder Zehnte gekommen. 

Margarete Prause erinnert sich noch gut daran, dass sie ihre Doktorarbeit auf ihrer Schreibmaschine vor allem in der Küche geschrieben hat. Dort stand der einzige Ofen in der Wohnung. 30 Mark im Monat hat sie damals für ein Zimmer in Erlangen gezahlt. "Ich habe am Botanischen Institut Alpenveilchenknollen untersucht und ihr Gewebe auf verschiedenen Nährböden gezüchtet", erzählt Prause.

Eine einmalige Angelegenheit?

Nach der Promotion hat sie begonnen in der Richard-Wagner-Apotheke am Nordostbahnhof zu arbeiten, die sie später übernommen und geleitet hat. "Im Gegensatz zu heute haben wir noch selbst Pillen hergestellt und Zäpfchen gegossen", erzählt die Apothekerin. "Ich stand jeden Tag vorne bei den Kunden." Ihre Tochter, 1973 geboren, hat ebenfalls Pharmazie studiert, und die Apotheke 2001 übernommen. Sie sitzt jetzt jedoch vor allem im Büro und kümmert sich um die Verwaltung. „Der Beruf hat sich in 60 Jahren stark verändert“, sagt Prause.

Ob die Uni auch nach ihrem Jubiläumsjahr an der zentralen Promotionsfeier festhält, steht noch nicht fest. Es ist auch eine Kostenfrage: Rund 150.000 Euro hat das Fest gekostet. Hut und Schärpe darf jeder zur Erinnerung behalten. Außerdem bekommen die Gäste zum Abschied noch Geschenke: unter anderem Blumensamen vom Vergissmeinnicht.

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Eine Feier für den ersehnten Doktortitel

In ihrem Jubiläumsjahr ehrt die Uni Erlangen-Nürnberg ihre fertigen Doktoranden zum ersten Mal bei einer gemeinsamen Promotionsfeier aller Fakultäten. Auch, wer vor 15, 25, 50 oder sogar 60 Jahren seine Dissertation abgeschlossen hat, war herzlich eingeladen.


Christina Merkel Hochschule & Wissenschaft E-Mail

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