Sonntag, 16.05.2021

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On air: So geht's den Nürnberger Radiosendern

Gewinner, Verluste, Corona-Sorgen und neue Teams in den Studios - 05.04.2021 17:47 Uhr

Die Gesichter hinter den Stimmen: Die Nürnberger Radiosender und ihre ModeratorInnen - hier geht's zur Übersicht.

09.03.2021 © Foto: Roland Fengler/Montage: Tina Huber


Diese Zahlen sind angesichts der nach wie vor boomenden Streaming-Dienste erstaunlich: In Deutschland sind laut Schätzungen noch über 120 Millionen Radiogeräte im Umlauf. "On air" sind zwischen Flensburg und Berchtesgaden laut statista.de insgesamt 449 Sender, davon 274 private, 74 öffentlich-rechtliche und 101 sonstige.

Stefan Grundler vom Funkhaus Nürnberg.

22.09.2019 © Stefan Hippel


Im Süden der Republik ist die Radionutzung seit jeher überdurchschnittlich hoch: Drei von vier Bayern hören täglich Radio. Doch die Hörgewohnheiten, die über Jahrzehnte unverrückbar schienen, haben sich auch hierzulande geändert. Das liegt zum einen an Streaming-Anbietern wie Spotify, Deezer oder Amazon Music, zum anderen auch an: Corona.

"Vormittags hören die Menschen jetzt viel mehr Radio als früher" sagt Stefan Grundler, Pressesprecher vom Funkhaus Nürnberg. In der Ulmenstraße 52 in der Südstadt sind vier Sender stationiert: Radio F, charivari, Hitradio N1 und Radio Gong, dazu kommen die drei Webradios "Pirate Gong", "Beat" und "MeinLieblingsradio".

"Früher hatten wir immer um 7 Uhr morgens die meisten Hörer", erklärt Grundler. "Im ersten Lockdown hat es sich zeitlich schon nach hinten verschoben, im zweiten hat sich das noch verstärkt."

Klar: Viele Menschen, die sonst vor acht Uhr morgens das Haus verlassen haben, arbeiten seit Pandemiebeginn vermehrt im Home-Office und lassen das Radio nebenbei laufen. "Der Vormittag ist der Gewinner", bestätigt Grundler. Er schätzt das Plus in der ersten Tageshälfte auf ein gutes Viertel mehr Hörer, die genauen Zahlen werden derzeit im Rahmen der Funkanalyse erhoben.

Ebenso klar erkennbar für die Nürnberger Sender: Ob über das Sound System in Küche und Wohnzimmer oder den Laptop im Home Office - seit Corona hören deutlich mehr Menschen digital übers Netz zu. Offensichtlich legen die Menschen in Pandemiezeiten doch etwas mehr Wert auf lokale und regionale Informationen - Informationen, die sie bei internationalen Streaming-Diensten nicht bekommen.

Der Blick vom Funkhaus in aller Früh: Wenn Nürnberg noch schläft, läuft die Arbeit in den Studios in der Ulmenstraße schon auf Hochtouren.

22.09.2019 © Stefan Hippel


Weniger Einnahmen durch Corona

Alles gut also beim Lokalradio? Mitnichten. Mit der Pandemie sind den werbefinanzierten Privatsendern auch an etlichen Stellen die Einnahmen weggebrochen. So sind die Ausgaben für traditionelle Radiowerbung in Deutschland 2020 um 101 Millionen Euro (-12 Prozent) geschrumpft. Und was ebenfalls schmerzt: Es gibt keine Veranstaltungen mehr, auf denen sich die Sender präsentieren können.

"Dass wir mit den Hörern nicht mehr feiern können, macht uns alle traurig", sagt Grundler. Früher versammelten sich bei der N1-Sommersause über 10.000 Menschen am Flughafengelände, momentan droht das zweite Jahr ohne größere Höreraktionen.

Höreraktionen auf Minimum reduziert

Ähnlich ist die Lage bei Star FM. Der Sender, der für den "Maximum Rock" in der Noris steht, ist auf der Nordseite des City-Park-Centers zwischen Opernhaus und Plärrer daheim. Normalerweise präsentiert das Team Live-Konzerte und jeden Monat die "Rock Night" im Hirsch, doch Corona hat allen analogen Aktionen einen Riegel vorgeschoben.

Große Höreraktionen und Feiern wie die Sommersause von N1 am Nürnberger Airport sind coronabedingt nicht möglich.

14.07.2019 © Thomas Hahn / werk :b events


"Die Events fehlen uns natürlich sehr", sagt Sabine Schirmbrand, Prokuristin bei Star FM in der Sandstraße. "Wir hoffen darauf, dass wenigstens in den Biergärten bald wieder etwas möglich ist." So wie vergangenen Sommer, als zumindest für einige Wochen die "Minimum Rock Night" im Hirsch-Biergarten erlaubt war. Bis es wieder soweit ist, setzt der Sender auf virtuelle Treffen mit den Hörern, wie etwa das gemeinsame Angrillen 2021 per Videokonferenz, passenderweise unter dem Motto "Grilling in the name..."

Ob Hitradio oder Maximum Rock: Die Interaktion hat sich zwangsweise ins Netz verlagert, die Sender haben ihre Aktivitäten auf Social Media verstärkt - und die Hörer haben im Lockdown auch mehr Zeit dafür.


Tolle Höreraktion trotz Corona von Radio Z:


Moderatoren sind Schlüsselfiguren

Corona hin oder her: Im Funkhaus Nürnberg glühen ab 5 Uhr früh die Kaffeemaschinen. Nach wie vor ist der Start in den Tag die entscheidende Sendezeit für die Radiomacher, die mit Abstand wichtigste Sendung ist für alle Sender in der Noris die Morgenshow. Hier in der "Prime Time" sind die meisten Hörer zu erreichen, hier wollen die Sender ihr Profil klar zum Ausdruck bringen - und dafür sind die Moderatoren der Show die Schlüsselfiguren.

In ihrer drei- bis vierstündigen Sendung müssen sie den Nerv der Hörer treffen, die gerade erst aus dem Bett gestiegen sind. Gut gelaunt müssen sie sowieso immer rüberkommen, ohne aber dem noch müden und möglicherweise morgenmuffeligen Hörer gleich auf den Nerv zu gehen. Möglichst individuell und unverwechselbar soll es natürlich auch sein, das Moderatorenduo, andererseits muss es das Programm seines Senders so gut es geht widerspiegeln.

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Damit das so ist, haben die meisten Moderatoren ein kleines Team im Rücken. Vorbereitung, Themenplanung, Nachrichten, Wetter, Verkehr, Musikauswahl, gescriptete Späßchen, kleine Geschichten und Gewinnspiele, tagesaktuelle Themen in die Sendung einbinden - das so genannte Infotainment - und die Nachbesprechung, alles natürlich seit 2020 unter Einhaltung der Corona-Regeln: Die Moderatoren arbeiten "off air" meist noch einmal genauso lang wie man sie hören kann. "Nach der Sendung ist vor der Sendung", sagt Grundler.

Die meisten Radiohörer in der Region haben ein bis zwei Stammsender, die Stimmen der Moderatoren sind ihnen gut vertraut, die Gesichter hinter der Stimme dagegen weniger. Für den Durchblick: Wer kürzlich von Gong zu Star FM gewechselt ist, wer mit der Zunge oder lieber am Dutzendteich rollt und wer im Dunkeln durch den Schnee hoppst: Wir stellen die Moderatorinnen und Moderatoren der Morgenshows hier kurz vor.

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