Dienstag, 20.04.2021

|

Startups aus der Region: Auf der Suche nach innovativen Ideen in Franken

Welche Hürden gibt es? Welche Eigenschaften sollte man als Gründer mitbringen? - 23.12.2020 19:48 Uhr

Das Flexudy-Team bei einer Besprechung im Kraftwerk in Bamberg.

05.01.2021


Mit Flexudy, EmQopter und Matchmanao, haben wir drei erfolgsversprechende Startups gefunden, die wir in verschiedenen Beiträgen vorstellen. Doch zuallererst: Was genau ist überhaupt ein Startup? Und war nicht jedes Unternehmen mal ein Startup? Eric Ries, Autor des in der Gründerszene sehr beliebten Ratgebers "The Lean Startup" sieht dazu folgende Definition vor: "Ein Startup ist eine menschliche Institution, die dafür geschaffen wurde, ein neues Produkt oder eine Dienstleistung unter Bedingungen größter Unsicherheit zu kreieren."

Also auf gut deutsch gesagt, wenn Sie bei sich um die Ecke einen Friseurladen eröffnen, dann ist das kein Startup. Ein Startup steht und fällt mit seiner Idee. Welche Probleme kann ein neues Produkt lösen? Braucht die Welt das Produkt überhaupt? "Daran scheitern schon viele Startups", verrät Yvonne Stolpmann von der Industrie und Handelskammer in Nürnberg im Gründerpodcast mit Simon Ax. Stolpmann ist dort Leiterin für das Referat Gründung und Finanzierung. Sie berät regelmäßig Gründer und weiß worauf es bei einer Gründung ankommt. Neben der innovativen Idee spielt die Finanzierung eine sehr wichtige Rolle. Denn ohne Geld lässt sich auch jede noch so vielversprechende Idee nur schlecht umsetzen.

Dabei gilt es Einiges zu beachten. Holt man sich einen externen Investor mit ins Boot verliert man an Selbstbestimmung. Dafür steht einem dieser mit Rat und Tat sowie dem nötigen Kleingeld zur Seite. Ansonsten gibt es natürlich die Option einen klassischen Bankkredit oder Förderkredit zum Beispiel von der KfW aufzunehmen. Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich Gründerstipendien wie zum Beispiel das Exist- Programm des Bundeswirtschaftsministeriums. Da die Mittel nicht zurückgezahlt werden müssen, ist der Andrang hier groß. Wer es nicht in ein solches Förderprogramm schafft, dem bleiben noch Crowdfunding oder Crowdinvesting als Optionen. Beim Crowdfunding stellt man seine Idee auf einer Online-Plattform vor. Interessierte können sich finanziell an dem eigenen Projekt beteiligen. Erhalten sie dafür eine finanzielle Gegenleistung spricht man vom Crowdinvesting. Bekannte Plattformen für diese Art der Finanzierung sind "Kickstarter" und "Startnext".

Durch die Digitalisierung spielt auch die Künstliche Intelligenz, die sogenannte KI eine immer größere Rolle. So auch bei den drei Startups Flexudy, Emqopter und Matchmanao. Mehr dazu im KI-Talk mit Cora Schäfer. Und aufgepasst: Am Ende wird ihr Gründervokabular in unserem Startup-Quiz auf Herz und Nieren geprüft. In unseren Info-Boxen finden sie nützliche Informationen rund um das Thema Gründung. Viel Spaß!

Teste dein Wissen über StartUps!


Gründerpodcast mit Yvonne Stolpmann

Was muss man bei einer Unternehmensgründung beachten? Welche Förderprogramme gibt es überhaupt? Wichtige Fragen, die Yvonne Stolpmann von der IHK Nürnberg im Gründer Podcast mit Simon Ax von der Hochschule Ansbach beantwortet. Stolpmann ist Leiterin des Referats Gründung und Finanzierung und berät regelmäßig Gründer. Im Podcast verrät sie außerdem, warum die Corona Pandemie sogar positive Auswirkungen auf die Gründungszahlen hat.


Frag einen Gründer

Wie feiern Gründer einen Meilenstein? Welche Hürden müssen Sie bezwingen? Wir haben Gründern von Flexudy, Matchmanao und EmQopter fünf Fragen gestellt.


Flexudy – Lernen leicht gemacht

Schüler und Studenten vereinfachen heutzutage ihr Lernen mit Smartphone-Applikationen für Konzentration, To-Do-Lists, vorgefertigten Karteikarten und Organizern für Zusammenfassungen. Bisher mussten jedoch zuerst die Karteikarten beschriftet und die Zusammenfassungen mühselig geschrieben werden, um mit dem Handy darauf zugreifen zu können. Mit „Flexudy“ kann dieser Zeitaufwand gespart werden. Dabei handelt es sich um eine Lernapp, die mithilfe von Algorithmen automatisch sprachlich sinnvolle Textzusammenfassungen, Abfragekarten und Quizfragen generiert.

Automatisierte Lerninhalte

Die Entwicklung von „Flexudy“ begann für die fünf angehenden Gründer mit der Überlegung, Lernen effektiver zu gestalten. Studenten müssen sich ständig in neue Lerninhalte einarbeiten. „Wir haben uns gedacht das müsste doch automatisiert auch funktionieren“, erzählt Wirtschaftsinformatiker und CEO Quirin Malcherzyk. Er und seine Teammitglieder Pascal Pierre, Benjamin Albrecht, Deli Sarsar und Steffen Süß fanden sich an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen zusammen. Bei einem Seminar über künstliche Intelligenz (KI) und „Natural Language Processing“ (NLP) lernten sie eine Technologie kennen, die Textinhalt und Satzzusammenhänge erkennen kann. So entstand die Idee zu einer App, die automatisch Lerninhalte erstellt. Das Team hat ein KI-Modell entwickelt, das die Verwendung von „Flexudy“ völlig unabhängig von Sprache ermöglicht: „Da Computer ein bisschen schneller als Menschen sind, kann man Texte aus ganz unterschiedliche Sprachen einspielen, um dann einem Modell oder einer KI verschiedene Sprachen beizubringen“, erklärt Pascal Pierre, Ingenieur für maschinelles Lernen. Das System muss laufend trainiert werden. Um es zu verbessern und Fehler zu verringern, ist regelmäßiges Feedback für die Entwickler wichtig. Das Team bezeichnet „Flexudy“ als „Study Buddy“: „Ein Freund, der einem hilft, der schonmal durch die Unterlagen durchgegangen ist und dir sagen kann was wichtig ist und worauf du dich fokussieren sollst“, sagt Quirin Malcherzyk.

Die drei Funktionen der App nennen sich „Quick Reviser“, „Scribe Master“ und „Summarizer“. Der User hat die Möglichkeit eine Text-Datei oder eine Website mit der gewünschten Funktion zu öffnen, die KI liest den Text ein und erstellt innerhalb weniger Sekunden Lerninhalte. Bei der Funktion des „Quick Reviser“ werden Karteikarten angefertigt, die Satzlücken offenlassen, um prägnante Infos aus dem Text abzufragen. Mit Betätigung des Buttons „Lösung“ wird die Lücke im Text gefüllt. Ähnlich funktioniert der „Scribe Master“, bei diesem kann der User die Lösungen für die Lücken selber eintippen und wird am Ende der Fragerunde vom „Study Buddy“ bewertet. Durch die Wissensabfrage und -wiedergabe entsteht ein effektiver Lerneffekt. Das letzte Feature ist der „Summarizer“. Er fasst den Text sekundenschnell, verständlich und kompakt zusammen. „Flexudy“ ermöglicht somit eine spielerische und mobile Prüfungsvorbereitung ohne Zeitverlust.

Die Bildung auf der Welt gerechter und effektiver gestalten

Die fünf App-Entwickler haben große Pläne mit ihrem „Study Buddy“. „Wir erhoffen uns natürlich, dass wir auch in Institutionen hineinkommen und Schulen ermöglichen mit unserer Technologie zu arbeiten“, führt Quirin Malcherzyk aus. In Kooperation mit „wende.Interaktiv GmbH“, einem Unternehmen für Flachbildschirme mit Touchscreen, möchten sie in sämtlichen Schulen zum Einsatz kommen. Die App wird dabei auf dem Bildschirm abgespielt und die Schüler können mit den Lerninhalten interagieren. „Flexudy“ sei dabei nicht nur für Schüler eine Unterstützung, erklärt Systemadministrator Deli Sarsar: „Auf lange Sicht, wollen wir Bildung mithilfe von künstlicher Intelligenz neu definieren. Jeder kann Flexudy nutzen.“ Als Ziel streben die jungen Unternehmer an, in Zukunft die Bildung auf der ganzen Welt gerechter zu machen. Die App ist kostenfrei und sprachunabhängig. Somit kann sie von Menschen auf der ganzen Welt verwendet werden. Das Team arbeitet hauptsächlich von zu Hause aus. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Einer der Gründer, Deli Sarsar lebt in Toronto, sodass er zu gelegentlichen Treffen in den Büroräumen im Kraftwerk in Bamberg über Videodienste zugeschaltet ist. Zur offiziellen Gründung wird er aber nach Deutschland fliegen. Finanziell werden sie, wegen ihrem innovativen KI-Modell, von einem Förderprogramm des internationalen IT- und Beratungsunternehmens IBM unterstützt. „Flexudy“ steht noch am Anfang, doch mit ihrer bevorstehenden Gründung legen die Jungunternehmer einen wichtigen Meilenstein für den Eintritt in die Geschäftswelt.


Matchmanao – Next Level Teambuilding

Das junge Unternehmen „Matchmanao“ matched statt Pärchen Arbeits-Teams zusammen. Anhand von Persönlichkeitsanalysen erhalten die Teammitglieder Einblicke in ihr Inneres. Wir als Drehteam haben uns selbst analysieren lassen.


Würzburger Startup hebt ab – EmQopter

Ist der Himmel in der Zukunft schwarz vor Drohnen? Das Unternehmen „Emqopter“ wurde 2016 gegründet und entwickelt verschiedene autonome Flugsysteme, unter anderem für Kanalinspektionen und Medizingütertransporte durch die Luft. Der kaufmännische Geschäftsführer des Unternehmens, Marvin Bihl, stellt drei der Modelle vor.


KI-Talk

Bei unseren Vorstellungen der Startups wurden die technischen Aspekte nur angeschnitten. Daher haben wir einen Podcast mit drei unserer Protagonisten aufgenommen. Urs Merkel (Matchmanao), Pascal Pierre (Flexudy) und Marvin Bihl (EmQopter) erzählen Details zu den jeweiligen KIs. Auch kommt die Frage auf, wie man künstliche Intelligenz definieren kann.


Anlaufstelle IHK

Die Industrie und Handelskammern fördern die gewerbliche Wirtschaft vor Ort und stehen mit einem breit gefächerten Beratungsangebot Gründern zur Seite. Zusammen mit der LfA Förderbank Bayern werden Sprechtage zum Thema Finanzierung angeboten. Auch für die Vorbereitung auf ein Bankgespräch bietet die IHK Hilfestellungen an. Ist der Businessplan realistisch? Passt der Finanzierungsplan? Für diese und viele weitere Fragen stellt die IHK Experten zur Verfügung. In jedem Fall ist die IHK eine wertvolle erste Anlaufstelle für Gründer. Darüber hinaus wissen die Experten der IHK alles über Gründerstipendien und Förderprogramme und was davon für den angehenden Gründer in Frage kommt. Um herauszufinden, welche IHK für Sie zuständig ist, besuchen Sie die offizielle Website der IHK (www.ihk.de). Seit 1996 verleiht die IHK Nürnberg für Mittelfranken einmal im Jahr den IHK-Gründerpreis. Die drei Preisträger werden mit jeweils 10.000€ gefördert. Der diesjährige Gründerwettbewerb wurde aufgrund der Corona Pandemie auf 2021 verschoben.


Tipps für Gründer

Finanzierungsmöglichkeiten:

1. Externer Investor
2. Banken und Förderkredite
3. Family/Friends
4. Eigenkapital
5. Crowdfunding/Crowdinvesting
6. Gründerstipendium

Tippliste fürs Pitchen

1. Vor wem pitche ich? Investoren, Kooperationspartner oder Kunden? Pitch Anpassen!
2. Kriterien für Bewertung von Pitch vorher erfragen.
3. Klares Ziel beim Pitchen verfolgen.
4. Verschiedene Längen parat haben. Mini-Pitch parat haben. Idee in einer Minute präsentieren können.
5. Auf Art der Präsentation achten. Gestik, Mimik etc. Begeisterung rüberbringen. Von anderen absetzen. Anfang und Ende sind besonsers wichtig. Storyline!
6. Von anderen lernen.

5 Faktoren für ein erfolgreiches Startup

1. Marktpotential richtig einschätzen
2. Für ausreichende Finanzierung sorgen
3. Preisgestaltung richtig ansetzen
4. Auf Konkurrenz achten
5. Teambuilding


Anlaufstellen für Gründer

Allgemein:

Industrie und Handelskammer
Existenzgründungsportal des BMWi
Bayerisches Startup-Netzwerk BayStartUp
Gründerzentrum Nürnberg

Finanzierung:

Invest Förderprogramm des BMWi
Exist Gründerstipendium des BMWi
Business Angel Netzwerk Deutschland
Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
KfW Bankengruppe
Europäische Investitionsbank
Landesförderbank Bayern
Kickstarter (Crowdfundingplattform)
Startnext (Crowdfundingplattform)

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Stories