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Teichwirte zittern vor dem räuberischen Kormoran

Schäden an den Karpfenweihern nehmen immer mehr zu — Lärm hilft — Europaweites Management gefordert - 26.02.2016 16:00 Uhr

Kormorane verschlingen nicht nur große Mengen Fisch, sie verletzen bei der Jagd auch viele Tiere, die dann verenden. © Foto: dpa/Kay Nietfeld


Claus Vogels Familie betreibt seit rund 300 Jahren Teichwirtschaft in der Umgebung von Kreben. Doch die Freude daran vergeht ihnen allmählich. Verantwortlich dafür sind Schwärme von Kormoranen, die die Karpfenteiche regelrecht heimsuchen.

„Momentan haben wir hier zwei Kormoranpaare“, erzählt Vogel. In dieser Anzahl seien die Fressfeinde seiner Fische überhaupt kein Problem. Doch das könne sich schnell ändern. „Die arbeiten mit System“, berichtet der 51-Jährige nicht ohne Bewunderung, „und die vier könnten auch Späher für andere sein.“ Vom Fränkischen Seenland oder vom Nürnberger Tiergarten seien es gerade einmal eine halbe Stunde Flugzeit. Und wenn dann 40 oder mehr Kormorane sich satt fressen wollen, „bricht Chaos aus“.

Oft nur verletzt

Denn derzeit befinden sich Vogels Karpfen — Aufzuchtfische, die ab April von anderen Teichwirten für den Verzehr gemästet werden — in der Winterruhe. Stoffwechsel und Bewegung sind auf das Notwendigste heruntergefahren. Kommen schließlich die Kormorane in Massen, hätten diese leichtes Spiel. Dabei wird die überwiegende Zahl der Karpfen gar nicht getötet, sondern nur verletzt. Die Vögel picken mit ihren Schnäbeln ins Fleisch, ohne den ganzen Karpfen zu packen.

Die Folge: Viele der noch jungen Fische werden für die Mast unbrauchbar, weil die Verwundungen zu schlecht verheilten Löchern und Narben im Fleisch führen. „Im vergangenen Jahr waren zehn Prozent unverkäuflich“, sagt Claus Vogel. In diesem Winter sei er mit seinen 25 Teichen, von denen 15 verpachtet sind, noch glimpflich davongekommen. Aber der Winter ist noch nicht vorbei. Zehn Tage mit massivem Kormoranbefall reichten aus, um den Ertrag deutlich zu reduzieren, so der Teichwirt. Um dies zu verhüten, halten seine Kollegen täglich an ihren Gewässern Ausschau nach Kormoranen, um sie gegebenenfalls mit Lärm zu vertreiben. Abschussgenehmigungen sind dagegen selten und werden von Naturschützern höchst kritisch gesehen.

Verbände wie die Bayerischen Berufsfischer, die Teichgenossenschaft oder der Fischereiverband fordern daher, die gesetzlich geregelten Verfügungen zur Bejagung und Vergrämung der Kormorane unbegrenzt fortzuführen. „Nur so ist es möglich, die Schäden in Grenzen zu halten und die Existenz der Teichwirte zu sichern“, erklärt Fritz Loscher-Frühwald, der Ehrenpräsident des Fischereiverbandes Mittelfranken.

Zwei Millionen Exemplare

Die Stelle des Kormoran-Managers beim Institut für Fischerei in Höchstadt/Aisch müsse außerdem dauerhaft gesichert werden. Darüber hinaus werde dringend ein EU-weites Kormoran-Management benötigt: Waren es 1970 noch 220 000 Exemplare in der EU, so stieg ihre Population seither auf über zwei Millionen Tiere an. Trotz eines Beschlusses des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2009, der ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene ermöglichen soll, weigerte sich die EU-Kommission bisher, diesen Beschluss umzusetzen.

Unterstützt wird Loscher-Frühwald bei seinem Anliegen von Hans Herold (CSU), Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Fürth Land/Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. „Fischteiche sind wichtige Lebensräume, die unsere fränkische Heimat in besonderer Weise prägen; sie gehören zu den charakteristischen Elementen unserer Kulturlandschaft und erfüllen zahlreiche wichtige Funktionen in der Natur“, so Herold, der sich zudem für eine Besserstellung der Teichwirte im Rangau und an der Aisch in bestehenden EU-Förderprogrammen ausspricht. 

Armin Leberzammer

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