Samstag, 07.12.2019

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Otti und die Schiffbrüchigen (oper)retten die Welt

Schauspieler, Kabarettist und Ultra-Schnell-Sprecher Ottfried Fischer tritt mit kuriosem Programm in Roth auf - 28.11.2016 14:47 Uhr

Als Pfarrer Braun kam Ottfried Fischer auch zum „kriminalisieren“ nach Franken.


Mit der Fernsehserie „Der Bulle von Tölz“ ist Ottfried Fischer als beleibter Hauptkommissar zum Publikumsliebling avanciert, noch bevor der Tatort-Hype begann. In seinen Sendungen „Ottis Schlachthof“ bot der Schauspieler und Kabarettist Nachwuchs-Kabarettisten ein veritables Sprungbrett. In seiner Paraderolle als Pfarrer Braun trickste er den Film-Bischof aus, um auch im Fränkischen zu „kriminalisieren“. Jetzt schleicht er wieder durch die Region, doch diesmal, um die Welt zu retten. Fischer (63), von der Parkinson-Krankheit inzwischen gezeichnet, tritt am 4. Dezember mit einer wahrlich wilden Story in der Kulturfabrik in Roth auf. Am Telefon gab der Ultra-Schnell-Sprecher der „Wohin“Redaktion ein Interview.

Herr Fischer, in Ihrer „Wandogo-Filosofi“, die Sie mit Ihrer Band „Die Heimatlosen“ auf die Bühne bringen, geht es um Schiffbrüchige des Luxus-Liners Aida, die auf einer Insel mit Operettenmelodien gequält werden. Klingt nach Schwarzem Humor?

Ottfried Fischer: Das Leben ist geheimnisvoller geworden, das ist die „Filosofi“. Kein Mensch weiß doch, wann der Weltuntergang auf ihn zukommt. Die „Roaring Twenties“ aber kommen wieder, das vergangene Jahrhundert zieht nochmal an uns vorbei. Die Geschichte wiederholt sich, der Krieg kehrt zurück . . .

. . .Stopp! Sie reden ohne Punkt und Komma, da muss ich gleich nachfragen: Die „Goldenen Zwanziger“ Jahre waren die Blütezeit von Kunst und Kultur, danach brach die Weltwirtschaft zusammen. Fürchten Sie das erneut?

Ottfried Fischer (Mitte) und seine Band „Die Heimatlosen“ spielen nicht nur Operettenmelodien. Es wird gereimt und getextet und mit dem „Otti-Dance“ Stimmung gemacht.


Fischer: Wir leben in Frieden. Doch das zarte Pflänzchen Frieden verdorrt zunehmend. Die nächste Herausforderung ist Donald Trump. Bei ihm ist es so wie mit Ratzinger, als der Papst wurde. Der stand soweit rechts, da dachte man, das geht ja gar nicht. Dann hat er sich etwas angepasst. Trump hat jetzt nach seiner Wahl klar gemacht, er wolle sich an die Spielregeln halten. Seine Aussagen seien Wahlkampf gewesen.

In Ihrem Stück „Wandogo“ hat ein Dirigent 200 Libretti der beliebtesten Operetten mit auf die Insel gerettet. Aber die mit ihm gestrandeten Musiker weigern sich, sie zu spielen. Spielen Sie damit auf die Flüchtlingsfrage an?

Fischer: Wir haben drei Jahre an dem Programm gesessen. Jetzt kommt der Inselsymbolik aber besondere Bedeutung zu. Denn ganz Europa versagt im Flüchtlingswesen.

Sie klingen resigniert?

Fischer: Na, die Planung des Allmächtigen läuft nicht in unsere Richtung .

Sie mögen Operette wirklich?

Fischer: Ja, ich bin Operettenfan. Und ich habe einen tollen Stab an Musikern. Wir machen auch Modernes, bauen Stücke stilistisch verwandt mit Brecht und Weill ein.

Sie treten in Nürnberg und Umgebung zudem mit Lizzy Aumeier und der Nummer „Elefantentreffen“ auf.

Fischer: Ja, wir ergänzen uns gut, das ist lustig. Das „Elefantentreffen“ ist quasi mein Hobby. Das ist eine lockere Form von Humor. Hier zeigen Komiker ihre Lebensfreude — und Existenzberechtigung. Nur fürchte ich, Lizzy Aumeier hat nicht ganz meinen Body-Mass-Index (lacht auf).

Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Sie haben 2008 öffentlich gemacht, dass Sie an Parkinson leiden.

Fischer: Es geht mir wunderbar. Mir müsste es eigentlich viel schlechter gehen. Und wenn man Parkinson hat, da fehlt einem nix. Da hat man was . . . Derzeit habe ich eine gute Zeit. Man kann ja nicht davon geheilt werden, aber vielleicht bin ich der erste, der das schafft.

Sprechen Sie wegen Ihrer Krankheit im Intercity-Tempo?

Fischer: Ich rede so schnell, wie ich denke. Und manchmal ist es auch gut, wenn es schnell vorbeizieht, was ich sage . . . Ich beneide inzwischen Martin Luther, der hat etwas gefunden, um noch schneller zu reden: Er hat den Hammer genommen und dadurch das Nuscheln vermieden!

Na, als katholischer „Pfarrer Braun“ dürften Sie solche Sprüche aber nicht klopfen, schon gar nicht im tiefen Süden Bayerns oder in Ihrer Heimat im Bayerischen Wald, oder?

Fischer: Sind Sie ein katholischer oder ein evangelischer Franke?

Ich bin eine evangelische Fränkin.

Fischer (überlegt): Ja, bei Euch gibt es so einen Religionsmischmasch.

Bei uns in Nordbayern gibt es Meinungsvielfalt.

Fischer (Pause, denkt nach und spricht dann betont langsam und gedehnt): Meinungsvielfalt. Das Wort habe ich ja schon lange nicht mehr gehört.

Interview: ELKE GRASSER-REITZNER

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