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Donnerstag, 24.09.2020

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Testen ohne Perspektive: "Auf Dauer geht die Spannung raus"

Derby FC/DJK Weißenburg gegen SSV Oberhochstatt zeigt aktuelles Dilemma, in dem die Vereine stecken - 07.09.2020 13:07 Uhr

Testspiel-Derby mit vielen Zweikämpfen: Der FC/DJK Weißenburg holte einen 2:1-Sieg gegen den SSV Oberhochstatt. Hier rangeln gerade Tim Rusam (links, SSV) und Raffael Rill (rechts, FC/DJK) vor Schiedsrichter Saloman Stengel um den Ball.

© Foto: Uwe Mühling


So haben die Nachbarn aus Weißenburg und Oberhochstatt nun ein Testspiel vereinbart. Bei diesem Derby ist normalerweise eine schöne Zuschauerkulisse üblich. Am späten Samstagnachmittag jedoch: Null Besucher, denn sogenannte Trainingsspiele sind in Bayern nach wie vor nur ohne Zuschauer erlaubt. Selbst die andernorts üblichen "Zaungäste" fehlten auf dem Sportplatz am Lehenwiesenweg fast komplett, was sicher auch daran liegt, dass das Gelände gut abgeschottet ist.

Schnelle FC-Führung

Trotz der ungewohnten äußeren Umstände entwickelte sich für beide Teams ein interessanter Vergleich, den der FC/DJK knapp mit 2:1 gewann. Die Gastgeber nutzten in der Anfangsphase mit schnellen Kontern die Unsicherheiten in der SSV-Defensive zur 2:0-Führung durch Benedikt Auernhammer (neunte Minute) und Matthias Dollinger (23.).

Nach einer halben Stunde kam Oberhochstatt durch den etwas glücklichen Anschlusstreffer von Nico Loy zum 2:1 und hielt die Partie damit offen. Im zweiten Durchgang hätte der FC/DJK noch erhöhen können, der SSV hatte allerdings auch Möglichkeiten zum Ausgleich. Letztlich blieb es bis zum Schlusspfiff von Schiedsrichter Salomon Stengel beim 2:1.

Beide Trainer – Philipp Naß auf Weißenburger sowie Lothar Satzinger auf Oberhochstatter Seite – sprachen von einem insgesamt "guten Test", der allerdings von einem Zwischenfall überschattet wurde, den beide sehr bedauerten: Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste FC-Spieler Matthias Dollinger mit einer Knieverletzung vom Platz und ins Krankenhaus gebracht werden. Er war bei einer Aktion unglücklich am Boden gelandet. Wie schwerwiegend das Ganze ist, müssen die weiteren Untersuchungen zeigen. Sein Coach befürchtet Schlimmeres.

Aktuelle Ungewissheit

Unabhängig von diesem Wermutstropfen wollen der FC und der SSV auf Dauer natürlich nicht nur testen, sondern auch wieder um Punkte spielen. Wie alle anderen Vereine in der Region so leiden auch der Stadt- und der Ortsteilklub unter der aktuellen Ungewissheit. Seit Juli läuft die Vorbereitung, der Re-Start hängt am seidenen Faden. "Die ganze Trainingsgestaltung war auf das erste September-Wochenende ausgerichtet", erklärt Lothar Satzinger und sieht mehr und mehr ein Problem: "Auf Dauer geht die Spannung raus."

Trainer des FC/DJK Weißenburg: Philipp Naß.

© Foto: Uwe Mühling


Satzinger hofft wie sein Kollege Naß darauf, dass möglichst bald Klarheit herrscht, ob und wie es weitergeht. "Ich hoffe auf ein Signal, dass man planen kann", sagt Philipp Naß. Seit dem 8. Juli steckt er mit seiner Mannschaft in der Vorbereitung und ist bislang "sehr zufrieden" damit. Zweimal wird unter der Woche trainiert, an den Wochenenden wird regelmäßig gespielt. Zudem absolvierte der FC/DJK daheim am Lehenwiesenweg ein Trainingslager-Wochenende. "Die Gruppe ist gut zusammen, wir fühlen uns gut und sind startklar", unterstreicht Naß, der die Mannschaft in der Winterpause übernommen hat.

Schon vorher, noch unter Alexander Rottler, war Maros Blacha bereits ein paar Mal im Training. Inzwischen gehört der Slowake, der seit drei Jahren in Weißenburg lebt, fest zum Kader und spielte auch gegen Oberhochstatt von Anfang an. Eingefädelt hat den Neuzugang Co-Trainer Steve Pfefferlein, der ein Arbeitskollege von Blacha ist.

Ansonsten haben die Weißenburger im Prinzip den bisherigen Kader zur Verfügung und werden alles versuchen, um doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Seit Monaten ziert der FC/DJK als Schlusslicht die Tabelle der Kreisliga West, möchte aber den Sprung auf die Relegationsplätze schaffen. Mehr dürfte realistisch betrachtet nicht drin sein, glaubt Philipp Naß und hofft, dass es ab 19. September weitergeht.

Junge Spieler integrieren

Darauf baut auch Lothar Satzinger, der mit Oberhochstatt als Vierter der KK-West noch gute Chancen auf einen der beiden Spitzenplätze hat. Sollte es für ganz oben reichen, würde man beim SSV sicher nicht Nein sagen. Fast noch wichtiger ist dem Coach und SSV-Urgestein aber etwas anderes: junge Spieler einbauen und den Generationswechsel bei den Oberhochstattern fortsetzen.

Neuer Trainer des SSV Oberhochstatt: Lothar Satzinger.

© Foto: Uwe Mühling


Viele der jungen Leute hat Satzinger als langjähriger Jugendtrainer beim SSV selber ausgebildet und gefördert. Jetzt geht es für ihn darum, die Youngster auch im Herrenbereich zu integrieren. Beim Testspiel am Samstag in Weißenburg standen gleich fünf 18-Jährige im Kader und auch sonst etliche Akteure der jüngeren Generation. Sie sollen gemeinsam mit Routiniers wie den Auernhammer-Brüdern, Kapitän Bastian Walcher oder Torwart Michael Hammer eine neue und schlagkräftige Truppe bilden.

Im Sommer hat Lothar Satzinger als Nachfolger von Stephan Bauer das Traineramt in Niederhofen (wieder) übernommen. Nach dreiwöchiger Lauf-Challenge startete Mitte Juli die Vorbereitung. "Die Stimmung ist gut bei uns", berichtet Satzinger und verweist auch auf ein gelungenes "Trainingslager dahoam". Schade fand er, dass es nicht wie erhofft mit dem Neustart am 5./6. September geklappt hat. Auch Philipp Naß fand das "enttäuschend".

Skepsis in puncto Klage

Dennoch sind beide skeptisch, was eine mögliche Klage durch den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) angeht. Wie berichtet, konnten die Vereine darüber abstimmen, ob sie die Wiederaufnahme des Punktspielbetriebs mit Zuschauern wollen und ob sie dies notfalls auf rechtlichem Wege durchsetzen würden. Als Druckmittel, so finden Naß und Satzinger, sei das schon ein Thema, in letzter Konsequenz habe der Klageweg aber eher nichts im Amateurfußball verloren.

"Auch wenn das Vorgehen vielleicht nicht immer verständlich ist, sollten wir doch die Entscheidungen unserer demokratisch gewählten Regierung akzeptieren," sagt FC-Trainer (und Vorsitzender) Philipp Naß. Und SSV-Coach Lothar Satzinger fügt hinzu: "Es ist trotz allem nur Fußball. Wir sollten entspannt bleiben."

UWE MÜHLING

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