Kochshow-Finale

The Taste-Star Janni: "Ohne Ordnung kann ich nicht kreativ sein"

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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27.10.2021, 06:04 Uhr
Will jetzt durchstarten: Jannis

Will jetzt durchstarten: Jannis "Janni" Alexandridis. © privat

Jannis Alexandridis steht im Finale von "The Taste", Deutschlands beliebtester Kochshow. Dieses Finale, das schon vor Wochen aufgezeichnet wurde, wird an diesem Mittwoch, 27. Oktober, 20.15 Uhr, auf SAT.1 ausgestrahlt.

Alexandridis´ Großeltern stammen aus Griechenland, seine Mutter kommt aus Rumänien. Der 22-Jährige ist aber waschechter Franke: geboren in Nürnberg, aufgewachsen in Wendelstein. Besuch der Grundschule in Wendelstein, später der Realschule in Feucht.

Nach der Schule lernte er den Beruf des Kochs. Sein Lehrbetrieb: Das Landhotel Weißes Roß in Illschwang bei Amberg. Nach der Ausbildung arbeitete er unter anderem für neun Monate in Andermatt in der Schweiz. Seit seiner Rückkehr ist er in den Familienbetrieb eingestiegen, als Küchenchef im "Central" in Wendelstein. Das "Central" haben seine Eltern aufgebaut. Seine Schwester Elisa und ihr Freunde Claudio Colonna sind dort für den Servicebereich zuständig.

Vor dem Taste-Finale an diesem Mittwoch hat Jannis Alexandridis, den in der Kochshow alle nur "Janni" nennen, der Redaktion einen Besuch abgestattet.

Hallo Janni, schon aufgeregt vor dem "TheTaste"-Finale am Mittwoch?

Ja und nein. Nein, weil die Sendung aufgezeichnet ist. Aber trotzdem bin ich ein klein wenig angespannt. Das Finale gucken wir nämlich im Post-Hotel bei Alexander Herrmann. Eine Art internes Public Viewing. Die Coaches, die Kandidaten, das Team. Es wird wie ein kleines Wiedersehen.

Gab es denn seit Abschluss der Dreharbeiten keine Kontakte mehr?

Doch, schon. Ich habe durch "The Taste" Freunde fürs Leben gefunden. Der Tim zum Beispiel (einer von Jannis Konkurrenten, Anm. d. Red.) hat mich schon besucht.

Wie bist du eigentlich Koch geworden? Die Branche klagt bekanntlich über großen Nachwuchsmangel.

Meine Eltern haben das Central in Wendelstein. Ich bin also gewissermaßen in der Küche aufgewachsen. Und habe mir meine ersten Euro als Helfer beim Abspülen verdient. Für mich kam nie etwas anderes infrage als Koch zu werden. Es ist toll, einen Handwerksberuf zu haben. Und Koch zu sein ist einfach cool.

Das vermittelst du auch in den bisherigen Folgen von "The Taste".

Ja, ich habe Spaß an der Sache. Und das versuche ich rüberzubringen.

Bei "The Taste" müssen die Kandidatinnen und Kandidaten binnen 60 Minuten für die Jury Probierlöffel eines Gerichts zaubern. Was ist die größte Herausforderung dabei?

Meiner Meinung nach ist das die sehr kurze Zeit, die man zum Überlegen und zur Beratung hat. Fünf Minuten, das ist nicht viel. Beim veganen Kochen zum Beispiel bekamen wir drei Zutaten mitgeteilt, die ins Gericht mussten: Mohn, Buchweizen, Leinsamen. Daraus binnen fünf Minuten einen Plan für ein schmackhaftes Gericht zu entwickeln, das ist die größte Herausforderung.

Der Plan ist das eine, die Umsetzung das andere.

Der Plan ist schon mal sehr wichtig. Aber ich zum Beispiel habe, wenn ich am Herd stehe, einen Tick. Bei mir muss immer alles an seinem Platz sein. Ich brauche Aufgeräumtheit und Ordnung. Ich bin in diesen Dingen mega-strukturiert. Wenn ich etwas nicht mit dem ersten Handgriff finde, dann kann ich nicht kreativ sein. Dann wird die Küche für mich wie ein Dschungel.

"The Taste" hat wöchentlich rund vier Millionen Zuschauer. Du bist also buchstäblich einem Millionenpublikum bekannt. Wie wirkt sich das auf den Alltag aus?

Tatsächlich ist es so, dass mich die Leute beim Bäcker oder im Supermarkt erkennen. Auf der Straße wollen fremde Menschen mit mir Selfies machen. Das ist auf der einen Seite toll. Aber auf der anderen Seite bin ich manchmal fast ein wenig überfordert. Ich bin ja weiter einfach der Janni.

Wie bist du eigentlich zu "The Taste" gekommen?

In der Kochshow

In der Kochshow "The Taste" schaffte es Janni bis ins Finale. © SAT.1/Jens Hartmann, NN

Das war ein bisschen tricky. Als die Bewerbungsfrist lief, bekam ich einen Brief. Einen Fake-Brief, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat. Ein fiktiver Aufruf der Redaktion, die mich angeblich in der Show haben wollte. Wer dahinter steckt, weiß ich bis heute nicht. Ich habe bei SAT.1 angerufen, und die wussten von nichts. Sie sagten, ich müsse mich halt ganz normal bewerben. Das habe ich dann tatsächlich gemacht. So wie einige tausend pro Jahr. Bevor es ins Fernsehen ging, gab es Probekochen-Runden ohne die Coaches. Die habe ich überstanden. Und so war ich dann bei den letzten 31 dabei.

Und jetzt bist du im Finale und unter den besten Sieben.

Ja, das macht mich sowas von stolz. Und erst meine Eltern und meine Schwester. Die sind wahrscheinlich noch stolzer.

Jannis Alexandridis im Finale: Glück oder Können oder beides?

Ich habe einen Spruch: Erfolg ist kein Glück und kein Zufall. Koch zu sein ist für mich der schönste Beruf der Welt. Ich stecke da wahnsinnig viel Zeit hinein. Und dann will ich halt immer Erster sein.

Schon immer?

Ja, schon immer. Ich weiß, manchmal ist das kein besonders guter Charakterzug. Früher, beim Uno-Spielen, war ich immer der erste, der geheult hat, wenn er verloren hat. Wenn ich etwas mache, dann will ich immer richtig gut sein.

Wirkt sich der Erfolg bei "The Taste" auf deinen weiteren Lebensweg aus?

Ich denke schon. Ich habe eine eigene Firma gegründet, biete Koch-Kurse und Live-Cooking-Events an. Vieles läuft über Social Media. Kürzlich durfte ich im Puma-Headquater für 20 Kreativ-Direktoren kochen. So etwas finde ich toll. Auf meinem neuen Instagram-Account ("chefjanni", Anm. d. Red.) habe ich binnen kurzem knapp 2500 Abonnenten eingesammelt. Das schießt jetzt ganz schön nach oben. Ich will da mit Koch-Videos einiges machen.

Auf Instagram (

Auf Instagram ("chefjanni") hat der 22-Jährige binnen weniger Wochen rund 2500 Follower eingesammelt. © Privat, NN

Das klingt nicht danach, als ob du noch lange der Küchenchef im Wendelsteiner "Central", dem Restaurant Deiner Eltern, wärst.

Es ist eine spannende Zeit. Ich war ja schon mal neun Monate in der Schweiz. Ich habe zum Beispiel ein Angebot von Tim Raue in Berlin. Ich müsste vielleicht auch noch mal ins Ausland. Ich habe so vieles noch nicht gesehen. Auf der anderen Seite bin ich ein totaler Familienmensch. Meine Oma hat für meinen Papa alles getan, damit er es mal besser hat. Mein Papa und meine Mama haben alles für mich und meine Schwester getan. Da geht man nicht so einfach. Und wenn, dann nur für einen begrenzten Zeitraum. Wendelstein wird auf jeden Fall meine Heimat bleiben.

Wie sind die Reaktionen auf "The Taste" aus deinem Umfeld?

Die Familie ist wie gesagt stolz und begeistert. Aber auch meine ganzen alten Kumpels finden es cool. Was mich echt freut: Meine alte Schule, die Realschule Feucht, hat sich gemeldet. Als Schüler war ich bei den Lehrern sicherlich nicht immer der Beliebteste. Aber jetzt geht´s da jeden Donnerstag nach der jeweiligen "The Taste"-Folge im Lehrerzimmer voll ab.

Zweimal warst du in den vergangenen Wochen kurz vor dem Ausscheiden gestanden. Einmal hat Dich der Joker von Tim Raue gerettet. Im Halbfinale hast Du dann beim Entscheidungskochen richtig überzeugt.

Grundsätzlich finde ich das Entscheidungskochen gar nicht so schlimm. Mehr Chancen, um Dinge auszuprobieren, mehr Fernsehzeit. Im Halbfinale hat mir das den vollen Kick gegeben. Du stehst in der Küche, dein Coach gibt dir Tipps. Es geht um alles. Und wenn der Coach Tim Raue heißt, dann ist das doch die Wucht. Sozusagen eine private Koch-Stunde mit dem besten deutschen Koch. Meine Güte, der Mann kommt aus einfachen Verhältnissen, hat zwei Michelin-Sterne. Wegen Tim Raue bin ich Koch geworden. Und jetzt ist er mein Teamchef. Das ist für mich ein Traum.

Bei "The Taste" landet ein komplettes Gericht auf einem großen Probierlöffel. Der Fernsehzuschauer fragt sich: Was, bitteschön, passiert mit dem ganzen Rest der hochwertigen Lebensmittel?

Das ist mir schon wichtig zu betonen, dass nichts weggeschmissen wird. Ich mag persönlich nicht, dass gute Lebensmittel entsorgt werden. Und den Machern der Show ist es auch ein großes Anliegen. Alle Lebensmittel, die man im Fernsehen sieht, und die Regale sind für uns Kandidaten ja wirklich gut gefüllt, wurden anschließend gespendet, der örtlichen Tafel zum Beispiel.

Seit deiner Rückkehr aus der Schweiz bist du Küchenchef im "Central" in Wendelstein. Wie muss man sich das vorstellen?

Das geht über das reine Kochen hinaus. Ich kaufe die Lebensmittel zweimal wöchentlich selbst ein, zumindest Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst, die frischen Sachen halt. Da muss ich vor Ort die Qualität selbst prüfen. Das Einkaufen hat mich schon immer fasziniert. Ich bin als kleines Kind mit meinen Eltern lieber in die Metro gefahren statt in den Kindergarten zu gehen.

Was kocht sich Jannis Alexandridis selbst, wenn er frei hat.

Für mich selbst koche ich recht selten. Da fehlt mir nach fünf Tagen in der Küche einfach die mentale Kraft, um mir was Schönes zu zaubern.

Ok., dann anders gefragt: Wann warst du zuletzt bei McDonald´s?

Ganz ehrlich? Gestern. Da hatte ich nach Dienstschluss um 22.30 Uhr richtig Hunger. Und alles andere hatte schon zu.

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