Toptorjäger Fabian Eberle hört beim VfB Eichstätt auf

9.2.2021, 07:09 Uhr
Dynamisch, torgefährlich, effektiv: Fabian Eberle (vorne rechts, hier beim Pokal-Hit 2017 beim TSV 1860 Weißenburg) gilt als absoluter Ausnahmestürmer.

Dynamisch, torgefährlich, effektiv: Fabian Eberle (vorne rechts, hier beim Pokal-Hit 2017 beim TSV 1860 Weißenburg) gilt als absoluter Ausnahmestürmer. © Foto: Uwe Mühling

"Das ist natürlich keine Ad-hoc-Entscheidung gewesen, die man von heute auf morgen trifft. Es war ein langer Reifeprozess. Schon vor einem Jahr spielte ich mit dem Gedanken, wie lange ich in Eichstätt noch spielen werde. Doch dann kam Corona dazwischen und die Saison wurde unterbrochen. Da stand für mich außer Frage, dass ich diese Spielzeit gemeinsam mit den Jungs noch durchziehe und vernünftig zu Ende bringe", sagt Fabian Eberle.

Seine Zeit in Eichstätt wird nunmehr im Sommer 2021 nach fünf Jahren enden. Als Grund führt er sowohl die Familie als auch die körperliche Belastung an. So hatte der "Mann mit eingebauter Torgarantie" beispielsweise das letzte Punktspiel im Oktober vergangenen Jahres bei der SpVgg Bayreuth aufgrund anhaltender Rückenbeschwerden verpasst – nachdem er davor fast ein halbes Jahr fortwährend unter starken Schmerzen gespielt hatte. Trotz stetiger Behandlung hat sich der körperliche Zustand bis heute nicht großartig verbessert. "So langsam ist es schon etwas frustrierend", so Eberle.

Die extrem hohe Belastung mit bis zu sechs Fußballtagen während der Vorbereitung und drei bis vier Einheiten während der Saison sowie einem Punktspiel am Wochenende (mit Auswärtsspielen in bis zu 300 Kilometern Entfernung) forderten in den zurückliegenden fast fünf Jahren einfach ihren Tribut bei dem mittlerweile 32-Jährigen – und vor allen Dingen viel Zeit. Diese will er nun seiner Familie widmen. "Meine Frau hat mich über die Jahre immer voll unterstützt. Der Fußball war mir schon immer sehr wichtig, jetzt will ich das Ganze zeitlich zurückschrauben und noch mehr Zeit für meine Familie haben", sagt der zweifache Vater.

Abschied ja, Karriereende nein

Der Abschied aus Eichstätt ist aber nicht mit einem Karriereende des Torjägers gleichzusetzen. "Dafür verspüre ich noch viel zu große Lust auf Fußball. Und abgesehen von meinen Rückenbeschwerden fühle ich mich topfit. Ich will nur weniger Aufwand betreiben müssen und in einer Liga spielen, in der der zeitliche Faktor nicht mehr so umfangreich ist." Dabei lässt sich der gebürtige Solnhofener alle Optionen offen. Entweder er macht nur als Spieler weiter oder aber er steigt vielleicht als spielender Co-Trainer in das Trainergeschäft ein, wobei die Zukunft derzeit noch völlig offen ist.

Über seinen Entschluss weihte Eberle – Spitzname "Faber" – die Mannschaft in der vergangenen Woche in einer virtuellen Besprechung am PC ein – und überraschte einige seiner Mitspieler mit seiner Entscheidung. "Aber schon kurz danach und auch in den darauffolgenden Tagen haben mich fast alle Spieler persönlich angerufen oder mir geschrieben und gesagt, dass sie meine Gründe nachvollziehen können. Gleichzeitig haben sie sich schon für die bisherige gemeinsame Zeit bedankt", berichtet Eberle, der mit dem VfB unter anderem schon in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen Hertha BSC Berlin gespielt hat.


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Und der langjährige Torjäger seines Heimatvereins TSG Solnhofen, an dessen Höhenflug er ebenfalls maßgeblich beteiligt war (109 Tore in 117 Bezirksliga-Spielen), ergänzt: "Das waren wirklich tolle Gespräche. Viele haben bei dieser Gelegenheit mit mir über die letzten gemeinsamen fünf tollen Jahre gesprochen und welche genialen Momente wir auf, aber auch neben dem Feld zusammen hatten. Wir haben uns schon darauf eingeschworen, dass wir die aktuell unterbrochene Saison so cool wie möglich zu Ende bringen wollen." Die Vereinsverantwortlichen zeigten ebenfalls Verständnis. Und Zuspruch gab es auch von Trainer Markus Mattes, auch wenn er den Abschied seines treffsichersten Angreifers bedauert.

Beruflich als Lehrer in Heidenheim

Doch noch ist nicht Schluss. Wann auch immer die unterbrochene Saison fortgesetzt oder der Spielbetrieb im Ligapokal aufgenommen wird, Eberle steht in den Startlöchern und will mit Toren seinen Beitrag zu den Erfolgen leisten. In der Corona-bedingt langen Winterpause hat sich der Weißenburger, der beruflich als Grundschullehrer in Heidenheim tätig ist, mit Dauerläufen fit gehalten. Einmal joggte er sogar mit seinem Ex-Mitspieler und Sturmpartner Florian Grau (jetzt Spielertrainer beim TV Hilpoltstein) um den Brombachsee. "Manchmal musste man einfach dem Alltag entfliehen, raus an die frische Luft und andere Leute treffen."

Für Eberle ging es nicht darum, auf Zeit zu laufen, sondern hauptsächlich den Fitnesszustand zu halten und um den Kopf freizukriegen. "Joggen war noch nie so meines. Aber mittlerweile finde ich es sehr entspannend", sagt der Mittelstürmer, der erst vor wenigen Monaten das Kapitänsamt von Benjamin Schmidramsl übernommen hatte. In dieser Funktion hat er sich zuletzt aber im Hintergrund gehalten. "Wir haben wirklich so ein tolles Mannschaftsgefüge, wo jeder mit jedem kann und in Verbindung steht. Da muss ich als Kapitän nicht extra den Kontakt suchen."

Seit 2016 im grünen Trikot des VfB Eichstätt: der Ex-Solnhofener Fabian Eberle.

Seit 2016 im grünen Trikot des VfB Eichstätt: der Ex-Solnhofener Fabian Eberle. © Foto: Uwe Mühling

War es jedem Spieler bislang selbst überlassen, sich fit zu halten, steigen die VfB-Fußballer nun wieder in das gemeinsame – wenn auch nur virtuelle – Training ein. "Seit vergangener Woche machen wir über eine fußballspezifische App Fitnesstraining", berichtet der Spieler mit der Rückennummer 10, der gleich in seinem ersten Jahr beim VfB Eichstätt mit 26 Treffern Torschützenkönig der Bayernliga Nord wurde. Damit trug er maßgeblich zum Aufstieg in die vierthöchste Spielklasse Deutschlands bei. Auch in dieser semiprofessionellen Liga stellte er seine Abschlussqualitäten unter Beweis und traf in beeindruckender Manier – mal ganz simpel per Abstauber, mal spektakulär.

Beidfüßig und mit Köpfchen

Er traf mit beiden Füßen, mit dem Kopf, per Elfmeter, nach Einzelaktionen oder aber auch gelungenen Kombinationen. Den 20 Toren in der Spielzeit 2017/2018 ließ er 18 "Buden" in der Vizemeisterschaft-Spielzeit 2018/2019 folgen. Aktuell steht er in der Corona-Saison 2019/2021 bei 16 Treffern. Tore, die zukünftig ein anderer schießen soll. Dazu sagt Eberle: "Ich kann nur jedem jungen, talentierten Stürmer dazu raten, sein Können beim VfB unter Beweis stellen zu wollen."

Nimmt man den Abschied des langjährigen Kapitäns und Urgesteins Benjamin Schmidramsl im vergangenen Sommer hinzu, dann steht der VfB mit dem nun angekündigten Weggang von Fabian Eberle vor einer riesigen Herausforderung. 80 Punktspieltreffer in 121 Bayernliga- beziehungsweise Regionalligaspielen belegen die Extraklasse des 1,90 Meter großen Angreifers. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch in menschlicher Hinsicht wird Eberle sehr große Fußstapfen hinterlassen.

Gnadenlose Effizienz

Obwohl er in keinem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) ausgebildet wurde, ist er das Paradebeispiel schlechthin für einen kompletten Stürmer und eiskalten Vollstrecker. Gnadenlose Effizienz, der berühmte Torriecher, gute Technik und imponierende Spielintelligenz zeichnen ihn genauso aus wie Zweikampf- und Willensstärke. Darüber hinaus stellt er sich uneigennützig in den Dienst der Mannschaft, was nicht zuletzt seine 34 direkten Torvorlagen belegen.

Trotz der Erfolge und des Rummels um seine Person als Top-Torjäger ist der 32-jährige Vollblutfußballer immer bodenständig und bescheiden geblieben und stellt den Teamgedanken in den Vordergrund. Fabian Eberle: "Die Abwehr- und Mittelfeldspieler sind mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger. Ich als Stürmer stehe nur am Ende einer langen Kette. Nur wenn die Mannschaft voll intakt ist, kann man als Stürmer erfolgreich sein."

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